Exklusiv: Erste deutsche Bank macht Immobilien-Crowdinvesting zum Standardprodukt

Von Heinz-Roger Dohms

Die Produktpalette der Nürnberger Consors-Bank enthält die üblichen Angebote eines gut sortierten Online-Brokers. Der Kunde kann sparen (Tagesgeld, Festgeld, Sparpläne …), er kann anlegen (Aktien, Fonds, ETFs …) und er kann vorsorgen (Riester, Rürup, BU …). Nun allerdings wird die Palette nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ um ein Produkt erweitert, dass man bei deutschen Geldhäusern bislang vergeblich suchte – um Crowdinvesting für Immobilien nämlich. Als Partner hierfür hat Consors das Hamburger Fintech Exporo ausgewählt, mit einem im vergangenen Jahr vermittelten Volumen von 88,6 Millionen Euro die größte Immo-Crowd-Plattfom hierzulande. Am heutigen Donnerstag soll die Kooperation offiziell bekanntgegeben werden, auf der Homepage von Consors ist sie schon vollzogen.

Die Zusammenarbeit zwischen Consors und Exporo ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert: Die Hanseaten, die ihre Crowd-Kunden bislang teuer übers Internet akquirieren müssen, erhalten über die BNP-Paribas-Tochter direkten Zugang zu Millionen von Kunden. Doch nicht nur für Exporo ist der Deal ein Ritterschlag, sondern für Branche als solche. Denn: Obwohl es bislang erst zu einem größerem Ausfall bei Immobilien-Finanzierungen über den Schwarm gekommen ist, haftete dem Modell bislang der Geruch des Graumarkts an. Dadurch, dass einer der größten Online-Broker des Landes die Produkte nun in sein Schaufenster stellt, wird Crowd-Investing plötzlich zum sozusagen offiziellen Bankprodukt. Es gehe darum, den Kunden „die ganze Welt des Investierens zu eröffnen“, heißt es bei Consors.

Die Kooperation mit dem Online-Broker passt zu einer Reihe weiterer Schritte, die Exporo zuletzt unternommen hat – und die wohl auch dem Ziel dienen, sich am Markt als klar regulierter Player zu positionieren. So stellten die Hamburger als Alternative zum Crowdinvesting jüngst das sogenannte Crowdlending vor, das dem Anleger einen besseren Schutz ermöglichen soll. Dabei investiert der Anleger per Bankdarlehen über eine Partnerbank in die Immobilienprojekte. Im Laufe dieses Jahres soll das Finanzierungsmodell sukzessive von Investing auf Lending umgestellt werden – jedenfalls weitgehend. Zudem verfügt Exporo seit Mitte Dezember über eine KWG-Lizenz der Bafin.

Spannend wird, ob Immo-Crowdinvesting durch den Consors nun einen ähnlichen Schub erhält wie Robo-Advisory durch den Einstieg der ING Diba. Hintergrund: Seit die Frankfurter Online-Bank ihre Kunden an den Robo-Marktführer Scalable Capital weiterleitet, haben sich dessen Assets under Management nach Berechnung von „Finanz-Szene.de“ binnen weniger Monate mehr als verdoppelt.