Exklusiv: Haspa-Vorständin Poullain geht vorzeitig – und hinterlässt ihrem Chef ein Quotenproblem

Von Heinz-Roger Dohms

Überraschende Personalie bei der Hamburger Sparkasse: Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat Privatkunden-Chefin Bettina Poullain intern angekündigt, ihren eigentlich bis 2021 laufenden Vertrag nicht erfüllen zu wollen. Stattdessen wird sie schon ein Jahr früher ausscheiden, wie die Haspa auf Anfrage bestätigte. Darüber hinaus will Poullain ihre Arbeitszeit schon vom nächsten Frühjahr an reduzieren – was die Frage der Nachfolge umso akuter machen dürfte. Als Grund für ihre vorzeitige Demission führte die 1958 geborene Managerin den Informationen zufolge ihre „private Lebensplanung“ an.

Ihren Chef, den Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang, bringt Poullain damit unter Zugzwang. Die Hamburger Sparkasse hatte 2015 nämlich  eine Quotenregelung eingeführt, die zwar nicht sonderlich ehrgeizig ausfiel – und trotzdem im vergangenen Jahr gleichmal verletzt wurde, wie sich dem Geschäftsbericht entnehmen lässt.

Konkret setzte sich die Hamburger Sparkassen drei Ziele:

  1. Auf den beiden Führungsebenen unterhalb des Vorstands sollen Frauen mindestens 10% aller Posten besetzen – eine Zielgröße, die die Haspa zum 30. Juni 2017 (das war der erste Stichtag) mit 12% nur knapp erreichte, obwohl der Gesamtanteil von Frauen in der Belegschaft stolze 55% beträgt.
  2. Für den Aufsichtsrat setzte sich die Haspa eine Zielmarke von 18,75% – was lediglich verlangt hätte, den (seit April 2015) zwei Kontrolleurinnen eine dritte hinzuzufügen, denn dann hätte man angesichts von insgesamt 16 AR-Mandaten die Quote bereits erfüllt. Indes: Obwohl die Haspa bis zum Stichtag 2017 rund zwei Jahre Zeit hatte, schaffte sie es nicht, eine dritte Kontrolleurin zu finden (laut Geschäftsbericht mangels geeigneter Kandidatinnen). Ausweislich ihrer Homepage hat die Sparkasse aktuell weiterhin nur zwei weibliche Aufsichtsräte.
  3. Bleibt der Vorstand: Hier orientierte sich die Haspa einfach am Ist-Zustand (bei den Vorstandssitzungen teilt sich Poullain den Tisch seit Jahren  mit vier Männern) und legte das Quotenziel auf 20% fest. Heißt: Wenn Vogelsang nach der AR-Quote nicht auch noch die Vorstands-Quote reißen will, muss er zwingend eine Frau für den frei werdenden Posten finden.

Bettina Poullain war 2011 zunächst als Generalbevollmächtigte zur Hamburger Sparkasse gekommen, bevor sie später in den Vorstand aufstieg. Sie ist eine Tochter des 2013 verstorbenen Großindustriellen Berthold Beitz und  Schwiegertochter des langjährigen WestLB-Chefs Ludwig Poullain, der 2015 starb.

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!