Exklusiv: Kreditmarktplatz Auxmoney steht an der Schwelle zum Massenmarkt

Von Heinz-Roger Dohms

Auxmoney? Das war mal jenes deutsche Ur-Fintech, das  (obwohl schon 2007 gegründet) irgendwie nie richtig aus den Puschen zu kommen schien. Nehmen wir das Jahr 2014. Da steigerte die auf Konsumentenkredite spezialisierte Lending-Plattform das vermittelte Kreditvolumen lediglich von 25 auf 33 Mio. Euro – verbrannte im gleichen Jahr aber satte 8,5 Mio. Euro.

Eine Million Cashburn für jede Million zusätzliches Volumen. Und das im immerhin schon siebten Jahr  nach der Gründung. Prost, Mahlzeit. Dachte man.

Dieser Tage nun hat Auxmoney im Bundesanzeiger seinen 2016er-Abschluss veröffentlicht. Und auch wenn die Zahlen mangels  GuV (zu Gewinnen und Verlusten braucht Auxmoney als „kleine Gesellschaft“ keine expliziten Angaben zu machen) auf den ersten Blick wenig Aussagekraft besitzen – auf den zweiten sind sie hochinteressant. Um das zu verstehen, sollten Sie sich folgende, auf eigenen Recherchen beruhende Tabelle anschauen:

Neugeschäft in Mio. Fehlbetrag in Mio.
2007-2012 25-35* 4,7
2013 25 6
2014 33,12 8,5
2015 99,91 13,1
2016 181,48 9,4
2017 >300*? <9,4*?

*Schätzungen

Die hochinteressante Zahl, die sich im 2016er-Abschluss findet, ist der Jahresfehlbetrag von 9,4 Mio. Euro. Stellt man diese Summe dem im gleichen Jahr vermittelten Kreditvolumen gegenüber (die 181,48 Mio. Euro lassen sich aus Auxmoney-Veröffentlichungen errechnen), dann sieht man erstens: Mit einem nur unwesentlich höheren Cashburn als 2014 hat Auxmoney 2016 fast sechsmal so viel Volumen gemacht. Und zweitens: Mit einem deutlich geringeren Cashburn als 2015 hat Auxmoney 2016 rund 80 Prozent mehr Volumen gemacht.

Nun existieren zwar noch keine Zahlen für 2017. Marktkenner halten es jedoch für realitisch, das Auxmoney sein Volumen nochmals signifikant gesteigert hat, womöglich bereits auf mehr als 300 Mio. Euro. Zugleich spreche wenig dafür, dass die Düsseldorfer wieder mehr Cash verbrennen, heißt es. Denn: Auxmoney ist zuletzt weder durch übermäßige Recruiting-Kampagnen noch durch exzessives Markting aufgefallen – während die Provisionseinnahmen für die über die Plattform vermittelten Kredite weiter gestiegen sein dürften.

Kurzum:

1.) Ist aus der Lame Duck der deutschen Fintech-Szene plötzlich einer der Frontrunner geworden? Es sieht so aus – jedenfalls wenn sich der in 2016 erkennbare Trend 2017 fortgesetzt hat (wofür, siehe oben, einiges spricht)

2.) Wie war das möglich binnen so kurzer Zeit? Den entscheidenden Schub hat offenkundig die Öffnung der einst reinen P2P-Plattform für institutionelle Investoren 2015 gebracht. Damit hat Auxmoney nun eine ganz andere Funding-Power (siehe auch die Ankündigung des niederländischen Versicherers Aegon von Anfang 2017, insgesamt 1,5 Mrd. Euro via Auxmoney verleihen zu wollen)

3.) Warum hat Auxmoney damit solange gewartet? Womöglich haben die Auxmoney-Macher tatsächlich zu lange an das P2P-Modell geglaubt. Vermutlich ist es aber eher so, dass das Portal zunächst eine Kredithistorie aufbauen musste (sprich: zeigen musste, dass man die Risiken einigermaßen im Griff hat), um für institutionelle Investoren überhaupt zu werden

4.) Ist Auxmoney damit auch schon ein ernsthafter Konkurrent für die Banken? Gemessen am Neugeschäftsvolumen bei Konsumentenkrediten in Deutschland (laut Barkow 102 Mrd. Euro in 2017) ist der Marktanteil immer noch winzig. Allerdings: Vergleicht man die vermuteten mehr als 300 Mio. Euro mit dem Neugeschäft von etablierten Playern wie Creditplus (1,3 Mrd. Euro in 2016) oder der Commerzbank (2,3 Mrd. Euro in 2016) – dann könnte Auxmoney bei konstantem Wachstum schon bald in einer Liga mit den Großen spielen. Zwei Fußnoten sollten man zu diese Frage übrigens machen: a) Auxmoney war lange Zeit vor allem im „Subprime“-Segment stark, also bei Krediten, die Banken gar nicht erst vergeben und wo demnach kein direkter Konkurrenzkampf herrschte. b) Als möglicher Whitelable-Anbieter wäre Auxmoney zumindest theoretisch für Banken auch ein guter Partner.

5.) Kann Auxmoney das Wachstumstempo denn realistischerweise überhaupt halten? Zumindest ist das auf der Plattform-Idee gründende Geschäftsmodell sehr gut skalierbar – zumal wenn finanzkräftige Investoren wir Aegon den Druck hochhalten. Das Funding jedenfalls scheint nicht mehr der limitierende Faktor zu sein. Eher geht es jetzt darum, in einem hart umkämpften Markt genügend Kreditnehmer zu finden.

6.) Und die Gretchenfrage: Hat Auxmoney seine Risiken tatsächlich im Griff? Das ist tatsächlich die große Unbekannte – denn was die Ausfallraten angeht, spricht Auxmoney zwar von „durchschnittlich 4,0 Prozent“, gibt aber (anders als zum Beispiel die deutsche Tochter von Funding Circle) keine weiteren Details bekannt. Wovon man freilich ausgehen darf: Die Aegon-Leute werden sich mit derart dürren Angaben nicht zufriedengegeben haben.

7.) Inwieweit ist Auxmoney selbst von anderen Fintechs angreifbar? Schwer zu sagen. Zumindest scheinen die Eintrittsbarrieren für ausländische Wettbewerber hoch zu sein – so kommt Funding Circle, der Riese aus UK, in Deutschland bislang nicht mal annähernd an die Volumina von Auxmoney. Womöglich verkehrt sich die jahrelange Schwäche der Plattform (ohne Kredithistorie keine großen Investoren) jetzt in eine Stärke: Auch potenzielle neue Player werden nicht von heute auf morgen erfolgreich sein. Vielleicht muss es sich bei potenziellen Fintech-Konkurrenten aber auch gar nicht um Kreditplattformen handeln. Ein Beispiel für einen potenziellen Widersacher, an den man nicht unbedingt gleich denkt: Der Payment-Spezialist Klarna, der in der Absatzfinanzierung bereits ziemlich umtriebig unterwegs sind.