Exklusiv: Steigt US-Konzern First Data bei Sparkassen-Acquirer BS Payone ein?

Von Heinz-Roger Dohms

Die deutschen Sparkassen sondieren nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ einen möglichen Einstieg des US-Konzerns First Data beim öffentlich-rechtlichen Zahlungs-Dienstleister BS Payone. Dahinter könnte die Idee stehen, dass First Data seine hiesige Tochter Telecash bei BS Payone einbringt und im Gegenzug einen Anteil an der fusionierten Firma erhält. Weder der Deutsche Sparkassenverlag, der hinter BS Payone steht, noch First Data wollte sich zu den Informationen äußern.

Die Sparkassen hatten vor knapp einem Jahr bekanntgegeben, dass sie einen Investor für ihren hauseigenen Payment-Spezialisten suchen. Um die Attraktivität der Tochter zu steigern, verschmolzen sie zunächst die einstige B+S Card Services (die ihre Stärken im stationären Handel hat) mit dem 2015 übernommenen Kieler Finanz-Startup Payone (das auf den Internethandel ausgerichtet ist). Erklärtes Ziel ist es, mit dem Einstieg eines neuen Investors „das deutsche Acquiring-Geschäft mit europaweit agierenden Händlern zu stärken und weiter auszubauen“, wie eine Sprecherin von BS Payone kürzlich erläuterte. Der M&A-Prozess soll bis Ende diesen Jahren abgeschlossen sein

Als Favorit für einen Einstieg bei BS Payone galten bislang die beiden US-Finanzinvestoren Bain und Advent. Auf den ersten Blick würde solch ein Bündnis durchaus Sinn gemacht – schließlich haben Bain und Advent den deutschen Banken zuletzt bereits den Acquirer Concardis abgekauft, zudem erwarben sie das aufstrebende Berliner Bezahl-Startup Ratepay sowie die deutschen Netzbetreiber PCS PayCard Services und Simplepay.

Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ dürfte ein etwaiges Bündnis allerdings daran scheitern, dass die Sparkassen erklärtermaßen nur einen Minderheits-Anteil an BS Payone abgeben wollen. Für Bain und Advent wäre ein Deal dem Vernehmen nach aber nur dann attraktiv gewesen, wenn sie selber die Mehrheit an dem Sparkassen-Acquirer hätten erwerben können. „Die Reihen der Interessenten lichten sich. Während First Data gut im Rennen liegt, sind andere – darunter Bain und Advent – de facto ausgeschieden“, sagte ein Insider. Ein Sprecher von Bain lehnte einen Kommentar ab.

First Data, sagen Marktkenner, könnte sich durchaus mit einem Minderheitsanteil an dem Sparkassen-Unternehmen zufriedengeben. Hintergrund: Der US-Payment-Riese war in den frühen Nullerjahren mit beträchtlichem Ehrgeiz nach Deutschland gekommen und hatte 2003 zunächst Telecash (von der Telekom) sowie 2006 den Kartenabwickler GZS (von den Banken) übernommen. Welch starke Stellung die Amerikaner seinerzeit am deutschen Markt hatten, zeigte sich daran, dass die GZS-Tochter Easycash (die heute zu Ingenico gehört) im Zuge der Übernahme gleich wieder verkauft werden musste – ansonsten hätte das Bundeskartellamt dem Deal die Zusage verweigert, weil Telecash und GZS/Easycash im deutschen Netzbetrieb auf einen Marktanteil von über 50 Prozent gekommen wären.

Zuletzt war von dem einstigen Ehrgeiz allerdings nicht mehr ganz so viel zu spüren. Um Telecash und First Data wurde es mit den Jahren immer ruhiger, in den vergangenen 36 Monaten veröffentlichte der hiesige Ableger des US-Konzerns eine einzige Pressemitteilung (sie bezog sich auf die Einführung des „smarten Kassensystems“ Clover in Deutschland und Österreich). Insofern könnten die Amerikaner durchaus geneigt sein, mit BS Payone gemeinsame Sache zu machen.

Aus Sparkassen-Perpektive wäre so eine Konstellation sehr präsentabel. Sie hätten die B+S Card Systems binnen kurzer Zeit um gleich zwei Firmen erweitert (Payone und Telecash) – und hätten weiterhin das Sagen. Ob die Dreierkombinantion allerdings auch strategisch Sinn ergäbe, ist eine andere Frage: „Die Payone ist noch gar nicht richtig integriert, da holt man sich womöglich schon das nächsten Integrationsprojekt ins Unternehmen“, sagt ein Kenner.

Unklar ist auch, ob First Data wirklich der Aktionär ist, den sich BS-Payone-Chef Niklaus Santschi wünscht. Die Sparkassen hatten den branchenweit angesehenen Schweizer Payment-Manager Ende 2016 verpflichtet, um die etwas angestaubte B+S für die Digital-Ära fitzumachen. Theoretisch müsste sich Santschi als Minderheitsgesellschafter aber eigentlich einen  Finanzinvestor wünschen – denn der brächte im besten Fall nicht nur Geld mit, sondern könnte ihm auch helfen, die Sparkassen vor sich herzutreiben.