Exklusiv: Vorzeige-Fintech N26 soll kurz vor Mega-Funding stehen

Von Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de) und Caspar Schlenk (Gründerszene)

Wenige Tage nach dem 57-Millionen-Euro-Funding für die Berliner Solarisbank soll ein weiteres deutsches Fintech unmittelbar vor einer Rekordfinanzierung stehen – nämlich die ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Smartphone-Bank N26. Das haben „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ aus Finanzkreisen erfahren. Läuft alles glatt, könnte das Funding bereits in den nächsten Tagen perfekt gemacht und anschließend offiziell verkündet werden. Angeblich soll es um eine hohe zweistellige Millionensumme gehen. „Sie können damit rechnen, dass das Funding sogar noch über dem der Solarisbank liegen wird“, sagte eine der Quellen. Eine Sprecherin von N26 wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Kommt es tatsächlich so, hätte die deutsche Fintech-Szene binnen kurzer Zeit gleich zweimal den Beweis angetreten, dass Funding-Runden in einer Bandbreite von 50 und 100 Millionen Euro inzwischen auch für hiesige Finanz-Startups möglich sind. Daran gab es in den vergangenen Jahren durchaus Zweifel, weil abgesehen von Kreditech kein einziges deutsches Fintech Kapitalerhöhungen in dieser Größenordnung gestemmt hatte. Die bislang höchsten Finanzierungen für  Raisin („Weltsparen“), Finleap, Scalable oder Finanzcheck bewegten sich stattdessen allesamt in einer Spanne irgendwo zwischen 30 und 40 Millionen Euro. Auch N26 lag bei der bislang letzten Runde in diesem Bereich.  Ein Sonderfall ist Smava: Das Kreditvergleichsportal berichtete jüngst zwar von einer Finanzierung von umgerechnet deutlich über 50 Millionen Euro; ob es sich dabei aber komplett um Eigenkapital handelte, ist ungewiss.

Dass nun ausgerechnet die Solarisbank und voraussichtlich auch N26 die 50-Millionen-Euro-Marke überspringen, kommt nicht von ungefähr. Zwar unterscheiden sich die Geschäftsmodelle der beiden Fintechs grundlegend. So ist N26 als mobile Retailbank ein reiner B2C-Anbieter, während sich die Solarisbank als White-Label-Spezialist quasi ausschließlich aufs B2B-Geschäft fokussiert. Davon abgesehen, gibt es aber viele Gemeinsamkeiten: Beide reklamieren für sich, ein zumindest am deutschen Markt  singuläres Geschäftsmodell zu verfolgen; beide unterstrichen ihre Eigenständigkeit, indem sie sich frühzeitig eine eigene Banklizenz besorgten; und beide hegen große internationale Ambitionen. Vor allem letzteres scheint für ausländische Investoren ein wichtiges Argument zu sein.

Tatsächlich dürfte N26 das Ziel verfolgen, mit den frischen Millionen die internationale Ausbreitung voranzutreiben. Zuletzt hatten die Berliner bereits die Expansion in die USA und nach Großbritannien verkündet; daneben ist das Fintech auf Basis seiner deutschen Banklizenz auch schon in vielen anderen Euro-Ländern unterwegs. Dabei sind die Erfolge in der Kunden-Akquisition zum Teil erstaunlich. So kommt N26 in Frankreich gut ein Jahr nach dem Start bereits auf mehr als 200.000 Kunden; rechnet man alle Märkte (also auch den deutschen) zusammen, dürften es mittlerweile sogar schon mehr als 750.000 Kunden sein.

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