Premium: Hamburger Privatbank M.M. Warburg muss an Reserven gehen

Um das Ergebnis zu stützen, ist die Hamburger Privatbank M.M. Warburg 2016 im großen Stil an die Reserven gegangen. Das berichtet Finanz-Szene.de-Autor Heinz-Roger Dohms in der heutigen Ausgabe der „Zeit“ (nur Hamburg-Teil, nicht bundesweit erhältlich). Dabei geht es zum einen um einen gut 44 Mio. Euro hohen Sonderertrag „im Zusammenhang mit der Veräußerung von Immobilien“, wie es im Geschäftsbericht heißt – wobei zu den verkauften Gebäuden auch die Bankzentrale an der Alster gehört. Beim Käufer handelt es sich laut Warburg-Chef Joachim Olearius um eine Zweckgesellschaft, hinter der die Eigentümerfamilien der Bank stehen. De facto ist also Geld von den Gesellschaftern in die Bank geflossen.

Wie die Recherchen darüber hinaus zeigen, löste M.M. Warburg zusätzlich Reserven nach Paragraf 340f HGB in Höhe von gut 20 Mio. Euro auf – ein eher ungewöhnlicher Schritt in Zeiten, in denen Banken angehalten sind, die Kapitalkraft zu stärken. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Gesellschafter quasi parallel eine Kapitalerhöhung im Volumen von rund 53 Mio. Euro durchführten. Wie die „Zeit“-Recherchen überdies zeigen, pumpten die Familien schon 2015 rund 16 Millionen Euro als eine Art „Gewinnzuschuss“ (das Geld wurde also ertragswirksam) in die Bank.

M.M. Warburg leidet den Rechechen zufolge nicht nur unter den niedrigen Zinsen, sondern vor allem unter signikanten Belastungen aus dem Schifffahrtsgeschäft. Der renommierte Finanzexperte Stefan Best, der als Managing Director von S&P viele Jahre lang die Bilanzen deutscher Geldhäuser analysierte, kommt zu dem Schluss, dass die Privatbank im vergangenen Jahr einen operativen Verlust vor Steuern in Höhe von 35 Mio. Euro erlitten habe; auch 2015 seien die Zahlen schon deutlich rot gewesen. Warburg-Chef Olearius wies dies zurück. „Verluste machen wir definitiv keine. Unsere operativen Erträge sind konstant und erfreulich“, sagte er der „Zeit“.