Exklusiv: Welche deutschen Banken immer noch Millionen-Gehälter zahlen

Von Heinz-Roger Dohms

Trotz der schweren Branchenkrise sind Millionengehälter bei vielen deutschen Banken immer noch an der Tagesordnung – das zeigt der zweite Teil der großen Vergütungsstudie von „Finanz-Szene.de“. Das vielleicht prägnanteste Beispiel hierfür ist die Frankfurter UBS-Dependance, die 2016 zwar zum vierten Mal in Folge rote Zahlen schrieb, neun ihrer Mitarbeiter aber trotzdem ein siebenstelliges Salär gewährte. Sogar auf zehn Einkommens-Millionäre brachte es die Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus, obwohl sie mit einer Bilanzsumme von gut 23 Mrd. Euro allenfalls zu den mittelgroßen Instituten hierzulande zählt. Bereits vorige Woche hatte „Finanz-Szene.de“ berichtet, dass sogar bei der Hamburger Sparkasse nicht weniger als sechs Mitarbeiter auf ein Salär von mehr als einer Million Euro kommen.

Insgesamt untersuchte „Finanz-Szene.de“die Geschäfts- und Vergütungsberichte von 30 deutschen Banken, darunter die 25 mit den höchsten Bilanzsummen.* Dabei stießen wir auf mehr als 400 Mitarbeiter mit einer Gesamtvergütung von mindestens einer Million Euro, wobei diese Zahl ein Stück weit durch die Deutsche Bank verzerrt wird. Denn: Allein auf den Marktführer entfielen 316 Topverdiener, von denen die meisten allerdings nicht in Frankfurt, sondern an ausländischen Standorten arbeiten.

16 Einkommens-Millionäre beschäftigte erstaunlicherweise die genossenschaftliche DZ Bank, die eigentlich für ein eher bescheidenes Gehaltsniveau bekannt ist. Der Grund: Neben den Vorständen der Bank selber dürften auch Topmanager bei Töchtern wie der Fondsgesellschaft Union Investment, dem Versicherer R+V oder der Bausparkasse Schwäbisch-Hall siebenstellig verdient haben. Einen markanten Rückgang verzeichnete dagegen die Hypo-Vereinsbank, wo die Zahl der Einkommens-Millionäre von 17 auf nur noch sieben schrumpfte. Bei der Commerzbank kassierten zehn Beschäftigte mehr als eine Million Euro, beim Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal waren es neun.

Frappierend ist ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Blickt man auf die gesamte deutsche Bankenbranche, dann stehen Gehaltsniveau und Geschäftserfolg oftmals nur in entfernter Beziehung zueinander. Ein gutes Beispiel hierfür ist die ING Diba, die seit Jahren ein Rekordergebnis nach dem anderen einfährt, 2016 allerdings trotzdem nur einem Manager ein Millionensalär überwies. Das gleiche galt für die deutsche Santander-Tochter, während die DKB sogar ohne einen einzigen Einkommens-Millionär auskam. Das lag in deren Fall allerdings auch am EU-Gehaltsdeckel für den Mutterkonzern BayernLB.

Die Diskrepanz zwischen Erfolg und Vergütung dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass bei vielen deutschen Banken ausgerechnet das Segment schwächelt, in dem traditionell das meiste Geld fließt – nämlich im Investmentbanking. Offenbar tun sich viele Institute schwer, ihre Gehaltsstruktur den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Das zeigte jüngst auch ein Bericht der „Wirtschaftswoche“, wonach im Aufsichtsrat der Deutschen Bank ein Streit über die Boni für die Investmentbanker ausgebrochen ist.

Daneben sind Gehälter vermutlich auch ein Ausdruck unterschiedlicher Kulturen. Hier die gewerkschaftlich geprägten Retail-Pietisten von der ING Diba – dort die gefühlten Großbanker von HSBC Trinkaus. Hier die biederen Konsumentenkreditler von Santander – dort die irgendwie immer noch ackermannjainsche Deutsche Bank. Hier die öffentlich-rechtliche Dekabank mit nur zwei Einkommens-Millionären – dort die „Jetzt dürfen wir wieder“-Manager von der Commerzbank.

Alles in allem dürfte die Zahl der Einkommensmillionäre bei Deutschlands Banken über die von „Finanz-Szene.de“ dokumentierten gut 400 Fälle hinausgehen. Nachweisen lässt sich das allerdings nicht in allen Fällen, da für die klassischen Privatbanken und für die deutschen Töchter der Wall-Street-Banken aufgrund ihrer meist geringen Bilanzsummen weniger strenge Offenlegungs-Pflichten gelten.

Einige Beispiele „vermuteter“ Millionenzahlungen:

  • Zu den absoluten Topverdienern in Bankendeutschland dürften die beiden Berenberg-Chefs gehören (siehe hierzu auch ein MM-Artikel aus dem letzten Jahr)
  • Das Bankhaus Metzler schreibt zwar auf seiner Homepage: „Weder bei der Bank noch bei einer der anderen Tochtergesellschaften der Holding erhielten Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2016 eine Vergütung von mehr als 1 Mio. Euro.“ Wie eine Nachfrage von „Finanz-Szene.de“ ergab, gilt der Begriff „Mitarbeiter“ allerdings nicht für die in der Geschäftsleitung versammelten Partner der Bank
  • Die Goldman Sachs Deutschland AG beschäftigte 2016 laut Geschäftsbericht zwar nur 138 Mitarbeiter, kam aber auf einen Personalaufwand von 51 Mio. Euro. Angesichts dieses Verhältnisses liegt die Vermutung nahe, dass einzelne Topmanager auf ein siebenstelliges Salär kamen.

Und noch ein Ergebnis des Gehaltsreports: Nur zwei Landesbanken zahlten 2016 schon wieder siebenstellige Saläre – nämlich die LBBW, wo sich gleich vier Beschäftigte über eine Millionen-Vergütung freuen durften, und die Helaba mit einem Einkommensmillionär.

*Die offiziellen Angaben  sind nicht in allen Fällen zu 100 Prozent vergleichbar, da die Banken die Vorgaben zum Vergütungsbericht teilweise unterschiedlich interpretieren – etwa was die Angaben zu Pensionsrückstellungen betrifft.