FAQ zur NordLB: Was steht wirklich im Angebot der Finanzinvestoren?

Von Heinz-Roger Dohms

Letzte Woche sah es so aus, als habe das  Gezerre um die Rettung der NordLB endlich ein Ende gefunden: Die Länder und die Sparkassen fangen die niedersächsische Landesbank auf – und gut ist. Dann aber platzierten die beiden verbliebenen Finanzinvestoren, nämlich Cerberus und Centerbridge, am Wochenende doch noch ein Angebot, und zwar ein gemeinsames. Und seitdem? Geht ganz schön viel durcheinander da draußen. Mal heißt es, die beiden PE-Buden würden >1 Mrd. Euro bieten, dann ist plötzlich nur noch von 600 Mio. Euro die Rede. Mal heißt es, die Länder sollten mehrere Mrd. Euro an Kapital bereitstellen (und nochmal mindestens 1,5 Mrd. Euro für Pensionsverpflichtungen obendrauf) – während im nächsten Moment von einer Barkapitalerhöhung in nur dreistelliger Millionenhöhe die Rede ist. Jedenfalls: Auch wenn die Rettung durch die Sparkassen der weiterhin wahrscheinlichste Ausgang ist, haben wir uns mal die Mühe gemacht, das Angebot der Heuschrecken und die gesamte Gemengelage aufzudröseln:

Wie hoch ist der Kapitalbedarf?

Der liegt bei etwa 3,5 Mrd. Euro, vielleicht sogar leicht drüber. Hierin eingerechnet sind jene bis zu 2,5 Mrd. Euro, die der Verkauf eines milliardenschweren Schiffsportfolios in die Bilanz reißen wird (weil der Erlös hierfür rund zweieinhalb Mrd. Euro niedriger ausfallen dürfte als der Betrag, zu dem die Schiffe zuletzt in den Büchern standen). Mutmaßlicher Käufer des Schiffsportfolios ist übrigens Cerberus, wobei der eine Deal an den anderen nicht gekoppelt ist.

Wie viel bieten Cerberus und Centerbridge?

Insidern zufolge soll das Angebot bei 600 Mio. Euro liegen (wie die „Börsen-Zeitung“ gestern schon schrieb) – und nicht bei gut 1 Mrd. Euro, wie es am Montag in einem Medienbericht zunächst hieß. Dafür verlangen die beiden Private-Equity-Gesellschaften knapp 50% der Anteile.

Was ist mit der Kluft zwischen den 600 Mio. Euro und den 3,5 Mrd. Euro?

Die Länder sollen ebenfalls rund 600 Mio. Euro frisches Kapital in die Bank stecken. Damit ergibt sich eine  Cash-Injektion von 1,2 Mrd. Euro, womit das Kapitalloch aber nur zu rund einem Drittel gefüllt wird. Der übrige Kapitalbedarf muss also anderweitig gedeckt werden. Das soll dem Vernehmen nach dadurch geschehen, dass die Länder der Bank Pensionsverpflichtungen in Höhe von 1,5 Mrd. Euro abnehmen (in der FAZ/Paywall ist heute Früh sogar von brutto 2,4 Mrd. Euro die Rede). Darüber hinaus fordern die Investoren  von der öffentlichen Hand angeblich, dass diese Ausfallgarantien für bestimmte Teile des Portfolios übernimmt. Dadurch verringern sich nach unserem Verständnis die risikogewichteten Aktiva und damit auch der Bedarf an Eigenkapital. Letzter Punkt: Die Sparkassen sollen der NordLB das Verbundgeschäft und den Retailableger „Braunschweigische Landessparkasse“ abnehmen. Auch das reduziert die Bilanzsumme – und zugleich würde hierfür ja vermutlich auch noch mal ein Kaufpreis fällig. Die FAZ spekuliert heute Morgen unter Berufung auf Sparkassen-Kreise, es gehe um 700 bis 900 Mio. Euro.

Wie sieht das Angebot der Sparkassen aus?

Also, Pi mal Daumen läuft das Angebot (bzw.: die Auffanglösung) auf eine 2/3-, 1/3-Lösung hinaus, wobei das letzte Drittel aus dem öffentlich-rechtlichen Bankensektor kommt und nochmal gedrittelt wird. Konkret: Irgendwas in Richtung 2,5 Mrd. Euro sollen die Ländern stemmen (das sind die zwei Drittel). Die übrigen rund 1,2 Mrd. Euro (also das letzte Drittel) teilen zu gleichen Anteilen (sprich: je 400 Mio. Euro) die ohnehin schon an der NordLB-beteiligten Sparkassen, die Sicherungseinrichtung aller Landesbanken und die Sicherungseinrichtung aller Sparkassen unter sich auf.

Wie geht’s weiter?

Das Angebot der Private-Equity-Investoren liegt auf dem Tisch, die Offerte der Sparkassen hingegen braucht noch das finale Plazet aus den Regionen (die entsprechenden Sitzungen stehen am Donnerstag an). Theoretisch könnte bis zum Ende der Woche also schon alles auf dem Tisch liegen, was die Träger der NordLB benötigen, um ihre Entscheidung zu fällen. Ob dann aber wirklich schon eine Entscheidung fällt? Wir haben null Ahnung.

Welche Hürden gilt es noch zu nehmen?

Zum einen muss die Bankenaufsicht (also die EZB) zustimmen, zudem aus beihilferechtlichen Gründen auch die EU. Bei den Aufsehern darf man davon ausgehen, dass sie letztlich mit beiden Lösungen fein wären. Anders sieht es mit Brüssel aus. Denn beihilferechtlich, so haben wir uns das zumindest erklären lassen, ist keine der beiden Lösungen ganz koscher.

Ist eine Abwicklung also immer noch möglich?

Auszuschließen ist dieses Szenario zumindest nicht. Hierzu haben wir heute übrigens noch einen zweiten Artikel im Angebot:

Kurz gebloggt: Was hat es mit den 10 Mrd. Euro für die NordLB auf sich?

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