Interview mit Fino-Chef: „Ich würde uns als Produktfabrik bezeichnen“

Von Heinz-Roger Dohms

Finanz-Szene.de: Herr Christ, uns ist zu Ohren gekommen, dass Fino eine neue Gesellschaft gegründet hat …

Florian Christ: Was Ihnen so alles zu Ohren kommt … Aber ja, es stimmt: Vor wenigen Wochen haben wir die Fino Create GmbH gegründet.

Finanz-Szene.de: Fino ist bekannt für seine Kontowechsel-Services. Zu Ihren Kunden zählen beispielsweise die Commerzbank, die BBBank oder die Wüstenrot Bank. Wozu brauchen Sie eine neue GmbH? Es gibt doch bereits die Fino Digital, unter der Sie Ihr operatives Geschäft angesiedelt haben.

Christ: Der Kontowechsel-Service ist zwar nach wie vor unser Kernprodukt. Daneben machen wir inzwischen aber auch viele andere Sachen, nicht nur rund ums Konto, sondern beispielsweise auch im Kreditbereich. Um im Zuge dieser Entwicklung nicht den Fokus zu verlieren, haben wir unternehmensintern im vergangenen Jahr bereits verschiedene Atome gebildet. Für jedes Thema gibt es jetzt seitdem ein Atom, das sind gewissermaßen Firmen in den Firmen.

Finanz-Szene.de: Die Fino Create ist aber keines dieser Atome, oder?

Christ: Nein. Die Fino Create soll die Gesellschaft werden, in der wir alle neuen Themen bündeln. Und daraus sollen wiederum neue Gesellschaften hervorgehen, in denen die Mitarbeiter dann als Unternehmer ihre eigenen Themen verantworten  – eigenständig, aber weiterhin unter dem Dach von Fino.

Finanz-Szene.de: Das klingt strukturell ein bisschen nach Check24, wo sich unter der eigentlichen Holding inzwischen mehr als 50 sogenannte Verticals befinden. Es klingt aber, um ehrlich zu sein, auch ein bisschen nach dem Berliner Company Builder Finleap. Kann es sein, dass Fino gerade zum Inkubator mutiert?

Christ: Den Begriff Inkubator mag ich nicht so sehr. Ich würde uns eher als Produktfabrik bezeichnen. Das Ziel ist es, alle paar Monate neue Produktideen zu kreieren und mit denen auf unsere Partner zuzugehen, um die Neuentwicklungen gemeinsam zu testen. Die neue Struktur verschafft uns dabei übrigens völlig neue Kooperationsmöglichkeiten. Wir werden schon seit langem immer mal wieder von Finanzdienstleistern gefragt, ob wir nicht auch mal was gemeinsam entwickeln könnten. Bislang waren wir in dieser Hinsicht eher zurückhaltend, weil wir uns auf unsere eigenen Kernprodukte konzentrieren wollten. Mit der Fino Create hingegen werden wir viel flexibler.

Finanz-Szene.de: Lassen Sie uns einmal über die Produkte sprechen, mit denen Sie bereits am Markt sind. Es gibt den Kontowechsel-Service, klar …

Christ: Den Wechsel bieten wir neben dem Konto auch für Depots und Kreditkarten an. Mit der digitalen Selbstauskunft haben wir zudem ein Bonitäts-Tool, mit dem Endkunden überprüfen können, ob sie sich ein Produkt oder Kredit leisten können. Umgekehrt kann dieses Produkt natürlich auch bankenseitig eingesetzt werden. Es gibt inzwischen mehrere Institute, die das bei der Kreditprüfung nutzen.

Finanz-Szene.de: Und was machen Sie noch?

Christ: Den Wechsel-Bereich unterstützen wir z.B. noch mit unserer Antragsstrecke, die es dem Endkunden erlaubt, in wenigen Minuten ein Konto digital zu eröffnen. Außerdem entwickeln wir gerade unseren Vertragscoach weiter, mit dem Endkunden ihre laufenden Verträge intelligent im Blick behalten und Sparpotenziale entdecken können. Dabei geht der Vertragscoach deutlich über die bloßen Sparpotenziale hinaus, indem er Kunden wertvolle Tipps passend zu Ihrer Lebensphase gibt. So fließen z. B. zunehmend auch Impulse aus der eigenen Peer-Group ein.

Finanz-Szene.de: Wir wollen jetzt keinen Konflikt zwischen Fino und Finleap heraufbeschwören …

Christ: … natürlich wollen Sie das nicht …

Finanz-Szene.de: … aber kann es sein, dass Sie in sehr ähnlichen Feldern unterwegs sind? Beim Thema Kontowechsel ist ja bekannt, dass Sie mit dem Finleap-Unternehmen Finreach konkurrieren. Aber was Sie in Sachen Kreditprüfung machen, das erinnert ein wenig an Finleaps Solarisbank (wenn auch bei Ihnen ohne Banklizenz). Und Vertragsmanagement macht Finleap mit Moneymap ja auch.

Christ: Ich will gar nicht bestreiten, dass wir in gewissen Themen im Wettbewerb zueinander stehen. Aber es gibt bei den einzelnen Produkten dann doch Unterschiede. Unser Vertragscoach-Atom verfolgt zum Beispiel ein viel größeres Zielbild. Es geht uns nicht nur darum zu schauen, bei welchen Verträgen ich schnell Geld sparen kann, sondern darum, alle Vertragsbeziehungen des Kunden dauerhaft zu begleiten. So steht der Vertragscoach Kunden in wichtigen Momenten proaktiv mit Rat und Tat zur Seite.

Finanz-Szene.de: Finleap ist mit einem wahnsinnigen Hebel unterwegs. Nicht nur der Company Builder selber, sondern auch die einzelnen Startups sind mit enormen Summen gefunded. Wie wollen Sie da mithalten? Angeblich ist Fino ja rein Cash-Flow-finanziert …

Christ: Nicht nur „angeblich“. Das ist so! Wir sind bei Fino seit dem dritten Monat profitabel – und wir wollen auch in Zukunft ohne externe Kapitalgeber auskommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass das für uns der richtige Weg ist. Wir wollen uns mit den Kunden beschäftigten, nicht mit den Geldgebern. Und wir wollen weiterhin selber entscheiden, was wir bauen. Ich glaube, unter Strich sind wir mit dieser Methode schneller.

Finanz-Szene.de: Ein schöner Nebeneffekt ist, dass Richtung Exit die Anteile nicht verwässert werden.

Christ: Richtig ist, dass die Mehrheit der Anteile bei mir liegen und der Rest beim Team. Allerdings – um auch das klarzustellen: Wir sind null Exit-getrieben.