Kommentar: Die (zu) große Wette von N26

Von Heinz-Roger Dohms

Erst wenige Monate ist es her, da durfte man in N26 mit guten Gründen den kommenden deutschen Banken-Champion sehen. Das Berliner Fintech hatte 1.) in nur zwei Jahren mehrere hunderttausend Kunden gewonnen, war 2.) ausnehmend gut gefunded und schien 3.) auf gutem Wege, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln (ein digitaler Banking-Supermarkt, in dem der Kunde alle notwendigen Finanzprodukte findet und N26 die Händlermarge einstreicht).

Seitdem allerdings haben sich die Parameter deutlich verschoben. Denn nun will N26 plötzlich den US-Markt, den britischen Markt und offenbar im Vorbeigehen neben Deutschland noch 16 weitere Eurozonen-Länder erobern. Das heißt: N26 mutiert zu einem globalen Unternehmen, das 1.) sehr viel schwerer als bislang zu managen sein wird, das 2.) sehr viel mehr Geld für Marketing in die Hand nehmen muss (denn so viel kostenlose Presse wie hierzulande wird es anderswo sicher nicht geben) und das 3.) vor diesem Hintergrund nun gar nicht mehr so gut gefunded scheint.

Natürlich kann die Strategie aufgehen. Aber: Aus einer kalkulierbaren Wette auf einen künftigen nationalen Banken-Champion ist eine kaum zu kalkulierende Wette auf ein künftiges internationales Super-Fintech geworden. Oder anders ausgedrückt: N26 geht jetzt den Weg von Kreditech. Also den eines Venture-Capital-getriebenen Alles-oder-Nichts-Unternehmens.

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