09/02/18: Voice-Banking-Fiasko, Blockchain, PSD2-Theater, Kapitaler Bock

Amazon killt Voice-Banking-Pläne der deutschen Kreditwirtschaft (jedenfalls vorerst)

Es mutet fast schon tragisch an: Noch vor wenigen Monaten galt Voice-Banking als eine der wenigen neuen Technologien, bei denen die deutsche Kreditwirtschaft wirklich mal vorn dabei war. Und nun? Schon Mitte November berichteten wir, dass Amazon (über dessen Sprachassistent „Alexa“ das Ganze ablaufen sollte) die Banken hinhält. Damals allerdings waren es nur mündliche Signale, die die Institute vom amerikanischen Tech-Riesen empfingen – schriftlich gab es nichts. Das jedoch ist nun anders. In einem Schreiben, dass diversen Banken (und „Finanz-Szene.de“) vorliegt, stellt Amazon klar, bis auf weiteres weder Kontostandabrufe noch Zahlungsvorgänge mittels „Alexa“ zuzulassen (wobei, klitzekleiner Trost: Hinten raus liest sich das Schreiben so, als könnte der US-Konzern seinen Standpunkt doch noch mal ändern). Für die weiteren Details verweisen wir auf den Artikel der Kollegen Schneider im „Handelsblatt“. Die hatte die Geschichte gestern Abend als erstes – und ist eh sehr viel tiefer in dem Thema drin.

Handelsblatt (Paywall), Finanz-Szene.de (Archiv)

News

Die Commerzbank erwirtschaftet mit 500.000 zusätzlichen Kunden 200 Millionen Euro weniger Ertrag: Wenn Sie gestern ein bisschen die Coba-Berichterstattung verfolgt haben, dann werden Sie wissen, dass sich die 2017er-Zahlen  unterschiedlich deuten lassen. Wer es positiv sehen will, kann darauf verweisen, dass die Gelbbank trotz Restrukturierungskosten immerhin einen kleinen Gewinn erwirtschaftet hat (und sich traut, für 2018 eine Dividende in Aussicht zu stellen). Wer gegenteiliger Ansicht ist, der wird sich auf den Standpunkt stellen, dass die (einstige) Großbank auch im Jahr neun nach der Finanzkrise irgendwie nicht aus dem Quark kommt. Und unser Senf dazu? Bemerkenswert fanden wir weniger den Gewinneinbruch als den Umstand, dass die Erträge um 2,5 Prozent zurückgegangen sind. Zumal sich die Commerzbank zugleich damit brüstet, schon wieder 500.000 zusätzliche Kunden gewonnen zu haben. Was bringen die ganzen Kunden, wenn sie nicht zu höheren Einnahmen führen? Breakingviews, Welt, Pressemitteilung

Beyond .de

Wird Goldman zum Konsumentenfinanzierer für Apple? Das zumindest berichtet das „Wall Street Journal“. Demnach loten die Investmentbank und der Tech-Konzern eine mögliche Kooperation aus. WSJ (Paywall), Handelsblatt

Die Peer-Group läuft der Deutschen Bank davon: Nach der BNP Paribas haben gestern auch die Société Générale und die Unicredit die Anleger mit ihren Zahlen überzeugt. Reuters (Unicredit), Reuters (SocGen)

Lesetipps

Man kann ja über die DWS sagen, was man will (tun wir auch) … aber: Vor den Niedrig-Vola-Wetten, wie sie die Credit Suisse mit großem Hebel betrieb, haben unsere Frankfurter Freunde nachweislich schon im vergangenen Juni eindringlich gewarnt. Glauben Sie nicht? Dann empfehlen wir Ihnen den acht Monate alten Beitrag „Volatility – Why we play it safe“ von DWS-Multi-Asset-Chef Christian Hille zur Lektüre. Findet sich im Online-Archiv der Deutschen Bank. PDF

Falls Sie mal eine „Die Zukunft des Bankings“-Studie lesen wollen, die nicht wie Sauerbier angepriesen wird … dann verweisen wir auf das jüngste Konvolut des Berenberg-Research zu dem Thema. Heißt „Banks without borders“, umfasst 69 Seiten – und wurde dieser Tage an ausgewählte Kunden verschickt. Wenn Sie verschlungene Wege nicht scheuen, kriegen Sie die Studie ja vielleicht irgendwie in die Hände.

Die GroKo und die BloCha: Gleich sechsmal taucht das Wort „Blockchain“ im Koalitionsvertrag auf, haben die Kollegen von Gründerszene gezählt – und erklären, was Schwarz-Rot genau vorhat. Gründerszene 

„Die PSD2 – Ein Theaterstück in sechs Akten“: … verfasst von unserem Kollegen Hanno Bender, zur Lektüre dringend empfohlen. BargeldlosBlog

Und noch ein lesenswertes Stück zu PSD2: Warum beschäftigt sich eigentlich niemand mit den neuen Regeln zur PIN-Eingabe beim kontaktlosen Bezahlen?, fragt der Payment-Experte Rudolf Linsenbarth. Denn: Gerade dieser Aspekt der neuen Zahlungsdienste-Richtlinie habe es in sich. IT-Finanzmagazin

Limousinen und verlängerte Wochenenden: Trotz des dritten Verlustjahrs in Folge pflegen die Investmentbanker der Deutschen Banken offenbar weiterhin eine „barocke Spesenpraxis“, wie die „Süddeutsche“ schreibt. SZ

Und wie jeden Freitag … der Hinweis auf die unverzichtbare „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Innovationsblogs.

Klickfavorit

… war gestern leider, leider unsere Personalkostenanalyse. Warum leider? Weil wir gestern Mittag des unbewussten, aber kräftigen Zahlendopings überführt worden sind. Siehe …

Schande auf unser Haupt, aber mal so richtig!

Liebe Leser/innen, wir wissen gar nicht, wie wir Ihnen das jetzt schonend beibringen können. Aber, was irgendwann mal passieren musste, das ist gestern passiert – wir haben einen kapitalen Bock geschossen. Und zwar: In unseren Berechnungen zu den durchschnittlichen Personalkosten haben wir in der Excel-Tabelle bei den 44.267 Commerzbank-Mitarbeitern  keinen Punkt, sondern ein Leerzeichen („44 267“) gesetzt, wodurch nur 44 Coba-Mitarbeiter in die Wertung eingingen (hätte spätestens beim dritten Plausibilitäts-Check auffallen müssen, ist es aber nicht). Jedenfalls: Statt rund 211.000 sind es insgesamt rund 255.000 Banker. Dadurch sind es nicht 128.000 Euro Kosten im Schnitt, sondern rund 105.000 Kosten im Schnitt. Und dadurch würde der Vorsteuergewinn nicht um „rund ein Drittel“, sondern um knapp 28 Prozent höher ausfallen, wenn die Personalkosten zehn Prozent niedriger wären. Falls Sie jetzt denken: Das ist nicht Euer Ernst – doch, das ist es, leider. Sorry!

Und nun? Mal angenommen, sie billigen uns noch einen letzten Rest Chuzpe zu  – dürfen wir Sie dann ins Wochenende entlassen mit der Frage, ob die Grundaussage des Artikels (Die Personalkosten sind gemessen an dem, was bei Deutschlands Banken letztlich rumkommt, relativ hoch) vielleicht trotzdem nicht so ganz falsch war?

Sonst noch was? Ja. Denn  anders als gestern behauptet, sind hierzulande nicht 300 Santander-Filialen bedroht, sondern jede dritte der insgesamt rund 300 Santander-Filialen.

Herzlichen Dank an die Leserin Caroline S., den Leser Roger T. und den Leser Sven G., die uns auf die Fehler aufmerksam gemacht haben, Ihnen dreien, aber auch allen anderen: Schönes Wochenende! Nächsten Dienstag sind wir wieder für Sie da, sehr kleinlaut und mit neuem Taschenrechner.