Newsletter 05/10/17: Sparkassen/Brickvest, Goldman, P2P-Krise in UK?

Goldman macht Ernst mit Frankfurt-Plänen

Müssen wir (und alle anderen Brexit-Skeptiker) demnächst Abbitte leisten bei den wackeren Propheten von Frankfurt Main Finance? Goldman Sachs jedenfalls schafft nun tatsächlich die Voraussetzungen, um im Zuge des Brexits bzw. im Zuge eines harten Brexits die Mitarbeiterzahl in Frankfurt zu vervielfachen. Wie gestern Abend bekannt wurde, hat die US-Investmentbank im Marientum (der gerade gegenüber der Deutschen Bank entsteht und 2019 bezugsfertig sein soll) mal eben 10.000 Quadratmeter Bürofläche angemietet. Bis zu 1000 Mitarbeiter könnten dort Platz finden. Wenn wir uns nicht verrechnet haben, müsste das reichen, um die aktuelle Zahl der Frankfurter Goldmänner (rund 200) zu verdrei- oder gar zu vervierfachen, wie es die Bank nach eigenen Angaben ja vorhat.

Bloomberg

News

Wird Crowdinvesting jetzt pfandbrieftauglich? … oder wie müssen wir es deuten, dass die sparkasseneigene Berlin Hyp eine Millionensumme in eine britische Gewerbeimmobilien-Crowd-Plattform namens Brickvest investiert? Spannend klingt der Deal allemal. Aber aus der nonchalanten Perspektive des überzeugten Laien (und nichts anderes sind wir ja) auch ein bisschen abgedreht. Handelsblatt, Immobilienzeitung

Zur Blockchain drängt doch alles: Die Handelsfinanzierung scheint eines der Felder zu werden, in denen die vermeintliche (oder tatsächliche) Wundertechnologie schon bald konkret angewendet werden könnte. So haben sich die Commerzbank, die Erste Group und weitere Institute nun einer entsprechenden Initiative von UBS und IBM angeschlossen (für Connaisseure, und das sind ja nicht wenige unserer Leser: die entsprechende Plattform heißt Batavia). Reuters

Sparkassen testen kontaktloses Bezahlen: Das entsprechende Pilotprojekt ist zunächst auf zehn Institute beschränkt, ab Mitte 2018 soll der ganze NFC-Kram dann aber bundesweit ausgerollt werden. IT-Finanzmagazin

Wird aus der Coba die Banque de Commerce? Huch, womöglich ist an den ewigen BNP/Commerzbank-Gerüchten ja tatsächlich was dran. Zumindest sieht es so aus, als würde der M&A-erprobte Ex-Investmentbanker im Élysée solch eine Liaison ganz gerne sehen. „Es ist gut, dass sie [Anm.: die BNP Paribas] sich auch Deutschland und einer so wichtigen Bank wie der Commerzbank zuwendet“, ließ sich ein französischer Regierungssprecher gestern zitieren. Zuvor hatte „Le Canard Enchainé“ berichtet, Präsident Emmanuel Macron würde eine Annäherung der beiden Großbanken gutheißen. AFP, Handelsblatt

Fusionspanik unter Deutschlands Volksbankern: Sieht so aus, als bekäme mancher Genobanker angesichts der anrollenden Fusionswelle Angst, am Ende allein zurückzubleiben. In NRW jedenfalls will sich die Volksbank Greven im letzten Moment dem bereits verabredeten Bündnis der Schwesterinstitute aus Münster und Steinfurt anschließen. Durch die Dreierfusion entsteht eine der 20 größten deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Bilanzsumme: 5,5 Milliarden Euro. Westfälische Nachrichten, Liste der VR-Banken

Migration in Rekordzeit: Nur 14 Monate nach der Fusion ist der Datenbestand der WGZ Bank in den IT-Systemen der DZ Bank aufgegangen (wobei den Genossen natürlich zupass kam, dass sie als Zentralinstitute keine Retailkunden haben). Börsenzeitung (Paywall)

Beyond .de

EZB will Banken zu mehr Rückstellungen zwingen: Non Performing Loans sollen von 2018 an schrittweise mit bis zu 100 Prozent abgeschirmt werden. Wirtschaftswoche

Die nächste Bankenpleite in Italien? Wenn wir es richtig verstehen, hat das Mailänder Probleminstitut Caribe gestern Abend SOS gefunkt. Reuters/HB

Lesetipps

Was ist los bei den britischen P2P-Lendern? Der milliardenschwere UK-Markt ist das große Vorbild für deutsche Kreditplattformen wie Auxmoney oder Lendico. Das Problem allerdings: Ausgerechnet bei den britischen Marketplace-Lendern häufen sich jetzt die Probleme (die angeblich bis hin zu Kreditausfallraten von 25 Prozent reichen …). Für alle, die das Thema interessiert – wir haben ein paar News, Analysen und Grafiken aus den letzten Tagen und Wochen verlinkt: FT Alphaville, Business Insider, Telegraph, FT Alphaville

Stimme aus dem Off: In einem Interview mit der heute erscheinenden „Zeit“ hat Josef Ackermann (@Fintech-Nerds: das ist der frühere Deutsche-Bank-Chef) seine Sicht der Dinge kundgetan. Tenor: Die Altlasten hätten mit den heutigen Problemen der DBank „relativ wenig zu tun“. Vorabmeldung

Klickfavorit

… war gestern unsere Analyse zu der Frage, wie viele Menschen denn wirklich ihr Konto wechseln. Finanz-Szene.de

Back-End

Mehr als 80 Jahre stand Harold Stanley im Schatten des allmächtigen Morgan-Clans. Nun ist ihm – der Dank gebührt dem „Handelsblatt“ – späte Gerechtigkeit widerfahren. Twitter