Newsletter 09/11/2017: Cashback bald ab 10 Euro?, Scalable Capital, Bafin warnt vor ICOs

Premium: Haben Deutschlands Banken gar kein Kostenproblem?

… doch, natürlich haben sie das. Liest man ja immer. Und ist  ja auch so. Diese Woche bekamen wir allerdings eine Studie in die Finger, die die Kostenproblematik der deutschen Banken spektakulär zu relativieren versucht. Das sechsseitige Paper („Rethinking efficiency measures: are costs high or revenues low?“) stammt aus dem Credit Research der Commerzbank, wurde am Mittwoch an ausgewählte Buy-Side-Kunden verschickt und stellt die These auf: Die Kosten der deutschen Banken mögen hoch sein; verglichen mit anderen Ländern der Eurozone sind sie das aber gar nicht.  Das viel, viel, viel größere Problem liege nämlich auf der Ertragsseite. Oder anders ausgedrückt: Die deutschen und die französischen Banken haben zwar beide tendenziell  unterirdische Cost-Income-Ratios. Das sei jedoch nur bei den Französen eine „Cost“-Frage; bei den Deutschen sei es eindeutig ein „Income“-Frage. Um eins klarzustellen: Zur Methodik der Studie lässt sich die ein oder andere kritische Anmerkung machen. Trotzdem wollten wir Ihnen die aus unserer Sicht spannenden Ergebnisse nicht vorenthalten. Hier mehr Details (inkl. Zahlen und Tabellen):

Finanz-Szene.de

News

ING Diba und Scalable bestätigen Pi mal Daumen den guten alten Casio von „Finanz-Szene.de“: Wie hatten wir am Dienstag auf Basis von Pseudo-Research und Taschenrechner-Tricks doch geunkt? Der Münchner Robo-Advisor und die  Frankfurter Oranje-Bank müssten gemeinsam die 100-Mio.-Marke und Scalable für sich genommen sogar langsam die 500-Mio.-Marke geknackt haben.  Dass wir damit nicht soooo falsch lagen, lässt sich der gestern versandten PM entnehmen. Pressemitteilung

Sinkt die Cashback-Mindest-Einkaufssumme bald auf 10 Euro? Bei der Drogeriekette dm zumindest tut er das von nächster Woche an. Und folgt man dem Dialog, den sich Herr Binnebößel vom Handelsverband Deutschland und Herr Hönisch vom genossenschaftlichen Bankenverband gestern bei Twitter geliefert haben, dann könnte es durchaus sein, dass 10 Euro (statt 20 Euro) bald zum Standard beim Bargeldabheben an der Kasse werden (womit beim Edeka in Altona-Nord die Schlange freitagabends dann endgültig bis zur Wursttheke reichen wird). Pressemitteilung, Twitter

Und noch eine Kracher-News, um die Payment-Nerds unter unseren Lesern bei Laune zu halten: Georg Schardt, der langjährige Geschäftsführer von Sofortüberweisung (das ja neulich von Klarna übernommen wurden), hat bei Heidelpay angeheuert. E-Commerce-News

Die Commerzbank hat doch ein Cum-Cum-Problem: Noch im August hatte sie das zurückgewiesen – nur, um nun doch 10,5 Mio. Euro für mögliche Steuernachforderungen zurückzustellen. Wie die Q3-Zahlen sonst so ausfielen? So wie immer. Also so lala (sieht man mal von Sondererträgen ab, u.a. aus dem Concardis-Verkauf und dem Rückzug aus dem Ratenkredit-JV mit BNP Paribas). Immerhin traut sich Finanzchef Stephan Engels nun wieder konkrete Prognosen zu. Bei 100 Mio. Euro soll demnach in diesem Jahr das Konzernergebnis liegen. Süddeutsche, Handelsblatt, Börsenzeitung (Paywall)

Sewing-Schenck 5:0: Die „Financial Times“ hat ihre Leser gestern mit einem epischen Stück über die Deutsche Bank beglückt (von Alfred Herrhausen bis Edson Mitchell – offenbar alles drin). Wir selber haben uns krankheitsbedingt mit Machine Reading begnügt. Ergebnis: Das Wort „Sewing“ taucht inklusive Bildunterschrift fünfmal in dem Artikel auf, das Wort „Schenck“ nicht einmal. Dazu passt die Feststellung, Christian Sewing sei nicht nur einer der Favoriten, sondern der Favorit auf die Cryan-Nachfolge. Der arme Herr Sewing. Financial Times (Paywall)

Bafin warnt vor Krypto-Börsengängen: Initial Coin Offerings seien  „höchst spekulative Investments“, die „erhebliche Risiken“ mit sich brächten. Wer will da widersprechen? Handelsblatt

… und in dem Zusammenhang womöglich von Interesse: Das Berliner Krypto-Startup Neufund hat eine Finanzierung von rund 12 Mio. Dollar (wir vermuten: richtiges Geld) erhalten. „Reuters“ hatte dies Mitte der Woche schon berichtet, Crowdfundinsider nennt nun auch die Investoren. Reuters, Crowdfundinsider

Beyond .de

Hat die Schweizer Fintech-Malaise kulturelle Gründe? Ehrlich gesagt sind wir uns nicht soooo sicher, ob Herr Margaris wirklich sooooo einflussreich ist, wie er bei Twitter immer tut. Nichtsdestweniger: Seine Meinung zur eidgenössischen Fintech-Branche ist nicht unspannend, zumal Margaris auch selbst der Schweiz entstammt (so steht es jedenfalls in dem Artikel). Luzerner Zeitung

Lesetipps

Professionell, effizient, geräuschlos, mitgliederorientiert: … all das wären der DSGV und der BdB sehr gerne. Oder anders gesagt: Wer  noch immer nicht genug hat von den Seifenopern, die unsere beiden Lieblings-Bankenverbände da gerade aufführen, den verweisen wir auf die heutigen Soap-Folgen in der SZ (zum DSGV) und im HB (zum BdB). Süddeutsche, Handelsblatt (Paywall)

Im Übrigen (nochmal: wir hüsteln ganz dolle …) haben wir diese Woche selbst eher wenig gelesen … und reichen unseren Bildungsauftrag in Sachen „Digitalisierung des Bankgeschäft“ darum  einfach mal komplett an den Innovationsblog der DZ Bank weiter. Denn die „Was wir lesen“-Linkliste der Genossen-Nerds scheint auch diesmal wieder vollständiger als vollständig zu sein. DZ-Innovationsblog

Karriere

Wer sind die neuen Goldman-Sachs-MDs in Frankfurt? 509 neue Managing Directors hat das gemeinwohlorienerte New Yorker Bankhaus in dieser Woche ernannt. Der faktenfeste Kollege von „efinancialcareers“ behauptet zu wissen, welche FFM-Goldmänner unter den Auserwählten sind. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern die Personalie über den Commerzbank-Bereichsvorstand, der von Frankfurt nach Dubai und von der ersten in die zweite Führungsebene wechselt. Finanz-Szene.de

Back-End

KfW setzt jetzt auf Voucher-Modell: Die beängstigende Zunahme an „Finanz-Szene.de“-Abonnenten mit „kfw.de„-Mailadressen-Kennung sei auf einen „viralen Effekt“ zurückzuführen, „ausgelöst durch den ein oder anderen für uns interessanten Artikel ihres Newsletters“, schreibt uns Kommunikationschef Michael Helbig. „Welche das waren, bleibt aber unser Geheimnis :-).“ Unser Angebot, sozusagen als Kickback auf einen PR-Artikel der KfW-Bank zu verlinken, will Helbig „gerne später mal aufnehmen“.  Wir sind gespannt!

In diesem Sinne: Falls auch Ihnen der Newsletter heute Früh von einem KfW-Mitarbeiter oder sonst einem dienstbaren Geist weitergeleitet wurde, dann klicken Sie einfach hier (das ist nämlich der Link zur kostenlosen Anmeldung) – und schon gehören Sie ab nächsten Dienstag auch selbst zum zwar nicht mehr exklusiven, aber weiterhin exquisiten Kreis der „Finanz-Szene.de“-Leser.

Schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms