Newsletter 01/02/18: „Amazon Lending Germany“, Fintech Group, Gibt es 2030 nur noch 150 dt. Banken?

Liebe deutsche Banker, kriegt Ihr mit, wie Amazon Euch gerade Eure Kunden ausspannen will?

Was hat es zu bedeuten, wenn Amazon dieser Tage in einem Jobportal nach einem Kreditanalysten für seine deutsche Dependance sucht? Und wie kommt es, dass ein langjähriger, renommierter Mitarbeiter einer bekannten Ratingagentur auf seinem LinkedIn-Profil als neuen Arbeitgeber „Amazon Lending Germany“ angibt? Macht der amerikanische E-Commerce-Riese nun also ernst und tut, was in manchen Finanz-Blogs ja gern mal prophezeit wird – steigt er also ins deutsche Banking ein? Um es kurz zu machen: Nein, ganz so ist es nicht. Aber fast. Denn: Amazon schickt sich offenbar an, Händler seines Marktplatzes auch hierzulande mit Finanzierungen zu versorgen (angekündigt wurden die Pläne schon vor längerer Zeit). Nun mag man sagen: So what? Man kann darin aber auch den Eintritt der Tech-Giganten ins deutsche Kreditgeschäft sehen (zumal Paypal das gleiche macht). Welche Folgen das möglicherweise nach sich zieht, dies hat „Finanz-Szene.de“ den Payment-Experten und früheren Paypal-Manager Jochen Siegert gefragt:

Finanz-Szene.de

Gibt es 203o nur noch 150 deutsche Banken?

Es ist nur eine Studie. Und von den Beraterfirmen weiß man ja, dass sie in ihrem verzweifelten Kampf um Aufmerksamkeit bisweilen Thesen raushauen, vor denen selbst ein Boulevard-Medium wie „Finanz-Szene.de“ zurückschrecken würde. Gleichwohl: Was die Consultants von Oliver Wyman in einer neuen Studie  (aus der die FAZ heute Morgen exklusiv zitieren darf) behaupten, das ist so krass, dass man es schlicht nicht ignorieren kann. Auf den Punkt gebracht: Von den derzeit noch rund 1900 Banken in Deutschland sollen bis ungefähr 2030 nur noch 150 bis 300 übrig bleiben. Für den Wyman-Banking-Experten Thomas Schnarr scheint es fast zwingend zu sein, dass es genauso kommt. Er sagt: „Nimmt man das bisherige Tempo [Anm.: des Bankensterbens] als Ausgangspunkt und geht noch von einer gewissen, wahrscheinlichen Beschleunigung des Prozesses aus, dann wird sich die Zahl der deutschen Banken in dem von uns beschriebenen Ausmaß reduzieren.“ Topp, die Wette gilt (FAZ, Seite 29)

News

Berenberg adelt die Fintech Group: Journalismus ist ja immer auch Bauchgefühl. Und bei der Fintech Group (also bei der Firma, die früher mal Flatex hieß und ein Online-Broker war) sagte unser Bauch bislang immer: Mmmmhhhh, ist das nicht irgendwie der Metzger, der zum Veganer-Shop mutiert, weil sich das Viertel, in dem er sitzt, gentrifiziert? Nun denn: Vielleicht sollten wir bei „Finanz-Szene.de“ einfach mal weniger auf unseren Bauch hören. Denn glaubt man der Erst-Studie von Berenberg, dann vereint die Fintech Group „das beste aus zwei Welten“, hat „eine signifikante Restrukturierung abgeschlossen“ und verfügt „über ein hochgradig skalierbares Geschäftsmodell“. Wenn das stimmt, hätte unser Bauch sich getäuscht (Hinweis an die Leser: Bitte nicht immer fragen, ob wir solche Studie illegal weiterleiten können. Sie bringen uns damit echt in eine Konfliktsituation).

Weimer schafft bei der Deutschen Börse den erweiterten Vorstand ab: Das berichtet zumindest das „Handelsblatt“ heute Früh. Betroffen von dem kleinen Coup sind demnach unter anderem Regulierungschefin Alexandra Hachmeister, Eurex-Chef Thomas Book, Eurex-Clearing-Chef Eric Müller und Fintech-Star Carlo Kölzer (das ist der Chef der 2015 für 725 Mio. Euro gekauften Devisenhandelsplattform 360T). Handelsblatt (Paywall)

Bei HNA beginnt der Ausverkauf: Laut „Bloomberg“ will sich der klamme Deutsche-Bank-Ankeraktionär bis Jahresmitte von Unternehmensanteilen im Wert von umgerechnet 16 Mrd. Dollar trennen. Bloomberg

Der nächste Stresstest: Die Eba will sich in den kommenden Monaten insgesamt 48 europäische Großbanken vorknöpfen – darunter acht Institute aus Deutschland. Dabei soll es unter anderem um die Frage gehen, inwieweit die Geldhäuser für krisenhafte Folgen eines möglichen Brexits gewappnet sind. Handelsblatt 

Noch ein ICO: Diesmal ist es der Wiesbadener Finanzvertrieb JDC Group (ehemals: Aragno), der die Krypto-Community beglückt. Gibt es auch hierzu ein Bauchgefühl? Ja. Aber das behält der Bauch für sich. DGAP-Mitteilung

Beyond Banking

Ist die Bitcoin-Blase bereits geplatzt? Diese nicht unberechtigte Frage stellt das Manager Magazin – denn immerhin notiert die Krypto-Währung inzwischen 50 Prozent unter dem Rekordstand von vor vier Wochen. MM

Lesetipps

Wird es in zehn Jahren überhaupt noch einen persönlichen Kundenservice bei deutschen Banken geben? … fragt Kollege Hansjörg Leichsenring vom „Bank-Blog“ (wobei: als er das schrieb, wusste er freilich noch gar nicht, dass es – siehe oben Oliver Wyman – in zehn Jahren hierzulande ja eh keine Banken mehr geben wird, womit sich das Thema dann eh erledigt hat). Der Bank-Blog

Und falls Sie jetzt eh schon auf dem Weg zum Büro Ihres Chefs/Ihrer Chefin sind, … um ihm/ihr die frisch gebügelte, aber notorisch ungelesene FAZ vom Schreibtisch zu stibitzen, was Sie tun, weil Sie den Bankensterben-Artikel lesen wollen … jedenfalls: dann schlagen Sie doch auch gleich mal Seite 23 auf, denn da geht es um die Deutsche Bank, und zwar einmal um  die miese Stimmung in der Belegschaft und zum zweiten um die Frage, welche Handhabe die Aufseher gegenüber HNA haben.

Aus der Szene

Durch einen Bericht der „Handelsblatt“-Kollegen sind wir darauf aufmerksam geworden, dass die Lobbyisten des „Institute of International Finance“ eine Liste der „künftigen Topmanager der globalen Finanz- und Versicherungsbranche“ erstellt haben. Aus zweierlei Gründen fanden wir das Ganze interessant: 1.) Unter den 51 Köpfen sind auch drei Shootingstars aus der Frankfurter Szene, deren Namen man sich sicherlich merken sollte, nämlich Stefan Hoops von der Deutschen Bank, Frederik König von der DZ Bank und Stefan Gringel  von der Commerzbank. Allen dreien herzlichen Glückwunsch! Gleichwohl fällt 2.)  auch auf, dass unter den 51 „Future Leaders“ kein einziger Fintech- und kein einziger Gafa-Mensch zu sein scheint. Nun ist es natürlich legitim, dass eine Lobbyorganisation ihre eigenen Leute promotet. Allerdings: Kann es sein, dass die Liste  zugleich auf eine gewisse Betriebsblindheit hindeutet?

Klickfavorit

… war gestern unsere Artikel über den baldigen Milliarden-Robo Scalable. Finanz-Szene.de