Newsletter 01/09/17: Robo-Adviser werden menschlich; Europas größte Fintechs

DZ-Bank-Tochter mutiert zur „HSH light“

Die Schiffskrise trifft nun auch den genossenschaftlichen Bankensektor mit voller Wucht. So hat die DZ-Bank-Tochter DVB (das Kürzel steht für Deutsche Verkehrsbank) im ersten Halbjahr einen Verlust von gut 500 (!) Mio. Euro hingelegt – was dann doch mal eine Hausnummer ist, auch wenn man per se ja wusste, dass im Schiffsportfolio der DVB noch ein bisschen was schlummern könnte. Laut FAZ (Seite 23) muss die DZ Bank die Tochter nun mit einer halben Milliarde Euro stützen. In den gestern vorgelegten Halbjahreszahlen sei der Betrag aber noch nicht enthalten – obwohl die Risikovorsorge auch da schon um 81 Prozent auf fast 400 Mio. Euro angestiegen ist, in erster Linie wegen der DVB (so jedenfalls verstehen wir die FAZ). Um nicht missverstanden zu werden: Abseits der Verkehrsbank geht es der DZ Bank offensichtlich prächtig. Ein Debakel ist’s trotzdem.

FAZ (Seite 23), Handelsblatt

Exklusiv

Kommen jetzt die Robos mit menschlichem Antlitz? Was genau hat die Commerzbank vor? Und was hat das mit den Plänen der UBS für den deutschen Markt zu tun? Wir glauben es ungefähr zu wissen. Quintessenz: Robo-Adviser könnten  bald um eine menschliche Beratungskomponente erweitert werden. Unsere Analyse: finanz-szene.de

News

Plagiats-Streit unter deutschen Finanz-Startups: Der Münchner Videoident-Anbieter ID Now wirft dem Berliner Rivalen WebID  vor zu plagiieren – und hat vor dem Landgericht Düsseldorf gestern Recht bekommen. „Ein Paukenschlag“, kommentiert die SZ. Kann man durchaus so sehen. WebID will nun in die Berufung gehen. Süddeutsche

Fünf deutsche unter den 15 größten europäischen Fintechs: Das behauptet zumindest der Paymentandbanking-Blog, der sich dabei teilweise auf Schätzwerte beruft (bei den wenigsten Finanz-Startups ist die exakte Bewertung bekannt). Neben Kreditech und N26 schafften es auch Scalable, Spotcap und Friendsurance auf die Liste. Paymentandbanking

Jobboom am Finanzplatz Frankfurt: Nun hat im Rahmen ihrer liebgewonnenen Finanzplatz-Studie (gefühlte Erstauflage: 1842 nach Christus) auch die Helaba Ihre Brexit-Prognose abgegeben. Zusammengefasst: 8000 Londoner Banker kommen nach FFM und Umgebung, Anstieg der Beschäftigung am Finanzplatz um 4% auf 65.000 bis 2019, damit Niveau von vor der Finanzkrise wieder erreicht. Reuters, Studie

HSH Nordbank macht auf optimistisch: Wie gestern bereits angekündigt, hat das Skandalinstitut ganz gute Zahlen fürs erste Halbjahr vorgelegt. Vorstandschef Ermisch sagt darum nun allen Ernstes: „Die HSH Nordbank hat sich die Privatisierung redlich verdient.“ Wir lassen diesen Satz mal unkommentiert stehen. Handelsblatt

Beyond.de

Blockchain-Initiative der UBS erhält Zuwachs: Neben dem (eigentlichen) Erzrivalen Credit Suisse schließen sich auch Barclays, State Street, HSBC, Mitsubishi UFJ Financial Group (Japan) sowie eine kanadische Bank an, deren Name noch länger ist als der der japanischen. Finews

Wells Fargo findet weitere 1,4 Millionen Fake-Konten: Bei der US-Großbank ist alles noch viel peinlicher als ohnehin schon. Aber lesen Sie selbst … Bloomberg

Lesenswert

Bankern, die sich zu Fintech-Nerds weiterentwickeln wollen (und welcher Banker will das nicht?), empfehlen wir die aktuelle Link-Liste des beinah allwissenden DZ-Bank-Innovationsexperten Dirk Elsner. Um es im Twitter-Deutsch der immer erstaunlich lesefreudigen Fintech-Szene auszudrücken: ein „must read“ (früher hätte man Pflichtlektüre gesagt). DZ-Bank-Blog

Ignoriert

An verschiedenster Stelle sind wir gestern über die Online-Überschrift „Jede vierte Bank will Strafzinsen erheben“ gestolpert. Um ehrlich zu sein: Wir haben nicht reingeklickt, weil wir ganz stark vermuten, dass es sich auch diesmal wieder um Unternehmenskunden und (wenn überhaupt) größere Vermögen handeln dürfte – aber nicht um die Sparkassen-Omi. Sollten wir uns getäuscht haben, Schande über unser Haupt.

Back-End

Liebe Leserinnen und Leser, eins noch: Hatten auch Sie die ernste Befürchtung, wegen der geplanten Großevakuierung an diesem Wochenende in Frankfurt (Bombenentschärfung) könnte versehentlich der 60 Mrd. Euro schwere Goldschatz der Bundesbank unbewacht bleiben, von hinterlistigen Dieben gestohlen und für immer außer Landes gebracht werden? Ja? Dann wird Sie folgende hart recherchierte „Reuters“-Meldung von gestern Vormittag durchatmen lassen: „Das deutsche Gold in den Tresoren der Bundesbank wird auch während der für diesen Sonntag geplanten Evakuierung in Frankfurt streng bewacht.“ Wer hätte das gedacht!

In diesem Sinne, genießen Sie ihr Wochende, Ihr Gold ist sicher. Der nächste Newsletter kommt am Dienstag, empfehlen Sie uns immer gerne weiter, Heinz-Roger Dohms