Newsletter 01/12/17: Banken fordern „Lex Techie“ für IT-Vorstände, LBBW will Dt. Hypo, Exodus bei Paydirekt

Exklusiv: Finanzbranche ruft nach Bafin-Sonderbehandlung für IT-Vorstände

Um mehr Digitalexperten den Aufstieg ins Topmanagement deutscher Banken zu ermöglichen, soll die Bafin ihre Eignungsprüfung für Vorstände reformieren – diese spektakuläre Forderung findet sich in einem Positionspapier des Fintech-Rats, das der „SZ“ und „Finanz-Szene.de“ exklusiv vorliegt. Um die Fallhöhe zu verdeutlichen: Der Fintech-Rat ist keine Lobbygruppe von Finanz-Startups, sondern wurde im Frühjahr vom Finanzministerium unter der Führung von Staatssekretär Jens Spahn gegründet. Neben den Abgesandten bekannter Fintechs sind auch die Banken in dem Gremium vertreten; sie unterstützen die Forderung nach einer „Lex Techie“ ebenfalls. In der Praxis könnten die Änderungen darauf hinauslaufen, dass die Bafin ihre Eignungsprüfung in Zukunft weniger auf jeden einzelnen Vorstand, sondern stärker auf das Gremium als Ganzes bezieht. Das hieße z.B.: Wenn im Vorstand eines mittelgroßen Instituts schon zwei Kreditexperten sitzen, dann braucht der IT-Chef nicht auch noch ein Banker zu sein.  Innerhalb der Bafin steht man der Idee, die Eignungsprüfung zu modernisieren, offenbar grundsätzlich offen gegenüber – dies zumindest hatte „Finanz-Szene.de“ zuletzt aus dem Umfeld der Bonner Behörde vernommen.

Süddeutsche Zeitung, Finanz-Szene.de (das Positionspapier)

Das hier ist das neue deutsche Super-Fintech

Die meisten Finanzierungs-Runden sind ja einfach nur das, was sie sind – nämlich Finanzierungs-Runden. Ein bisschen anders verhält es sich jedoch mit dem gestern Mittag verkündeten 20-Mio.-Dollar-Funding des Hamburger Einlagenvermittlers Deposit Solutions („Zinspilot“). Nach unserer Auffassung ist die News nämlich aus mindestens vier Gründen  bemerkenswert: 1.) Kolportiert wird, dass sich die Bewertung auf mehr als 200 Mio. Euro verdoppelt habe; 2.) Wenn das stimmt, könnten jetzt die beiden größten deutschen Fintechs beide aus Hamburg kommen (das andere wäre Kreditech) 3.) Noch interessanter allerdings  ist, dass es sich mutmaßlich jetzt bei zwei der fünf größten deutschen Finanz-Startups tendenziell um B2B-Fintechs handelt (das andere ist Solaris). Hatte es nicht mal geheißen, dass B2B-Anbieter eher keine solch hohen Bewertungen erhalten? Und kann es sein, dass das Ingenieurs-Maschinenbau-Zulieferer-Gen der hiesigen Wirtschaft auch in der deutschen  Fintech-Branche immer stärker zum Vorschein kommt? 4.) Zwischen den beiden entfernten Artgenossen Deposit Solutions und Raisin („Weltsparen“) entwickelt sich gerade ein hübscher Zweikampf – übrigens einer, der letztlich zwei Sieger haben könnte. Bloomberg, Pressemitteilung

News

Groß-Deal unter deutschen Landesbanken? Nach SZ-Informationen gehört die LBBW zu den Interessenten für die von der NordLB zum Verkauf gestellte Deutsche Hypothekenbank (Bilanzsumme: 25 Mrd. Euro). Einerseits hätte die Transaktion eine klare Logik: Während die Hannoveraner Landesbank ihr Kapital stärken muss, möchte ihr Stuttgarter Pendant nach Jahren der Selbstbescheidung endlich wieder expandieren. Andererseits: Würde ein solcher Deal nicht auch die ewig junge Frage provozieren, warum die Länder die verbleibenden LBs nicht gleich ganz zusammenschmeißen? Wie auch immer. Die weiteren Interessenten jedenfalls sind laut „SZ“ die Wiesbadener Aareal und (schau mal einer an …) die Deutsche Pfandbriefbank. Süddeutsche

Abgänge bei Paydirekt: Beim Paypal-Klon der deutschen Banken haben laut „Handelsblatt“ Vertriebschef Thorsten Smeets und Marketingleiterin Silke Otte gekündigt. Zudem mache der Chef der Produktentwicklung, Benjamin Aquilino, ein Sabbatical, bei dem fraglich sei, ob er danach zurückkehre. Der Grund für den Exodus? Frustration. Handelblatt (Paywall)

Großfusion im Genossenschafts-Lager: Die Sparda-Bank-Münster (das sind die mit den Skandalen …) soll in der Sparda-Bank-West (das sind die ohne Skandale …) aufgehen. Das neue Institut käme auf eine Bilanzsumme von 11 Mrd. Euro und wäre damit laut Pressemitteilung die zweitgrößte Sparda-Bank und die viertgrößte Genobank der Republik. Westfälische Nachrichten, Fondsprofessionell

Exklusiv: Volksbanken experimentieren mit Gutschein-Angebot: Die „VR ExtraPlus“ genannte Lösung wird vom heutigen Freitag an in den ersten lokalen Genobanken getestet. Das Ganze läuft darauf hinaus, dass ein Kunde, auf dessen Konto, sagen wir, 100 Euro eingehen, eine Mitteilung kriegt, ob er das Geld nicht gegen einen 120-Euro-Gutschein tauschen will. Entwickelt wurde das Tool mit dem Fintech Optiopay. Hier, wie’s genau geht: DZ Innovationsblog

Reimann Investors investiert in PSD2-Fintech: Mithilfe von FintecSystems können Unternehmen unter anderem die Bonität ihrer Kunden prüfen. Nun fließen weitere 4,5 Mio. Euro in das Münchner Finanz-Startup, wobei das meiste Geld vom Family-Office Reimann Investors kommt. Deutsche Startups

Korrektur: Geht’s Ihnen auch so, dass Sie zwar niemals den FC Barcelona und Real Madrid verwechseln würde, wohl aber (wenn der Tag lang und die Nacht kurz war) Santander und BBVA? Jedenfalls: Anders als gestern berichtet, hat Cerberus das 4-Mrd.-Euro-Immo-Paket nicht von Santander übernommen sondern, Sie ahnen es, von der BBVA.

Beyond .de

Sergio Ermotti gibt den Wutbanker: Bei einer Veranstaltung der „Financial Times“ hat der UBS-Chef gestern einfach mal einen rausgehauen: Die  Debatte über die (angeblich) zu hohen Gehälter von Bankern werde „von Leuten geführt, die vielleicht frustriert sind, dass sie selber nicht so viel Geld machen.“ FT (Paywall)

Fokus Bitcoin

… mit leicht tendenziöser Link-Auswahl …

  • Bafin warnt Anleger vor Totalverlust. Spiegel Online
  • Der Bitcoin hat Eigenschaften eines Schneeballsystems – und  könnte eine Lawine auslösen, die aufs Finanzsystem durchschlägt. Der Bank-Blog
  • Acht Wege auf den Sturz des Bitcoin zu setzen. Manager Magazin
  • Wie die Blase platzen könnte. Bloomberg
  • Stiglitz fordert Bitcoin-Verbot. FAZ
  • Die Blase verdeckt, dass Bitcoins trotz allem einen Wert haben. Breakingviews

Lesetipps

Wer sich mal richtig mit dem Thema Blockchain befassen will: … der braucht entweder einen Research-Dealer seines Vertrauens oder einen guten Draht zur Berenberg-Bank. Die hat nämlich diese Woche an einen ausgewählten Kundenkreis eine 97-seitige (!) Studie mit dem Titel „Blockchain remains a free option for IT services“ verschickt.

Haben Sie noch den Überblick … was all die Revoluts, Atom Banks, Simples, Monzos, Movens oder Zopas betrifft? Falls nein, dann kommen Sie jetzt mit einem Klick auf den grafisch neuesten Stand (und N26 und Fidor sind natürlich auch dabei) Paymentandbanking

Sichere Finanz-Apps sind nicht nur Sache der Banken: … sondern auch der Kunden. Denn: „95 Prozent der Cyberangriffe führen nur durch arglose Nutzer zum Erfolg.“ Handelsblatt

Um unserer inoffiziellen Rolle als gefälliges Verlautbarungsorgan der DZ Bank auch heute wieder gerecht zu werden … verweisen wir alle Leser, deren Wissensdurst in Sachen „Digitalisierung der Bankenbranche“ immer noch nicht gestillt ist, wie jeden Freitag auf die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ Innovationsblogs

Karriere

Nur 1300 der 8700 Jobs, die die Credit Suisse seit 2015 abgebaut hat … waren feste Stellen. Was ist mit den 7400 übrigen? efinancialcareers

„Finanz-Szene.de“ hat jetzt 2276 Abonnenten

Immer wieder werden wir gefragt: Naaaaa, wie läuft’s beim Versuch, an der Schnittstelle zweier Krisenbranchen (Journalismus, Banken) ein angestaubtes Me-too-Produkt (Newsletter) etablieren zu wollen. Um dreieinhalb Monate nach dem Start von „Finanz-Szene“ mal eine Antwort zu geben: Ganz gut. „Finanz-Szene.de“ hat nun 2276 Abonnenten, wobei allein im November rund 900 hinzugekommen sind. Und das alles mit einem Markting-Budget von null Euro und der Google-Optimierung einer Weißbrot-Scheibe. Das Schöne dabei ist: Wir werden nicht nur abonniert, sondern wirklich gelesen, die durchschnittliche Öffnungsrate des Newsletters liegt relativ konstant bei rund 58 Prozent. Und noch schöner ist, wer uns dem persönlichen Feedback und Stichproben zufolge liest – nämlich unter anderem auch verblüffend viel C-Level, und zwar nicht nur in den Fintechs, sondern auch und gerade in den Banken. Wobei der Prototyp des „Finanz-Szene.de“-Lesers (noch?) nicht der Bankvorstand ist, sondern Menschen, die im Organigramm ein bis zwei Ebenen darunter angesiedelt sind und Titel wie Chief Digital Officer, Head of Business Development, Bereichsleiter Digitalisierung oder Senior Manager Innovation tragen. Und falls jetzt die Frage kommt, was das alles für die Zukunft von „Finanz-Szene.de“ bedeutet? Zunächst einmal nur, dass wir versuchen, am Dienstag wieder für Sie dazu sein. Und, dass wir uns endlich mal bedanken wollen. Auch und gerade bei den 2276 Abonnenten.

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

…ich hier jeden Tag etwas Neues über disruptive Trends, digitale Geschäftsmodelle und die Reaktionen der etablierten Spieler in der Finanzindustrie lernen kann. Der starke Fintech-Fokus trifft den Nerv der Zeit und eröffnet Zugänge zu Blogs und Publikationen, die andere Newsletter nur selten verlinken. Weiter so!“

Jörg Kukies, Deutschland-Chef Goldman Sachs