Newsletter 02/11/2017: Nonsens-Anleihen, Deutsche Bank auf Bürosuche, Powell wird’s

Machen die neuen EU-Bankanleihen überhaupt Sinn?

Die Meldung kam scheinbar aus dem Nichts: Ohne dass es größere öffentliche Debatten gab, hat die Europäische Union vergangene Woche eine neue Kategorie von Bankanleihen eingeführt. Im Fachjargon werden die Papiere mit dem Attribut „nicht-bevorrechtigt, vorrangig“ versehen. Das bedeutet, dass sie im Rang zwischen normalen Senior-Anleihen und sogenannten T2-Nachranganleihen angesiedelt sind. Wozu das Ganze? Einerseits sollen die neuen Anleihen „bail-in-fähig“ sein (also als Puffer im Verlustfall dienen). Zugleich soll ihre Emission die Banken aber weniger kosten, als wenn diese echtes Haftungskapital begeben müssten. Alles klar also? Nein, meint einer der renommiertesten deutschsprachigen Fachleute auf dem Feld, nämlich Stefan Best, langjähriger Bankenanalyst von Standard & Poor’s. In der Fachzeitschrift „Risikomanager“ wirft der Anleiheexperte der EU-Kommission vor, sich bei der Einführung der neuen Schuldtitel auf „falsche Annahmen“ zu stützen. Für „Finanz-Szene.de“ hat Best seine Argumentation zusammengefasst.

Finanz-Szene.de (Analyse von Stefan Best), Handelsblatt (Meldung von vergangener Woche)

News

Deutsche Bank sucht neue (d.h.: zusätzliche) Büros in Frankfurt: Nach „Bloomberg“-Informationen geht es um 15.000 bis 20.000 Quadratmeter, auf denen binnen zwei Jahren bis zu 1600 Mitarbeiter untergebracht werden könnten. Hintergrund (Sie ahnen es schon …) ist der Brexit. Bereits im August hatte Bloomberg berichtet, dass das größte deutsche Geldhaus im Zuge des britischen EU-Austritts rund 4000 Jobs von London nach Frankfurt und Berlin verlegen könnte. Hieb- und stichfest sind diese Zahlen freilich alle noch nicht. Denn noch weiß niemand, wie die Verhandlungen zwischen der EU und der britischen Regierung ausgeht (und ehrlich gesagt weiß auch niemand, wie viel von dem Jobgeklingel  ernstzunehmen ist und wieviel lediglich dazu dient, politischen Druck zu erzeugen). Jedenfalls: Die Suche nach den neuen Büros soll in den nächsten Wochen offiziell beginnen. Bloomberg (Deutsche-Bank-News), Skylineatlas (Diese zehn neuen Bürotürme entstehen in Frankfurt)Main-Finance (Wie der Brexit den Frankfurter Büromarkt belebt)

Beyond .de

Powell wird neuer Fed-Chef: Hat Bloomberg, kurz bevor wir uns nochmal schlafen gelegt haben, unter Verweis auf drei Quellen gescooped. Hoffentlich hat die News, jetzt, wo sie sie lesen, auch weiterhin Gültigkeit. Bloomberg

Ergebnisse des EBA-Stresstests kommen ein paar Monate später: Laut „Börsenzeitung“ liegt das daran, dass sich die Banken außerstande sehen, ihre Daten fristgerecht zu liefern. Irgendwie auch schräg. Börsenzeitung (Paywall)

Europas Banken haben vergangenes Jahr 18,2 Mrd. Euro in Software investiert: … hat die Branchenlobby EBF gestern mitgeteilt. Wir hätten  aus dem Bauch heraus vermutet, dass es ein bisschen mehr sein würde – aber wir sind ja auch Laien. Drum, bevor wir uns mit unseren Mutmaßungen jetzt völlig verrennen: Die „Chief Digital Officers“ unter unseren Lesern werden die Zahl schon einzuordnen wissen. Pressemitteilung

Lesetipps

Warum die Krypto-Blase bald platzen wird: Eine deutsche Provinzfirma, deren Aktienkurs sich in drei Monaten ver600facht. Ein Hamburger Irgendwas-Fintech, das den drittgrößten ICO der Welt ankündigt. Und ein britisches Unternehmen, dessen Aktienkurs binnen eines Tages um fast 400 Prozent steigt, weil es seinen Firmennamen um den Begriff „Blockchain“ ergänzt. Zweifeln Sie noch daran, dass die Krypto-Blase bald platzen wird? Wir nicht mehr. Hier noch ein paar Indizien: Finanz-Szene.de

Robo-Advice zwischen Schein und Sein: „Die Robo-Frontends sind modern und schön, die Produkte kostengünstig. Aber alles, was danach kommt, hat eine mindestens zwanzig Jahre alte Legacy und ist dementsprechend teuer und ineffizient“, bloggt der Asset-Management-Consultant Jan Altmann. two and a half cent

Wie Fintech-PR richtig geht: … erklären Juliane Wolff von Mastercard und Susanne Krehl von Barzahlen. t3n

Wo wird das alles enden mit der Digitalisierung des Bankgeschäfts? Dieser Frage sind die beiden Bloomberg-View-Kolumnisten Tyler Cowen und Matt Levine nachgegangen. Bloomberg

Ignoriert

Die britische Notenbank fürchte im Zuge des Brexits um 75.000 Finanzjobs, war gestern in vielen Online-Medien zu lesen. Wie die FAZ heute früh allerdings anmerkt, hat sich BoE-Mann Woods lediglich auf eine knapp ein Jahr alte Oliver-Wyman-Studie berufen, in der von 3000 bis 75.000 Stellen die Rede gewesen sei. Was bringt uns die Zahl also? Zumal es ja auch noch ganz andere Schätzungen gibt. Sogar von mehr als 200.000 war schon mal zu lesen. Und, nicht zu vergessen: Das eigentliche Jobmassaker im Bankgewerbe droht ja ohnehin in einem ganz anderem Zusammenhang, wie der Nordea-Chef dieser Tage angemerkt hat.

Aus der Szene

Bei einer im Frankfurter Westhafen ansässigen Investmentgesellschaft niederländischer Provenienz ist der Umgangston offenbar leicht schulmeisterlich. Woher wir das wissen? Weil die E-Mail, mit der die eine Kollegin die andere gestern Vormittag mal so richtig schön auf den Pott gesetzt hat, versehentlich an den  größtmöglichen Verteiler Frankfurter Finanzjournalisten ging. Nicht in Erfahrung zu bringen war leider, was sich die schulmeisterliche Kollegin ihrerseits von der Chefin anhören musste, als herauskam, dass sie die Sache mit dem „Cc.“ nicht ganz beherrscht. Und: Bedauernswerterweise dürfen wir aus rechtlichen Gründen auch den Namen der betreffenden Firma nicht nennen. Unser Jurist – der ein alter Lateiner ist – empfahl uns, stattdessen „N.N.“ zu schreiben.  

Personalien

NN Investment Partners baut Vertrieb  aus: Die im Frankfurter Westhafen ansässige Deutschland-Niederlassung der holländischen Investmentgesellschaft hat sich mit Christian Gohlke (Ex Citigroup Global Markets) verstärkt. Pressemitteilung

Klickfavorit

… war gestern unser exklusives Stück über die Deutschland-Pläne der österreichischen Großsparkasse „Erste Group“. Finanz-Szene.de