Newsletter 03/11/2017: Mega-Startup-Bank für Deutschland, Comdirect-Rhetorik, Amundi/DeAM

Exklusiv: Die Silicon Valley Bank kommt nach Deutschland

Zum Abschluss dieser nachrichtenarmen Feiertagswoche haben wir dann doch noch mal eine richtige News im Angebot: Die Silicon Valley Bank (bei der es sich im Kern um einen riesigen kalifornischen Startup-Investor mit eigener Banklizenz und 45-Mrd.-Dollar-Bilanzsumme handelt) bereitet nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ ihren Markteintritt in Deutschland vor. Wie weit die Pläne bereits gediehen sind, lässt sich u.a. daran erkennen, dass der kürzlich ausgeschiedene Gründungs-CEO des Commerzbank-Main-Incubators, Christian Hoppe, bei dem US-Institut angeheuert hat. Er dürfte eine Schlüsselrolle bei den Deutschland-Plänen  der Kalifornier spielen. Zudem sucht die Silicon Valley Bank in Jobbörsen bereits nach hochrangigem Personal für den hiesigen Markt. Die komplette Story lesen Sie hier:

Finanz-Szene.de

News

Deutsche Bank stuft den eigenen IPO-Peer herab: Die Research-Abteilung der Blaubank hat die Kaufempfehlung für den französischen Asset Manager Amundi dieser Tage gegen ein tristes „Hold“ eingetauscht. Begründung, unter anderem: Margendruck, regulatorische Risiken. Da wüsste man schon mal gern, welche Meinung die Analysten zur hauseigenen Deutsche Asset Management haben, die ja im nächsten Jahr an die Börse soll. (verlinken dürfen wir die Studie leider nicht)

Misstrauensvotum gegen Deutsche-Bank-Ankeraktionär: HNA muss für eine Anleihe mit einjähriger Laufzeit satte 8,875 Prozent Zinsen bieten, berichtet Bloomberg. So teuer seien die Refi-Kosten bei einem chinesischen Bond mit vergleichbarer Laufzeit noch nie gewesen. HB/Bloomberg

Fintech-Broker Comdirect rettet sich trotz Fintech-Boom und Börsen-Hausse in die schwarzen Zahlen: Müsste die Commerzbank-Tochter nicht eigentlich in der besten aller Welten leben? Sie gibt sich gern als Teil des großen Fintech-Booms …. Der Dax steht bald bei 14.000 Punkten … Was will die Comdirect denn noch mehr? Nun ja, CEO Arno Walter sieht dies offenkundig anders, er meinte gestern bei der Vorstellung der Q3-Zahlen: „Mit Blick auf das schwierige Marktumfeld haben wir ein sehr ordentliches Ergebnis erzielt.“ Sehr ordentlich? Gemessen an der bösen, bösen Welt da draußen sind 21,5 Mio. Euro Vorsteuergewinn geradezu unfassbar gut, würden wir meinen. Cash-Online/dpa

Und nochmal Quickborn: Nachdem der im Mai gestartete Comdirect-Robo-Advisor Cominvest in den ersten Wochen seines Bestehens mehr als 100 Mio. Euro eingeworben hatte, sind zwischen Juli und September nur mehr rund 50 Mio. Euro hinzugekommen (kann man im Q3-Bericht nachlesen). Eine steile Wachstumskurve sieht anders aus, auch wenn man fairerweise berücksichtigen sollte, dass die AuMs ja meist eine Ableitung der Marketingausgaben sind. Und die wurden im dritten Quartal offenbar deutlich runtergefahren. Q3-Bericht (Seite 7)

KfW wird ihrem Auftrag mal wieder nicht gerecht: Der Konzerngewinn liegt nach drei Quartalen schon wieder bei 1,1 Mrd. Euro. Das ist zwar lobenswerterweise weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (1,35 Mrd. Euro) – zu einem neunstelligen Jahresergebnis dürfte es aber auch diesmal nicht reichen. Kann man sich gegen Gewinn eigentlich nicht effizienter schützen? Finanzen.net/dpa

Pfandbriefbank hebt Gewinnprognose an: U.a. dank extremer Billig-Refi  dürfte die PBB in diesem Jahr rund 200 Mio. Euro Gewinn machen. HB/Reuters

Die Sparkasse Siegen wollte auch mal in unseren Newsletter: … und testet darum die „Mastercard red“ (die so was ähnliches ist wie die Girocard, halt nur von Mastercard). Der Kollege vom IT-Finanzmagazin nennt den Vorgang feurig einen „Tabubruch“, was bestimmt nicht übertrieben ist (oder höchstens ein ganz klein bisschen). IT-Finanzmagazin

Und noch eine News aus dem Gebühren-Ticker: Die größte deutsche Sparkasse hebt mal eben ihre Depotgebühren um ein Drittel an. Hamburger Abendblatt

Beyond .de

Groß-Funding für Transferwise: Das britische Auslandsüberweisungs-Startup entwickelt sich mehr und mehr zu dem europäischen Fintech. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde sind nach offiziellen Angaben 280 Mio. Dollar geflossen – womit Transferweise nun mit 1,6 Mrd. Dollar bewertet sein soll. Bloomberg

US-Lending-Plattformen wachsen trotz Affären weiter: Falls irgendwer die Lending Clubs und SoFis (mit ihren skandalfreudigen Frontleuten) schon abgeschrieben haben sollte … das war zu früh. Denn im ersten Halbjahr kam jeder dritte in den USA vergebene Konsumentenkredit über eine Kreditplattform (zum Vergleich: 2012 waren es erst 4 Prozent, 2015 dann 28 Prozent). Financial Times (Paywall)

Der guten Ordnung halber: Die BoE hat erstmals seit zehn Jahren den Leitzins erhöht. Und Herr Powell wird Fed-Chef. Ist beides wichtig, wissen wir. Aber vermutlich haben sie das anderswo schon dreimal gelesen.

Lesetipps

Für die neu hinzugekommenen Abonnenten haben wir heute eine „Einführung Fintech“ im Angebot: Sie erschien dieser Tage unter dem Titel „Die Bank in deiner Tasche“ bei Zeit-Online

Dagegen verweisen wir die Fortgeschrittenen … wie immer freitags auf die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Bank-Innovationsblogs. Es ist nämlich so: Wenn Sie diese Liste wirklich Woche für Woche abarbeiten, dann macht Ihr Chef Sie früher oder später zum „Chief Digital Officer“ (bzw.: wenn Sie bei einer Consulting-Firma arbeiten, dann können Sie demnächst Tagessätze wie die McKinsey-Buben aufrufen). DZ-Innovationsblog

Und dann noch was für die Nerds (die womöglich sogar schon „Chief Digital Officer“ sind): „Regtech. Yes! It exists.“ Finextra

Klickfavorit

… war gestern unsere Pseudo-Analyse „Fünf Indizien, warum die Krypto-Blase bald platzen wird. Finanz-Szene.de

In eigener Sache

Das Journalistenbüro SchreiberDohms, das hinter „Finanz-Szene.de“ steht, ist gestern Abend mit dem „State Street Institutional Press Award“ (klingt cool, oder?) in der Kategorie „Beste Analyse“ ausgezeichnet worden. Und zwar: für das Stück „Das 250-Millionen-Euro-Rätsel des Börsenwunders Wirecard“, das Anfang des Jahres bei „Manager-Magazin.de“ erschien.

In diesem Sinne: Wir haben uns ein paar freie Tage redlich verdient. Und Sie sicherlich auch. Am Dienstag sind wir wieder für Sie da. Und vielleicht haben wir es bis dahin sogar geschafft, unserem Mailchimp-Programm die Sommerzeit abzugewöhnen. Empfehlen Sie uns gerne weiter, schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms