Newsletter 04/10/17: Immo-Crowd-Rekord, Lendico, PSD2, Kontowechsel

Exklusiv: Immobilien-Crowdinvesting knackt die 100-Mio.-Euro-Marke

Über deutsche Crowdplattformen wie Exporo, Zinsland oder Bergfürst sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr als 100 Mio. Euro in Immobilienprojekte investiert worden. Das geht aus Daten hervor, die „Finanz-Szene.de“ vorab vom Branchenportal crowdfunding.de zur Verfügung gestellt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeuten die exakt 100,2 Mio. Euro ein Wachstum von 337 Prozent – wobei abzuwarten bleibt, inwiefern  dieses Tempo zu halten ist, nachdem die Branche Mitte September ihren ersten Ausfall erlebte. Bemerkenswert: Mehr als 60 Prozent des vermittelten Volumens entfielen auf einen einzigen Anbieter, nämlich Exporo aus Hamburg. Finanz-Szene.de

UBS-Chef Ermotti sagt Job-Beben voraus

Es ist erst wenige Wochen her, dass Deutsche-Bank-Chef John Cryan den Siegeszug des Robo-Bankers prophezeite. Nun schlägt sein UBS-Kollege Sergio Ermotti noch drastischere Töne an. In einem Interview mit „Bloomberg Markets“ meinte der CEO der Schweizer Großbank, der technologische Fortschritt werde in den kommenden Jahren 25 bis 30 Prozent der Arbeitsplätze in seinem Haus überflüssig machen. Gemessen an den derzeit knapp 95.000 Beschäftigten wären das bis zu 28.500 Jobs. Weiter meinte Ermotti, mit demselben Aufwand, mit dem sich heute 50 Kunden betreuen ließen, ließen sich in zehn Jahren 100 Kunden betreuen – „und zwar auf anspruchsvollere Art und Weise“

Reuters (News), Finanz-Szene.de (Dokumentation der zentralen Aussagen), Bloomberg Markets (komplettes Interview)

Analyse

Was hinter Lendicos Schleier zu sehen ist: Der Berliner Kreditmarktplatz hat – soweit wir das erkennen – erstmals halbwegs brauchbare Angaben zu seinem Geschäftsvolumen gemacht. So würden momentan Darlehen im Umfang von durchschnittlich fünf Millionen Euro monatlich vergeben. Ob man darob aber gleich „das große Geschäft wittern“ muss (O-Ton „Handelsblatt“), sei mal dahingestellt. Bei einer durchschnittlichen Losgröße von laut „Handelsblatt“ 120.000 Euro kommt unser Taschenrechner zu dem Ergebnis, dass Lendico an einem normalen Arbeitstag zwei Kredite vergibt (5 Mio. durch 120k durch 21 Arbeitstage). Das ist nicht sooooo wahnsinnig viel für eine Firma, die sich vor zwei Jahren bereits rühmte, „über 330.000 registrierte Nutzer“ zu haben. Und noch ein zweiter Hinweis für kritische Geister: Im dieser Tage veröffentlichten Halbjahresbericht von Rocket Internet lässt sich auf Seite 46 nochmal schön nachlesen, dass die Samwers schon 2016 für Lendico eine „Wertminderungsaufwendung“ in Höhe von 19,5 Millionen Euro geltend gemacht haben. Das war, bevor sie den Marketplace-Lender in diesem Sommer an einen Hedgefonds namens Arrowgrass weiterreichten.

News

Exklusiv – Wie viele Menschen wechseln wirklich ihr Girokonto? Zu dieser Frage kursierten zuletzt die wildesten Studien. „Finanz-Szene.de“ glaubt, nun zumindest eine einigermaßen belastbare Näherungsgröße ermittelt zu haben. Finanz-Szene.de

Wird die Deutsche Bank zum großen Mifid-Verlierer? So zumindest prognostiziert es eine gestern veröffentlichte UBS-Studie. Bloomberg

Kurzes Wochenende für die Deutsche Bank: Für alle, die ihren DBank-Alert übers lange Wochenende ausgeschaltet hatten, fassen wir nochmal kurz die übrigen News zusammen: Also, unsere Freunde aus den doppelten Türmen haben ihr A-Rating verloren +++Sie müssen 190 Mio. Dollar latzen, um in den USA den sog. Devisenskandal beizulegen +++ Sie haben ganz nebenbei die sog. Axa-Affäre abgeschlossen +++ Und sie haben in Q3 angeblich schlecht gewirtschaftet.

Postbank macht auf Fintech: Als nach eigenen Angaben „erste Großbank in Deutschland“ bietet das Bonner Institut nun einen papierlosen Ratenkredit über bis zu 50.000 Euro an. Anders ausgedrückt: Das Thema „Instant-Kredit“ erreicht allmählich das Establishment – und die Summen werden dabei immer höher. IT-Finanzmagazin (News), SZ (Hintergrund)

Lesetipps

Einen exzellenten Überblick zu allen offenen Fragen bezüglich PSD2: … gibt André Bajorat (wobei Sie beim Lesen im Hinterkopf behalten sollten, dass Bajorat als Chef des API-Fintechs Figo natürlich nicht ganz ohne eigene Interessen ist). Paymentandbanking

Wie die klassische Finanzindustrie die Fintechs absorbiert: … beschreibt Finews am Beispiel der Schweizer Bankenbranche. Finews.ch

Welche Rolle der Mensch im Robo Advisory spielt: … erklärt Scalable-Gründer Erik Podzuweit im Interview mit Fondsprofessionell.

Pleiten, Pech und Payment: Die Fintech-Revolution begann hierzulande mit den Payment-Startups. Entsprechend ist die Entwicklung in diesem Segment nun so weit fortgeschritten, dass viele Anbieter bereits wieder verschwunden sind (bzw. neudeutsch „konsolidiert wurden“). Der Zahlungsverkehrs-Experte Jochen Siegert hat das Phänomen grafisch festgehalten. Paymentandbanking

Goldman Sachs adelt Bitcoin: Die US-Investmentbank prüft den Einstieg ins Geschäft mit Kryptowährung (angeblich auf Druck großer Kunden … jaja, es sind immer die Kunden …). Handelsblatt

Aus der Szene

Die Chuzpe der Weißkittel-Banker: Erinnert sich noch jemand an die  Finanzkrise? Da verzockte sich die vornehme Apotheker- und Ärztebank mit Subprime-Papieren – und die Volks- und Raiffeisenbanken mussten ausrücken, die weißbekittelten Genossen zu retten. Vor diesem Hintergrund verblüfft, dass die Apobank nun offenbar die erstbeste Gelegenheit nutzt, den Volks- und Raiffeisenbanken den ausgestreckten …, ähem: die kalte Schulter zu zeigen. Denn wie die „Börsenzeitung“ berichtet, hat sich das Düsseldorfer Institut bei der Auswahl seines neuen IT-Anbieters gegen die genossenschaftliche Fiducia & GAD und für die Schweizer Software-Firma Avaloq entschieden (die damit, nebenbei bemerkt, nach dem Debakel mit der BHF Bank nun doch in Deutschland Fuß fasst). Private Banking Magazin

Klickfavorit

… war am Freitag unser Scoop über die Kunden-Erosion bei der Postbank. Finanz-Szene.de

In eigener Sache

Das Journalistenbüro SchreiberDohms, das den „Finanz-Szene.de“-Newsletter herausgibt, ist mit dem Deutschen Journalistenpreis in der Kategorie „Fintech“ ausgezeichnet worden. Der prämierte Artikel „Die Bastelbank“ beschreibt die Folgen von PSD2 und erschien im Frühjahr in „Capital“. Die Kollegen haben den Artikel online noch einmal zugänglich gemacht.