Newsletter 05/09/17: Gehen Finleap die Ideen aus?; Giropay führt Paydirekt vor

Die Nischen für neue Fintechs werden immer kleiner

Die Nischen für neue Fintechs werden immer kleiner – wie sonst soll man die gestrige Mitteilung des wichtigsten deutschen Fintech-Inkubators Finleap deuten? Zur Erinnerung: Seit Ende 2014 hatte der Berliner Company-Builder nicht weniger als elf Banking-Startups aufgesetzt. Dann jedoch kamen in diesem Jahr zunächst ein Insurtech („Element“) und gestern nun ein Startup namens „Perseus“ hinzu. Was „Perseus“ genau macht? So richtig haben wir es nicht kapiert. Aber das Geschäftsmodell klingt eher nach Cyber-Security-Dienstleister als nach Fintech. Dazu passt, dass der Kopf hinter Finleap, also der Seriengründer Jan Beckers, offenbar die Lust am Banking verloren hat. Er macht jetzt irgendwas mit Gesundheit. Und dazu passt auch, dass einer der wichtigsten deutschen Fintech-Manager jüngst in einem Hintergrundgespräch resignierend meinte: „Es wird immer schwieriger, überhaupt noch eine Lücke zu finden.“ Das heißt nicht, dass keine neuen Finanz-Startups mehr gegründet werden. Aber sie dürften immer technisch, immer B2B-iger werden. Ob dagegen sobald ein neues N26 oder Kreditech kommt – großes Fragezeichen.

Süddeutsche (Perseus-News), Finleap (Pressemitteilung)

News

Commerzbank wird immer langweiliger: Wir haben versucht, aus dem heutigen zweiseitigen (plus Titelseite) „Handelsblatt“-Interview mit dem bewundernswert farblosen Coba-Chef Zielke eine News herauszufiltern. Um ehrlich zu sein: Es ist uns nicht gelungen. Handelsblatt, Seite 1 & 4-5

Giropay macht den nächsten Promi-Kunden klar: Was man ja gern mal vergisst – es gibt im Sparkassenlager einen Payment-Dienstleister, der einigermaßen zu funktionieren scheint. Nachdem Giropay neulich schon die Lufthansa und diverse andere Airlines akquiriert hat, folgen nun die Österreichische Bundesbahnen. IT-Finanzmagazin

Zweifel an Bonität der VWBank: Für alle, die am Wochenende Besseres zu tun hatten, als die „Börsenzeitung“ zu lesen (als Alternativen lassen wir gelten: „sich sonnen“ oder „sich evakuieren lassen“), sei hiermit nachgeliefert: Moody’s hat die VW Bank um drei Notches herabgestuft. Das ist mal ein Wort. BÖZ

ING Diba vor Einstieg ins Robo-Advisory: Bereits im Juni hatte die Oranje-Bank die Pläne publik gemacht – Mitte September soll es nun offenbar soweit sein. Offen ist, mit welchem Partner (also mutmaßlich: mit welchem Fintech) die ING Diba an den Start geht. Als Hilfs-Robo für Banken hatte sich zuletzt vor allem das Frankfurter Finanz-Startup Vaamo hervorgetan (für Santander, 1822 und N26).

Deutsche Bank distanziert sich von „Cum-Ex“: Das Geldhaus hat offenbar Bescheinigungen zurückgezogen, mit denen sich Kunden Steuern erstatten ließen, die sie gar nicht gezahlt hatten. Reuters

Beyond .de

Schärfere Regeln für Goldman & Co.: Um sie besser kontrollieren zu können, will Brüssel 19 nicht-europäische Großbanken zwingen, eine  Zwischenholding für ihre EU-Töchter einzuziehen. Reuters

Beyond Banking

China verbietet Krypto-Börsengänge: Die Begründung: „ICOs sind eine Art illegale öffentliche Kapitalbeschaffung, die im Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften wie Betrug und Schneeballsystemen steht.“ (Schöner hätten wir’s auch nicht ausdrücken können.) Manager Magazin 

Karriere

So viel verdienen die Super-Banker von der HSH: Im Schnitt haben sie 2016 rund 75.000 Euro brutto nach Hause gebracht – wobei im Geschäftsbereich Schiffs- und Projektfinanzierung völlig zurecht etwas mehr zu holen war. efinancialcareers

Lesenswert

Wie deutsche Anbieter Paypal knacken könnten: … indem sie den Preiskampf suchen und sich „die schleppend verlaufenden Produktinnovationen“ des US-Giganten zunutze machen, schreibt Ratepay-Geschäftsführerin Miriam Wohlfahrt. Bilanz

Wie funktionieren eigentlich ICOs? … also die (siehe oben) seit gestern zumindest in China verbotenen „Initial Coin Offerings“. Der Paymentandbanking-Blog weiß es. Paymentandbanking (Audio)

Aus der Szene

Axel Wieandt, Ex-Chef der Ex-Banken HRE und Valovis, hat, so war in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ zu lesen, ein Buch mit vier Dutzend selbst verfassten Gedichten herausgegeben. Da wir uns nicht nachsagen lassen möchten, weniger kulturbeflissen als die FAS-Kollegen zu sein, bringen auch wir eine Kostprobe:  „…es brennt mir auf der Seele/möchte singen, schreiben, malen, küssen/damit ich nichts verfehle/in den wilden Zeitenflüssen… nur küssen“.

Klickfavorit

… war am Freitag unser Stück „Kommen jetzt die Robo-Adviser mit menschlichem Antlitz?“ Finanz-Szene.de