Newsletter 05/12/17: Das Comeback der DWS, Deutsche Bank lockt Fintechs, ABN Amro wird zur ABN Diba

Die Re-Kaldemorgenisierung der Deutschen AM

Das Schöne an der Deutschen Bank ist, dass sie nicht nur Hü sagt – sondern immer auch Hott. Diesmal: Nachdem sich das Publikum gerade daran gewöhnt hatte, dass die DWS nicht mehr DWS hieß (sondern Deutsche AM), wird die Asset-Management-Sparte des größten deutschen Geldinstituts nun doch wieder nach der einstigen Fondstochter benannt – womit quasi alle Argumente ad absurdum geführt werden, die 2013 zur Aufgabe des Namens DWS führten. Dies freilich ist nicht die einzige Volte, die sich die Omnistrategen der Deutschen Bank im Zuge des für 2018 anvisierten IPOs ihrer Tochter ausgedacht haben. Denn zusätzlich bekommt der Asset Manager die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, so dass statt der „Deutschen Asset Management AG“ nun also  die „DWS KGaA“ an die Börse gehen wird (was potenzielle Investoren skeptisch sehen, weil die DBank damit auch nach dem Börsengang Durchgriff auf die Tochter haben dürfte). Exklusive „Finanz-Szene.de“-Informationen, wonach DeAM-Chef Nicolas Moreau seinen Platz für Klaus Kaldemorgen räumt und die DWS ihr Trikot-Sponsoring beim VfL Bochum wieder aufnimmt, um der Marke den gewünschten internationalen Glamour zu verschaffen, wurden von der Deutschen Bank gestern Abend übrigens hart dementiert.

FAZ, Reuters/MM, Börsenzeitung

News

Die große Deutschland-Offensive der ABN Amro: Nur einen Tag nach dem Startschuss für den Edel-Robo Prospery verkündet die Oranje-Bank gleich die nächste D-Initiative: Die bislang vor allem als Einlagen-Sammler bekannte deutsche Online-Tochter MoneYou will nun auch ins Geschäft mit Ratenkrediten einsteigen (schöner Erfolg übrigens für das Berliner Fintech Solarisbank, von dem die entsprechende Technologie kommt). Und nicht zu vergessen: Auch im Corporate Bank hat die ABN Amro ja einiges vor hierzulande. Handelsblatt (Ratenkredit), Fondsprofessionell (Prospery)

Landesbanken werfen Ballast ab: Die NordLB hat im Bestreben, ihr spärliches Kapital zu entlasten, Kredite im Umfang von zehn Mrd. Euro an institutionelle Investoren verkauft (womit die Risikoaktiva um 3,7 Mrd. Euro sinken). Dazu passt die gestern Nachmittag fast zeitgleich verkündete Meldung, dass die LBBW die Überreste des einst von der SachsenLB übernommenen Giftportfolios losgeworden ist. Wert: zuletzt noch 4,2 Mrd. Euro. Institutional Money, HB/dpa

Weg frei für „Commerzbank 4.0“: Die Gelbbank hat sich mit den Arbeitnehmervertretern über die Details des geplanten Abbaus von 9600 Stellen verständigt. Reuters

Eine Meldung aus der Kategorie „Wär‘ man so jetzt nicht unbedingt drauf gekommen“: Die Aktivitäten der britischen Barclays-Bank in Deutschland sind mittlerweile so umfangreich, dass die hiesige Dependance künftig direkt von der EZB beaufsichtigt wird. Reuters, Börsen-Zeitung (Paywall)

N26 launcht 18 Gramm schwere Innovation: Die Berliner Smartphone-Bank hat gestern die weltweit erste Debit-Card mit „Metallkern“ vorgestellt (um ganz genau zu sein: Bei dem Metall handelt sich um „Wolfram“). Und als wäre dies für sich genommen noch nicht disruptiv genug, soll die „N26 Metal“ genannte Karte auch noch ein paar exklusive Zusatzleistungen  wie eine weltweite Reiseversicherung  oder WeWork (ein Dienst für kostenlose Konferenz-Räume) beinhalten. Wer da fragt „Brauch‘ ich das wirklich?“, ist kein Weltbürger. IT-Finanzmagazin

Exklusiv – Deutsche Bank lanciert Pitch-Portal für Fintechs: Das größte Geldhaus des Landes ist ganz schon geschäftig, was den Launch neuer digitaler Tools anbetrifft. Nachdem wir letzte Woche schon den Robo-Advisor „Robin“ in den Tiefen des DBank-Online-Auftritts entdeckt hatten, fiel uns gestern das sogenannte „Pitch Portal“ auf. Dabei handelt es sich laut Website um einen „Kommunikationskanal, den Startups und etablierte Technologieunternehmen nutzen können, um ihre Ideen und Services der Deutschen Bank vorzustellen“. Einem Sprecher zufolge ist das Tool schon seit einigen Wochen live. Pitch Portal

Beyond .de

Die Wall Street zieht nach Warschau: Nachdem neulich bereits JP Morgan verkündet hatte, in Polen rund 3000 Leute einzustellen, will nun auch Goldman Sachs seine dortige Dependance ausbauen. Reuters

Das 814-Mio.-Dollar-Rätsel … rund um die Krypto-Währung Tether. Bloomberg

Lesetipps

Fintech-Zoff auf offener Bühne: Was passiert, wenn die Chef von N26, Revolut und Monzo zur gleichen Konferenz eingeladen werden? Gründerszene

Die Striche werden mehr: Die umtriebigen Jungs von Paymentandbanking haben ihren „German Fintech Overview“ überarbeitet. Der besondere Mehrwert dieses Überblicks: Finanz-Startups, die vom Markt verschwinden, verschwinden nicht etwa auch von der Karte – sondern werden schön fett rot diagonal durchgestrichen. Paymentandbanking

Die Angst vor dem einen großen Hack: Kein Bank sei vor Cyber-Angriffen sicher, warnt Bundesbank-Vorstand Würmeling – und führt zum Beleg sein eigenes Haus an: Allein im vergangenen Jahr habe die Bundesbank 10.000 E-Mails mit Schadsoftware abgefangen. Handelsblatt

Der Alibaba-Moment: Nur wenige Banken werden überleben – aber nicht mehr als klassische Banken, sondern als riesige Onlineplattformen, prophezeit Ulrich Hoffmann, Head of Group Operations bei der UBS. Handelsblatt

Karriere

Nicht zu  viele Deals – und nicht zu wenige: Wie der perfekte Lebenslauf eines Frankfurter Investmentbankers aussieht. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern der Gastbeitrag von Carsten Maybach zur Frage, worauf Venture-Capital-Investoren bei deutschen Fintechs achten. Finanz-Szene.de

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

… man jeden Tag aufs Neue den hohen journalistischen Anspruch erkennt: sehr relevante und interessante News aus der Branche, teilweise selbst recherchiert, aber auf jeden Fall immer mit Liebe und Verstand kuratiert. Und das Ganze mit der richtigen Portion Humor und pointierter Meinung serviert, so dass die tägliche Lektüre richtig Spaß macht.

Oliver Vins, Gründer von Vaamo