Newsletter 05/12/17: Wo deutsche Banken wachsen, Bafin vs. HNA, Die Filial-Frage

Exklusiv: Wo Deutschlands Banken mit bis zu zwölf Prozent wachsen

Deutschlands Banken haben die wirtschaftliche Erholung in Europa zu einer spürbaren Ausweitung der Kreditvergabe an ausländische Unternehmen innerhalb der Eurozone genutzt. Wie der Datenspezialist Barkow Consulting exklusiv für „Finanz-Szene.de“ ermittelt hat, wuchs das Neugeschäft im Euro-Ausland in den vergangenen 18 Monaten mit einem CAGR von 8,7 Prozent. Dabei lag das Plus in manchen Monaten – gemessen am jeweiligen Vorjahrmonat – sogar bei elf bis zwölf Prozent. Zuletzt ging das Wachstum (auch aufgrund der nun höheren Ausgangswerte) zwar etwas zurück, betrug allerdings zum Beispiel im Oktober immer noch 6,8 Prozent. Zur Einordnung: Zwischen Herbst 2009 und Ende 2015 hatte das Neugeschäft der deutschen Banken im Euro-Ausland laut Barkow in keinem Monat stärker als um 4,6 Prozent zugelegt; die meiste Zeit schrumpfe es sogar.

Barkow Consulting (Grafik)

Exklusiv: Worauf Venture-Capital-Investoren bei deutschen Fintechs achten

Manchmal seien es nur Nuancen, die über Erfolg oder Misserfolg eines Fintechs entscheiden – diese These stellte „Finanz-Szene.de“ kürzlich auf. Zu den Lesern, die das explizit anders sehen, gehört Carsten Maybach, Managing Director beim Münchner Venture-Capital-Investor Alstin, der unter anderem an Barzahlen und Orderbird beteiligt ist. Maybachs Sicht der Dinge: In der deutschen Fintech-Branche lässt sich die Spreu sehr wohl vom Weizen trennen. So unterscheide sich das Geschäftsmodell von N26 gravierend von dem vergleichbarer Anbieter. Genau wie sich zum Beispiel Scalable Capital deutlich von anderen Robo Advisern abhebe. Doch worauf achten VCs bei deutschen Fintechs genau? Dies skizziert Carsten Maybach exklusiv bei Finanz-Szene.de.

News

Bafin knöpft sich Deutsche-Bank-Aktionär vor: Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ prüft die Finanzaufsicht, ob HNA (sprich: das zwielichtige China-Konglomerat) korrekte Angaben gemacht hat, als man im Frühjahr schrittweise bei Deutschlands größtem Geldhaus einstieg. Süddeutsche

ABN Amro startet Edel-Robo in Deutschland: Der Prospery getaufte Robo Advisor soll digitale Vermögensverwaltung, aktives Management und persönliche Beratung miteinander verbinden – und pauschal 239 Euro im Monat („Handelsblatt“) bzw. 179 Euro im Monat („Börsen-Zeitung“) kosten. [Anm.: Ganz sicher stimmt beides, nur wir sind zu blöd, den Unterschied zu erkennen]. Wie CEO Dirk-Jan Schuiten jedenfalls fairerweise dem „Handelsblatt“ erläuterte, lohne sich das Angebot ohnehin erst ab einer Anlagesumme von mindestens 150.000 Euro. (Was er nicht erläuterte: Wenn man 239 mal 12 durch 150.000 rechnet, kommt man auf 1,9 Prozent, so dass sich darüber streiten lässt, ob sich Prospery bei diesem Betrag wirklich schon lohnt. Aber, wie gesagt, vielleicht sind’s ja auch nur 179 Euro. Wobei wiederum in der „BÖZ“ steht, dass die Fondskosten freilich noch on top kämen, wofür man dann nochmal bis zu 75 Basispunkte jährlich aufschlagen müsse). Handelsblatt (kostenpflichtiges E-Paper), Börsen-Zeitung (Paywall)

Wie auf der Passivseite die Unterschiede zwischen Retail und Wholesale immer mehr verwischen: Vor kurzem berichtete „Finanz-Szene.de“ exklusiv, dass die HSH Nordbank (mithilfe von Deposit Solutions) erstmals in ihrer Geschichte auch Kleinsparer anpumpt. Bei der deutschen Santander ist dieser Tage nun das sozusagen gegenteilige Phänomen zu beobachten – sie hat erstmals in ihrer Geschichte einen Pfandbrief begeben (Volumen: 250 Mio. Euro). Börsen-Zeitung (Paywall), Global Capital (der Kern der News ist frei zugänglich)

Ausverkauf bei Deutschland Privatbanken? Das Bankhaus Lampe verkauft seinen auf erneuerbare Energie spezialisierten Asset Manager „Lampe Equity Management“. Das wäre freilich nicht weiter vermeldenswert, hätten nicht Berenberg und wiederum Lampe letztes Jahr schon Universal Investment abgestoßen – und hätte nicht Warburg kürzlich bestätigt, sich weitgehend von seinem Geschäft in der Schweiz und Luxemburg zu trennen. Private Banking Magazin 

Andererseits … hat Hauck & Aufhäuser gestern die Übernahme des Luxemburg-Geschäfts von Sal. Opppenheim verkündet. Wobei: Hauck & Aufhäuser ist ja (Stichwort: Fosun) ein Fall für sich. Fondsprofessionell

Lesetipps

Die wahren strategischen Implikationen des Outbank-Deals: Ein paar Gedanken zu der Frage, warum das Vergleichsportal Verivox die Finanz-App Outbank (und parallel auch noch Aboalarm) gekauft haben mag, hatten wir uns ja selber schon gemacht. Beschämt stellen wir nun allerdings fest, dass die Schlussfolgerungen, die unser Lieblings-Blogger Leopold Bosankic zieht, die unseren, was die analytische Tiefe betrifft, mal wieder gnadenlos in den Schatten stellen. Also: Bosankic zufolge darf man die Zukäufe nicht nur im Kontext des Duells „Verivox vs. Check24“ sehen, sondern muss vielmehr beachten, dass Verivox und Check24 beide eine Antwort auf neue Gegenspieler wie Volders (ehemals Vertragslotse.de) oder Clark finden müssen. Diese Fintechs stellen nämlich laut Bosankic durchaus eine Gefahr für das Geschäftsmodell der Vergleichsriesen dar. leobosankic.com

Herr Vogelsang, wie oft kommen die Kunden zu Ihnen? Der Chef der Hamburger Sparkasse über die Frage, die auch alle anderen Sparkassen-Chefs (und nicht nur die ….) umtreibt: Ist die Filiale in Zeiten der Digitalisierung mehr als ein Kostenfaktor? Der Bank-Blog

10 Gründe … warum die meisten Bankkunden auf Instant Payments noch eine Zeitlang werden warten müssen. IT-Finanzmagazin

Wie die Deutsche Bank über Start-ups denkt … verrät deren Manager Bernd Rolinck im Interview mit Bilanz.

Aus der Szene

In den vergangenen Wochen hat „Finanz-Szene.de“ eine gewisse Skepsis durchscheinen lassen bei der Frage, ob wirklich jedes Krypto-Startup da draußen das Zeug zum Unicorn hat. Das war freilich, bevor wir dank der Berliner Advanced Blockchain AG (die kürzlich noch BrainCloud AG hieß, aber egal) auf das wahre Potenzial der neuen Technologie aufmerksam wurden. Denn: Dieses Potenzial liegt im Brillengeschäft! So hat Advanced Blockchain laut DGAP-Mitteillung „im Rahmen einer ersten Kooperation zusammen mit Brille24 eine disruptive Softwarelösung für Smartphones“ entwickelt. Der strategische Kniff dahinter: „Brille24 möchte […] der erste digitale Optiker auf Distributed Ledger Technology werden“. Ziel scheint es zu sein, „den Brillenkauf für rund 40 Millionen Brillenträger in Deutschland zu vereinfachen und neue Maßstäbe in der Digitalisierung des gesamten Sektors zu setzen“. Damit dürfte auch geklärt sein, warum sich die Aktie der Advanced Blockchain AG auf Sicht eines Monats mit einem Plus von 708,35 Prozent (Quelle: Consors, Stand: gestern Mittag) geringfügig besser entwickelt hat als der Gesamtmarkt. DGAP-Mitteilung

Klickfavorit

… war am Freitag die Infografik zu den Challenger-Banken. Paymentandbanking

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

… ich hier kurz und prägnant wichtige Informationen auf humorvolle Art bereits am frühen Morgen serviert bekomme – und weil der Newsletter auch Themen aufgreift, die im Mainstream-Journalismus nicht vorkommen.

Joachim von Schorlemer, Mitglied des Vorstands der ING Diba