Newsletter 06/10/17: Commerzbank-Posse, Margen-Killer, Deutsche Bank

Coba: Blitztrennung vom Direct-Banking-Chef

Neulich hatten wir ja bereits beschrieben, dass die Commerzbank bei ihren digitalen Schlüsselpersonalien eher wenig Wert auf Kontinuität legt. Das allerdings war gar nichts gegen die Nummer, die die selbsternannte „disruptive Großbank in Deutschland“ jetzt hingelegt hat. Also: Unter dem Datum des 28. Septembers erschien im „IT-Finanzmagazin“ ein langes, zukunftsgetränktes Interview mit Ole Franke, dem Leiter Direct Banking für das Geschäft mit Privat- und Unternehmenskunden. Und nun, nur eine Woche später? Schreibt dasselbe „IT-Finanzmagazin“, dass derselbe Ole Franke von derselben Commerzbank plötzlich nicht mehr da ist. Einfach weg. Einfach so. Per 6. Oktober (also heute). „Wir bedauern, dass sich Ole Franke dazu entschlossen hat, unsere Bank zu verlassen“, wird ein Coba-Sprecher zitiert. Da verkommt zur Randnotiz, dass ein weiterer nicht ganz unwichtiger Commerzbank-Manager (Julian Mattes, Director Payments & Deposits) heute ebenfalls eher unvermittelt seinen letzten Tag hat. Nachfolger? Gibt’s erst mal nur kommissarisch.

IT-Finanzmagazin (28.9.), IT-Finanzmagazin (5.10.)

News

Bafin erklärt Deutsche-Bank-Ankeraktionär zum Investor non grata: So zumindest muss man den vorletzten Absatz einer großen HNA-Geschichte im „Handelsblatt“ heute deuten. Dort heißt es, Bafin-Hufeld und Bafin-Röseler hätten HNA-Feng zu verstehen gegeben, dass er „von weiteren größeren Deals in Deutschland lieber die Finger lassen sollte“ (wohlgemerkt: Zitat „Handelsblatt“, kein Originalzitat Hufeld/Röseler). Handelsblatt (Paywall)

Berenberg schickt All-Star-Team an den Start: Zu den vielen Dingen, die uns an Deutschlands letzter Gel-Banker-Bank extrem gut gefallen, gehört, dass man an der Alster kurzzeitigen Moden (Fintech, Robo, Digitalisierung …) nicht die ganz große Bedeutung beimisst. Stattdessen: Setzt Berenberg auf den guten, alten Asset Manager. Henning Gebhardt (Ex-DWS) ist ja schon länger da, Matthias Kraus, Peter Born (beide Ex-AGI) und Bernd Meyer (Ex-Coba) haben zum 1. Oktober ihren Dienst angetreten. Pressemeldungen

Achleitner bleibt bestbezahlter Dax-AR-Chef: Laut DSW-Ranking hat der oberste Deutsche-Bank-Kontrolleur im vergangenen Jahr 800.000 Euro (Schmerzensgeld) kassiert. Reuters

Deutsche Asset Management verliert ihren ETF-Chef: Der Abgang von Reinhard Bellet komme überraschend, urteilt die „Financial Times“. Die Gründe für die Demission bleiben unklar. FT (Paywall), Das Investment

Und nochmal die Coba: Sorry, dass wir Sie fast täglich mit halbgaren „Wer kauft die Commerzbank“-Stories nerven – aber das ist Teil des Spiels. Also: Nachdem die französische Regierung vorgestern eine Liaison BNP/Coba ins Spiel brachte, hat der BNP-Verwaltungsratschef gestern klargestellt: Nix dran. Bloomberg/Welt

Schwerpunkt deutsche Fintech-Unicorns

Berliner Einhorn: Was ist das für ein Unternehmen, das mit vielen Banken kooperiert – aber noch mehr Banken das Geschäft verdirbt? Zu Besuch bei Hypoport, dem Margen-Killer und Milliarden-Fintech. Finanz-Szene.de

Deutsches Dreihorn: Wenn der Baugeld-Vermittler Hypoport eine Milliarde Dollar wert ist – was sind dann erst zwei andere deutsche Ur-Fintechs wert, nämlich Interhyp und Check24 (die ja fast das gleiche bzw. ein sehr ähnliches Geschäftsmodell betreiben). Unser Kennzahlen-Vergleich sorgt für Erhellung. Finanz-Szene.de

Der Fintech-Feind: Das Vergleichsportal Check24 kommt nicht nur aus der Finanz-Ecke – es drängt momentan auch wieder dorthin zurück. Wird das Ur-Fintech zum härtesten Gegner der Neo-Fintechs? Capital (Archiv)Paymentandbanking (Archiv)

Beyond .de

Großbank Sabadell flieht aus Katalonien: … und es könnte noch ärger kommen. Denn nach Reuters-Informationen plant die spanische Regierung ein Dekret, das auch der Caixabank einen raschen Abgang aus der abtrünnigen Region erlauben würde. Reuters/HB.com

Lesetipps:

… bevor wir jetzt jeden Blog da draußen selber abgrasen, verweisen wir doch der Einfachheit halber gleich auf die dieswöchige „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Bank-Innovationsblogs

… wobei wir bei FT-Alphaville dann doch noch mal nachgeschaut haben. Dort finden sich für die Wochenendlektüre ein paar spannende Gedanken, warum Bail-ins wirklich, wirklich, wirklich besser sind als Bail-outs. FT Alphaville

Klickfavorit

… waren gestern zwei der Linktipps zu den Problemen der Marketplace-Lender in Großbritannien. Business Insider, FT Alphaville

Aus der Szene

Es ist eine der schönsten Anekdoten, die die Frankfurter Finanz-Szene in den vergangenen Jahren geschrieben hat: Wie die damaligen Eigner der Investmentboutique Mainfirst einen Teil ihrer Anteile am eigenen Institut den Anlegern eines hauseigenen Publikumsfonds unterschoben. Warum wir die Sache nun nochmal aufwärmen? Weil der seinerzeit (man schrieb das Jahr 2014) zuständige Fondsmanager Olgerd E. diese Woche in der „Börsenzeitung“ porträtiert wurde und dort auch zu der ollen Kamelle Stellung beziehen musste: Der Deal sei ein „Fehler“ gewesen, aus dem er „gelernt habe“, meint E. im Nachhinein. Warum denn plötzlich so politisch korrekt? Wir jedenfalls finden’s immer noch lustig.

… wobei wir das natürlich nie offen sagen würden. In diesem Sinne, schönes Wochenende. „Finanz-Szene.de“ ist am Dienstagmorgen, 6 Uhr,  wieder für Sie da.

Heinz-Roger Dohms