Newsletter 07/09/17: Warburg-Schock, Leitfaden für Fintechs, Deutsche Bank

Premium: Warburg-Bank muss an Reserven gehen

Um das Geschäftsergebnis zu stützen, ist die Hamburger Privatbank M.M. Warburg 2016 im großen Stil an die Reserven gegangen. Das berichtet Finanz-Szene.de-Autor Heinz-Roger Dohms in der heutigen Ausgabe der „Zeit“ (nur Hamburg-Teil, nicht bundesweit erhältlich). Dabei geht es erstens um einen gut 44 Mio. Euro hohen Sonderertrag „im Zusammenhang mit der Veräußerung von Immobilien“, wie es im Geschäftsbericht heißt. Zudem löste Warburg Reserven nach § 340f in Höhe von gut 20 Mio. Euro auf. Der Finanzanalyst Stefan Best kommt zu dem Schluss, dass M.M. Warburg im vergangenen Jahr einen operativen Verlust vor Steuern in Höhe von rund 35 Mio. Euro erlitten habe; auch 2015 seien die Zahlen schon deutlich rot gewesen. Warburg-Chef Joachim Olearius wies dies zurück. „Verluste machen wir definitiv keine. Unsere operativen Erträge sind konstant und erfreulich“, sagte er der „Zeit“. Zuletzt hatte Finanz-Szene.de bereits exklusiv über massive Ertragsprobleme beim Warburg-Konkurrenten Lampe berichtet.

Zeit (Hamburg-Teil), Finanz-Szene.de (Zusammenfassung)

News

EZB arbeitet an speziellen Fintech-Regeln: Ihre Behörde arbeite an einem Leitfaden, der auch Finanz-Startups umfasse, so die oberste europäische Bankenaufseherin Daniele Nouy. Das Regelwerk werde demnächst im Rahmen einer öffentlichen Konsultation vorgestellt. Reuters

Goldman hält Deutsche-Bank-Ankeraktionär für nicht geschäftsfähig: Die US-Investmentbank sollte eine Tochter von HNA an die Börse bringen, gibt den Auftrag nun aber zurück. Begründung: Das chinesische Konglomerat werde den „Due Diligence“-Standards nicht gerecht. ReutersFinancial Times (Paid)

„Frankfurt hat Brexit-Rennen schon gewonnen“: Das hat Deutsche-Bank-Chef Cryan gestern gesagt (im Grunde auch genau in diesen Worten). Wer sind wir, ihm da zu widersprechen? Reuters

Visualvest (also der Genossen-Robo) startet mit Alexa: So haben wir uns den klassischen Volksbank-Kunden immer schon vorgestellt – nämlich als denjenigen, der nur darauf gewartet hat, seinen digitalen Vermögensverwalter endlich mithilfe der Amazon-Sprachsteuerung bedienen zu können. IT-Finanzmagazin

Deutsche Banken (und das „Handelsblatt“) fordern Zinsanstieg: Mit der betont nachrichtlichen Zeile „Zinswende – jetzt!“ machen unsere orangefarbenen Freunde heute Früh ihre Zeitung auf. Deutsche-Bank-Chef John Cryan gibt die Richtung des Beitrags vor: „Die Zeit des billigen Geldes in Europa sollte enden.“ Handelsblatt (Paid)

Beyond .de

Eurozone bekommt (aus dem Nichts) eine neue Großbank: Das größte skandinavische Geldinstitut Nordea hat überraschend entschieden, seinen Sitz von Schweden nach Finnland zu verlegen. Durch den Umzug will die Bank mehr als eine Milliarde Euro einsparen (wenn wir es richtig verstehen, geht es in erster Linie um Regulierungskosten). Bloomberg 

Neuer Chef für Schweizer Skandal-Institut: Weiter oben haben wir uns die Schlagzeile „Privatbank in schwerer Krise“ nicht getraut, hier wäre sie fast untertrieben: Bei Falcon, also jenem Zürcher Geldhaus, das tief in den sogenannten 1MDB-Skandal verwickelt ist, gehen sowohl der CEO als auch der Verwaltungsratschef. NZZ

US-Notenbanker Stanley Fischer kündigt Rücktritt an: Der Schritt kommt unerwartet – und könnte (sagen Leute, die sich damit auskennen) tiefgreifende Veränderungen bei der Fed nach sich ziehen. FAZ

Lesetipp

Diese 250 Fintechs sollten Sie kennen: … naja, vielleicht nicht alle. Und über den Sinn solcher Listen lässt sich ohnehin streiten. Aber Sie müssen ja nicht klicken! (falls Sie es doch tun: Das Ranking kommt von den seriösen Researchern von CB Insights. Also keine Bange, wir verlinken hier keinen totalen Schmarrn).  CB Insights, Der Bank-Blog

HB-Tagung „Banken im Umbruch“

Die Leiden des Cryan: Der Deutsche-Bank-Chef beklagt bei seiner Rede auf der HB-Tagung vieles – vor allem aber die Wettbewerbsnachteile europäischer Geldinstitute gegenüber der US-Konkurrenz. Das „Handelsblatt“ dokumentiert die komplette Rede. Wir dokumentieren mit. Handelsblatt (Paid)

Die Prophezeiung des Cryan: „Die Technologie wird unsere Branche völlig transformieren“, sagt der Deutsche-Bank-Chef im Interview – und nennt einen konkreten Zeitrahmen: Schon in fünf Jahren könnten Banken völlig anders aussehen, als sie das jahrzehntelang getan haben. Handelsblatt (Paid)

Die Grenzen des Digitalen: Widerspricht da einer seinem Boss? Naja, zumindest äußert sich der neue Deutsche-Bank-Vorstand (und gleichzeitige Postbank-Chef) Frank Strauß deutlich zurückhaltender, was die technologische Transformation der Finanzbranche betrifft: Natürlich müsse die Postbank moderner werden. Großes Aber: „Ich glaube, es wird kontinuierlicher gehen, als jeder denkt.“ Handelsblatt (Paid)

Klickfavorit

unserer Leser war gestern das halbeigene Stück über die üppigen Funding-Pläne von Paydirekt. Süddeutsche