Newsletter 07/11/2017: Scalables nächster Coup, Paydirekt-Hammer, Letzte Banken-Bastion

Exklusiv: ING Diba und Scalable Capital knacken im Eiltempo die 100-Mio.-Euro-Marke

Führt der Markteintritt der ING Diba zum Durchbruch der digitalen Vermögensverwaltung in Deutschland? Die ersten Zahlen zumindest lesen sich beeindruckend: Denn wie Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen, hat die Kooperation mit der Diba dem Münchner Robo-Advisor Scalable Capital binnen weniger Wochen bereits Zuflüsse von rund 100 Mio. Euro beschert – die Zahl lässt sich unter anderem aus einer Investoren-Präsentation herleiten, die der niederländische Diba-Mutterkonzern ING Groep anlässlich der Q3-Zahlen veröffentlicht hat. Nebenbei bemerkt: Das ING-Diba-Geld eingerechnet dürfte Scalable in Kürze die 500-Mio.-Euro durchbrechen. Damit wird die Kluft zwischen dem Marktführer und den rund zwei Dutzend anderen Robo-Advisern in Deutschland immer tiefer. Lesen Sie hier unsere exklusive Marktanalyse:

Finanz-Szene.de

Sparkassen-Präsident erklärt Paydirekt für (vorerst) gescheitert

Es ist ein Satz, wie ihn in dieser Deutlichkeit bislang noch kein Banken-Vertreter gesagt hat (und zwar nicht einmal ansatzweise): „Ja, es stimmt. Paydirekt ist bisher kein Erfolg, wir müssen bitteres Lehrgeld zahlen.“ So hat es DSGV-Präsident Georg Fahrenschon laut „Börsenzeitung“ gestern auf einer Veranstaltung der sparkasseneigenen FI-Finanzinformatik in Frankfurt ausgedrückt. Die große Frage lautet nun: Was folgt aus dem Eingeständnis, dass der bankeneigene Paypal-Klon (vorerst) gescheitert ist? Dichtgemacht wird Paydirekt laut Fahrenschon nicht. Stattdessen sprach der oberste Sparkassen-Lobbyist gestern von einem Umbau des Geschäftsmodells und nötigen Investitionen. Börsenzeitung (Paywall)

(zum Hintergrund: Wir hatten jüngst über die Funding-Pläne der Sparkassen für Paydirekt berichtet – und darüber, dass der CEO gelinde gesagt nicht mehr so ganz, ganz fest im Sattel sitzt. Hier der Link)

Hintergrund

Acht Dinge, die Sie noch zur Silicon Valley Bank wissen sollten: 1.) Neben Christian Hoppe (Ex-Chef des Main-Incubators) haben auch zwei frühere Deutschbankerinnen bei unserer neuen Lieblingsbank angeheuert. 2.) Zumindest ein prominentes deutsches Fintech arbeitet jetzt schon mit Geld aus dem Valley. 3.) In den SEC-Filings finden sich ein paar interessante Details zu den Deutschland-Plänen der SVB … Fehlen noch fünf weitere Dinge. Die lesen Sie hier: Finanz-Szene.de 

Lesetipps

Fällt bald die letzte Banken-Bastion im Payment? Nein, es war kein Scherz, dass wir am Freitag über die Entscheidung der Sparkasse Siegen berichtet haben, die „Mastercard red“ einzuführen. Denn: Der US-Riese schickt sich tatsächlich an, mit seinem Debit-und-noch-mehr-Angebot die klassische deutsche Girokarte (sprich: die gute, alte EC-Karte) herauszufordern. Den Payment-Nerds unter unseren Leser erzählen wir damit natürlich nichts Neues. Allen anderen empfehlen wir das Überblicks-Stück von Franz Nestler in der FAZ.

Die Renaissance des Researchs: Nimmt eigentlich irgendwer da draußen die Sell-Side-Analysten ernst? Mit Mifid II könne sich das womöglich ändern, schreibt der frühere Sell-Side-Analyst und heutige Buchautor Philipp Augar. Financial Times (Paywall)

DBank und Commerzbank entdecken die Cloud: Bislang sträubten sich die beiden Großinstitute gegen die Vorstellung, ihre Daten externen Dienstleistern anzuvertrauen. Nun jedoch erwägen Blaubank und Gelbbank, in Zukunft die Rechenzentren von Microsoft bzw. Amazon zu nutzen, berichtet das Handelsblatt (Paywall).

Bevor Sie in Bitcoins investieren … investieren Sie lieber in die Blockchain, schreibt Manager-Magazin-Redakteur Christoph Rottwilm – und erklärt konsequenterweise auch gleich, wie das geht. (Disclaimer: Der „Spiegel-Verlag“ übernimmt selbstverständlich die volle Haftung, falls irgendwas schiefgeht.) Manager-Magazin.de

News

Wer ist hinter Berlin die Nr.2 in Fintech-Deutschland? Bei der Zahl der Unternehmen sind es Frankfurt und München, bei der Zahl der Neugründungen ist es Frankfurt, bei den VC-Investments ist es der Höhe nach Hamburg und der Zahl nach München. Zeigen die Fintech-Zahlen von Comdirect und Barkow Consulting. Grafik

Banken-Fintech-Kooperation, die nächste: Die Consorsbank setzt bei P2P-Payments jetzt auf Cringle. (An normalen Tagen würden wir an dieser Stelle spitzzüngig anmerken, dass Consors zum Paydirekt-Konsortium gehört und Paydirekt ja auch P2P-Payment anbietet. Aber an einem Tag wie heute wäre das billig nachgetreten).

Deutsche Bank gibt Wall Street nicht verloren: Mit Gehaltsaufschlägen von bis zu 30 Prozent buhlen europäische Großbanken zurzeit um Top-Leute von US-Investmentbanken, berichtet „Bloomberg“. Auch die Deutsche Bank mische wieder munter mit. Bloomberg

Deutsche Bank bekommt einen neuen Chefjustiziar: Nach Informationen des „Handelsblatts“ soll Florian Drinhausen den Posten im kommenden Jahr übernehmen. Der 49-jährige Jurist kam 2013 von Linklaters zur Blaubank. Handelsblatt (Paywall)

Das sind die Top-Kandidaten für die Kengeter-Nachfolge: Laut „SZ“ dürfen sich Ergo-Chef Markus Rieß, der ehemalige DZ-Bank-Vorstand Lars Hille sowie JP-Morgan-Deutschland-Chefin Dorothee Blessing berechtigte Hoffnungen auf den Chefposten bei der Deutschen Börse machen. Und dann gebe es noch einen Geheimtipp – Susanne Klöß von der Postbank (wobei die dann vielleicht doch eher als IT-Chefin infrage komme). Süddeutsche 

Bafin veröffentlicht Anforderungen an Banken-IT: Nicht, dass wir uns in die Details des Rundschreibens vertieft (oder auch nur die entfernteste Ahnung von der Materie) hätten. Aber, wenn eine nicht-belegte, wohlfeil dahingeworfene These erlaubt sei: Kann es sein, dass die Aufseher die operationellen Risiken inzwischen ernster nehmen als die, ähhh, wie war noch mal das Wort? …, ach ja: Kreditrisiken? Bafin-Rundschreiben 

Karriere

Ansichten einer McKinsey-Partnerin: Stephanie Eckermann erklärt bei „efinancialcareers“, wie das Banking der Zukunft aussieht und wie man bei einer grundsympathischen angelsächsischen Strategieberatung Karriere macht. efinancialcareers

Klickfavorit

… war am Freitag unser Scoop über die Deutschland-Pläne der Silicon Valley Bank. Finanz-Szene.de

Veranstaltungshinweise

… machen wir bei „Finanz-Szene.de“ ja grundsätzlich keine. Andererseits: Wer will uns verbieten, uns über unsere eigenen Regeln hinwegzusetzen? Eben. Und drum: Gestern hat die „Fintech Week“ in Hamburg begonnen – und erst am Sonntag wird sie enden. Wir würden sagen: Es lohnt sich. (Und nein, wir sind keine „Medienpartner“ oder so) fintechweek.de

Back End

Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche und Monat für Monat müssen wir miterleben, wie unsere Schäfchen aus der Banken-PR den Kürzeren ziehen gegenüber den bösen Wölfen aus der Fintech-PR. Insofern mag man uns die tiefe Freude nachsehen, die wir aus ebenso tiefem Herzen empfanden, als wir am Samstag den Kiosk unseres Vertrauens aufsuchten, nach der Zeitung unseres Vertrauens griffen und diese Schlagzeile hier lasen.