Newsletter 07/12/17: KfW-Chef hört auf, Paydirekt-Strategie, Die K-Frage der NordLB

KfW-Chef Schröder legt Amt nieder

Überraschung in Frankfurt: Ulrich Schröder, Chef der staatlichen Förderbank KfW, legt zum Jahresende sein Amt nieder – entsprechende Informationen des „Handelsblatts“ wurde gestern Abend im Umfeld der Bank bestätigt.  Der 65-Jährige hat seinen Rücktritt demnach Anfang des Monats in einem Brief an Finanzminister Peter Altmaier mitgeteilt und gesundheitliche Gründe für seine Entscheidung angeführt. Möglicher Hintergrund: Schröder hatte Ende 2015 eine Krebserkrankung öffentlich gemacht – wobei diese als erfolgreich therapiert galt. Ulrich Schröder steht seit 2008 an der Spitze der KfW. Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt kam es damals zur berühmten „Lehmann-Panne“, die der Bank vorübergehend den Titel als „Deutschlands dümmste Bank“ eintrug. Schröder blieb trotz der Blamage auf seinem Posten – und machte aus der Staatsbank (auch aufgrund unschlagbar günstiger Refi-Bedingungen) eine kleine Gewinnmaschine. Nicht zuletzt deshalb gilt er seit Jahren als einer der einflussreichsten Banker des Landes. Favorit für die Nachfolge ist Vizechef Günther Bräunig. Der Verwaltungsrat will bereits heute über die Personalie diskutieren.

Handelsblatt (News), Cicero (Schröder-Porträt aus 2013), Börsen-Zeitung (Bräunig-Porträt aus 2015, Paywall)

Exklusiv: Deutscher Crowdinvesting-Pionier Companisto erleidet hohe Verluste

Dass ein Startup Geld verbrennt, liegt in der Natur der Sache – allerdings: Ebenso natürlich sollte es eigentlich sein, dass die Verluste entweder im Laufe der Zeit kleiner werden. Oder aber: dass der Cash-Burn dazu dient, das Wachstum zu beschleunigen. So gesehen geben die seit einigen Tagen im Bundesanzeiger einsehbaren 2016er-Zahlen des Crowdinvesting-Pioniers Companisto ein paar Rätsel auf. Denn: Das über die Plattform vermittelte Funding-Volumen scheint seit einigen Jahren tendenziell zu stagnieren. Zugleich hat sich der Jahresfehlbetrag 2016 allerdings auf mehr als 700.000 Euro verdreifacht. Und damit nicht genug: Das Eigenkapital war per Ende letzten Jahres aufgebraucht, die GmbH „bilanziell überschuldet“. Eine Insolvenz wurde offenbar dadurch vermieden, dass mit einer „Darlehnsgeberin“ ein „qualifizierter Rangrücktritt“ vereinbart wurde. (bei der „Darlehnsgeberin“ handelt es sich nach unserem Verständnis de facto zumindest teilweise um Crowd-Investoren, die Mitte 2016 zwei Mio. Euro in Companisto gesteckt hatten). Lesen Sie hier weitere Details – und was das Unternehmen selber sagt: Finanz-Szene.de

News

10 Millionen Euro für Factoring-Startup Billie: Das Berliner Fintech (hinter dem die beiden Zencap-Gründer Christian Grobe und Matthias Knecht stehen) landet wenige Monate nach dem Start bereits eine achtstellige Finanzierungsrunde. Lead-Investor ist der Risikokapitalgeber Creandum, daneben steigt spannenderweise auch der Steuerberatungs-Riese „ETL“ ein. Und: Grobe zufolge hat „eine deutsche Bank“ (die vorerst anonym bleiben soll) für nächstes Jahr Liquidität in Höhe von 65 Mio. Euro zugesagt. Gründerszene, Handelsblatt (Paywall)

NordLB stimmt Anteilseigner ganz sachte auf mögliche Kapitalerhöhung ein: „Ich kann es nicht ausschließen“, sagt Vorstandschef Thomas Bürkle – betont allerdings, dass sein Haus „akut kein Kapitalthema“ habe. Reuters/HB

Bereitet der Deutsche-Börsen-AR-Chef seinen Abgang vor? Laut „Handelsblatt“ könnte Joachim Faber zunächst eine Wiederwahl anstreben – nur um sich 2019 dann vorzeitig zurückziehen. HB (Paywall)

Beyond .de

Nordea-Chef arbeitet an seinem Outlaw-Ruf: Jede Woche eine These, die keinem Banker schmeckt – das scheint das Motto des Casper von Koskull zu sein. Was er diesmal von sich gegeben hat? Dass die Zeiten, in denen Banken Millionengehälter zahlten, bald vorbei sein könnten (was, wenn wir den Artikel richtig verstehen, nicht nur, aber auch mit der Digitalisierung zusammenhängt). Bloomberg

Lesetipps

Wenn man mal den ganzen Rebranding-Quatsch beiseitelässt … und sich auf das eigentlich Wichtige konzentriert, dann könnte man auf die Idee kommen, dass die künftige DWS beileibe nicht der schlechteste IPO-Kandidat da draußen ist (und womöglich sogar eine Bewertung von 11 Mrd. Euro anstreben kann). Breakingviews

So funktioniert die Vertriebsmaschine der DWS: Im Zuge des geplanten Börsengangs gestattet die Deutsche Bank ungeahnte Einblicke in die Vertriebsstrukturen ihres Asset & Wealth Managers. So entfallen allein 15,9 Mrd. Euro des Fondsvolumens auf ein „deutsches Beraternetzwerk“ (sprich: auf die DVAG , wie die Kollegen von  „Fondsprofessionell“ naheliegenderweise schlussfolgern). Ebenfalls interessant: Satte 6,7 Mrd. Euro kommen über „eine deutsche Bank“, bei der es sich nicht um die Deutsche Bank handelt. Fondsprofessionell

Und wo wir schon mal beim Thema „Tiefe Einblicke“ sind: Das Berliner Fintech Raisin („Weltsparen.de“) nimmt die Akquisition des 100.000. Kunden zum Anlass, mal ein bisschen offenzulegen, was das eigentlich für Menschen sind, die ihre Spareinlagen via Weltsparen ins Ausland verschieben. Eine der Erkenntnisse: Der Zinsjäger als solcher ist noch älter als man ohnehin schon vermuten durfte. Und noch eine: Es gibt da draußen auch Zinsjägerinnen. Raisin

Wie Paydirekt doch noch die Kurve kriegt: Der Traxpay-COO, Payment-Spezialist und Dauerblogger Jochen Siegert (dessen Tage mehr als 24 Stunden zu haben scheinen) hat sich mal wieder mit dem deutschen Paypal-Klon auseinandergesetzt. Besonders spannend: Abgesehen von vielen kritischen Punkten erläutert Siegert auch, warum und wie Paydirekt den Turnaround doch noch schaffen könnte. Paymentandbanking

Warum so viele Brexit-Banken nach Warschau gehen … dröselt die FAZ nochmal schön auf. FAZ

Das ist die erste Frau im Commerzbank-Vorstand: Zugegeben, mit der Verlinkung eines Porträts über Bettina Orlopp sind wir nicht gerade ahead of the curve. Aber muss ja auch nicht immer sein. FAZ

PSD2 ist für Fintechs nicht nur eine riesige Chance – sondern bedeutet auch jede Menge Arbeit. Das „Handelsblatt“ erläutert, was in Sachen Regulierung und sonst so zu beachten ist. HB

Wer nicht lesen will, muss hören: Der Banking-Wochenrückblick der „Financial Times“ beschäftigt sich unter anderem mit den Plänen der Deutschen Bank für die DeAM/DWS. FT (Podcast!!!)

Klickfavorit

… war gestern die Reportage über die eher eisige Begegnung der Chefs von N26, Revolut und Monzo. Gründerszene

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

das ein ganz toller Newsletter ist. Gut geschrieben, präzise und relevant. Für mich schon jetzt mit die wichtigste Informationsquelle, wenn es um die deutsche Bankenbranche geht.

Michael Haupt, Director / Chief Operating Officer, Vontobel Wealth Management Hongkong