Newsletter 08/09/17: Hanebüchene Fintech-PR, Deutsche Bank, Draghis „Pffffff“

Exklusiv: Wie das Berliner Fintech Smava die Öffentlichkeit in die Irre führt

Machen wir uns nichts vor: Manche Fintech-PR liest sich, als würden die Gründer keiner Business School, sondern dem Politbüro entstammen. Wir haben uns darum vorgenommen, bei FinanzSzene.de in unregelmäßigen Abständen einen kleinen Faktencheck zu machen. Einfach nur so. Beginnen wollen wir heute mit dem Berliner Kreditvermittler Smava, der sich diese Woche als Deutschlands größtes Kreditportal feierte und dessen Chef im „Handelsblatt“ behauptete, sein Unternehmen sei „profitabel“. Kann das wirklich sein? Um das Ergebnis unserer Recherche vorwegzunehmen: Die eine Aussagen ist hanebüchen, die andere zumindest fragwürdig. Warum, lesen Sie hier … FinanzSzene.de

News 

Britischer N26-Rivale kommt nach Deutschland: Die Startup-Bank Atom wirbt mithilfe des Hamburger Einlagenvermittlers Deposit Solutions („Zinspilot“) um die Festgelder deutscher Sparer. Eine hübsche Gemengelage entsteht da, kooperiert N26 doch ausgerechnet mit dem Zinspilot-Wettbewerber Weltsparen. Bankingtech

Exklusiv – Rocket tauscht Zinsgold-Chef aus: Über das Hin, Her, Hü und Hott der Samwers im Fintech-Bereich könnte man ein Buch schreiben. Wir wollen es heute aber bei einer kleinen, exklusiven Meldung belassen: Nicht mal zwölf Monate nach der Gründung von Zinsgold hat die Geschäftsführung des Festgeld-Portals gewechselt (zur Erinnerung, Zinsgold war/ist das Gemeinschaftsprojekt von Rocket mit der Fintech Group). Finanz-Szene.de, Gründerszene (Archiv)

Berliner Sparkasse kooperiert mit Moneymap: Kürzlich hatte Finanz-Szene.de aufgedeckt, dass hinter dem Vertragsservice-Fintech in Wirklichkeit die Hypo-Vereinsbank steht (die fast 50 Prozent der Anteile hält). Trotzdem hat die Hauptstadt-Sparkasse offenbar kein Problem damit, mit Moneymap zusammenzuarbeiten. IT-Finanzmagazin, Finanz-Szene.de (Archiv) 

Droht der Deutschen Bank Ärger wegen des Brexits? So richtig können wir die Geschichte nicht einschätzen (und sie klingt auch arg zugespitzt). Aber glaubt man „Business Insider“, dann droht die britische Finanzaufsicht (nicht die FSA, sondern die andere …) dem größten deutschen Geldhaus mit dem Entzug der Bankenzulassung. Irgendwie so ein bisschen jedenfalls. Business Insider, Manager Magazin

Nur Mini-Erleichterungen für Kleinbanken: Die Aufseher wollen den Sparkassen und Volksbanken bei der Regulierung zwar entgegenkommen, weichere Kapital- oder Liquiditätsvorgaben werde es aber nicht geben, hat Bafin-Chef Hufeld klargestellt. Börsenzeitung (Paywall)

Vom eigenen Ethos genötigt? Der unter dem Verdacht des Insiderhandels stehende Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hat eine interessante Feinjustierung seiner Verteidigungslinie vorgenommen: Wenn es ein Angebot des Aufsichtsrats an das Topmanagement zum Kauf von Aktienoptionen des eigenen Unternehmens gebe, dann sei es die “moralische Pflicht, ein solches auch anzunehmen”. Reuters

Beyond Banking

Draghi macht pffffffffffffff: Wer in den vergangenen beiden Tagen die „Banken im Umbruch“-Berichterstattung des „Banken im Umbruch“-Veranstalters verfolgt hat, der musste ja meinen, irgendwann würden die Konferenzteilnehmer mit brennenden Fackeln ausgestattet, um dann geschlossen und Parolen grölend („Zins-wende jetzt!, Zins-wende jetzt!“) rüber ins Ostend zur EZB zu marschieren. Wie sehr sich der angstzitternde Mario Draghi davon hat beeindrucken lassen, wissen Sie vermutlich längst. Ansonsten lesen Sie es hier … Süddeutsche, Spiegel Online

Karriere

Hat Goldman sogar für SIE einen Job? Es soll ja Banker geben, auch unter unseren Lesern, die viel dafür geben würden, für Goldman Sachs zu arbeiten. Die gute Nachricht ist (und es folgt keine schlechte): Die Chancen steigen! Denn anders als bislang angekündigt, will die US-Investmentbank im Zuge des Brexits die Zahl ihrer Stellen in Frankfurt nicht nur verdoppeln (von derzeit 200), sondern eher verdrei- oder gar vervierfachen. Bloomberg

Linktipp:

Machen wir es kurz: Wenn Sie ein „Handelsblatt-Abo“ haben und am Wochenende nochmal in Ruhe nachlesen wollen, wer was bei „Banken im Umbruch“ erzählt hat, dann klicken Sie einfach hier … Handelsblatt

Klickfavorit

 … unserer Leser war gestern das Stück zu Visualvest (also der Genossen-Robo) und Alexa (also der Amazon-Sprachassistent). IT-Finanzmagazin

Die Korrekturen

Liebe Leserinnen und Leser, unser Redaktionsmodell läuft darauf hinaus, dass ein völlig übermüdeter Autor die wildesten Thesen raushaut und dabei maximal das ZweiAugenPrinzip walten lässt (manchmal fällt uns ein Auge leider zu). Fehler und Ungenauigkeiten werden sich darum bei Finanz-Szene.de nicht immer vermeiden lassen, auch wenn wir fest entschlossen sind, die Quote runterzufahren. Was wir tun können? Naja, zumindest können wir mit dem Mist, den wir verzapfen, offen umgehen. Auf geht’s:

  • Wir schrieben, Concardis habe Ratepay gekauft. In Wirklichkeit haben die Concardis-Eigner Ratepay gekauft und werden Ratepay nun als Bezahlart in die Produkte von Concardis integrieren (das sei ein großer Unterschied, haben wir uns erklären lassen)
  • Die steile These, Sebastian Diemer sei dank seines Exits bei Kreditech Deutschlands erster Fintech-Multimillionär (wobei wir Alt-Fintechs ausklammerten), führte unter Lesern zu Zustimmung („Kann man so sagen“), aber auch Ablehnung („Quatsch“). Die „Quatsch“-Fraktion verwies vor allem auf Billpay (2009 gegründet, also zumindest nicht so wahnsinnig alt, für angeblich fast 70 Mio. Euro an Klarna verkauft).
  • Wir behaupteten, die ersten elf Fintechs von Finleap seien allesamt Banking-Startups gewesen. Das war ohne Zweifel Quatsch, siehe der Online-Versicherungsmakler Clark.
  • „Gefühlt“ habe das „Manager Magazin“ schon öfter mit „Die Achleitners“ aufgemacht, behaupteten wir. „Ungefühlt“ war auch das falsch.

In dem Sinne, werfen Sie gerne den ersten Stein! Noch lieber aber wäre uns, Sie würden uns trotz unserer Fehler einfach weiterempfehlen. Über diesen Link hier können uns Ihre Kolleginnen/Geschäftspartner, denen Sie den Newsletter weiterleiten, ganz einfach abonnieren. Kostenlos! Unabhängig! Fehlergetränkt! Wo gibt’s das schon?

Schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms