Newsletter 08/12/17: Commerzbank-Fiasko, Fidor mit Riesenverlust, Fintech-Fundings

Exklusiv: Neugeschäft eingekracht – Commerzbank legt teuren Fehlstart bei Ratenkrediten hin

Es ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen, die die Commerzbank in diesem Jahr getroffen hat: Nachdem das Geschäft mit Ratenkrediten jahrelang in ein Joint-Venture mit der BNP Paribas ausgelagert war, betreibt die Gelbbank das vermeintlich langweilige Business nun wieder selbst. Die Ziele, die Privatkunden-Chef Mandel mit dem Strategieschwenk verknüpft, sind gewaltig: Bis 2020 soll das Volumen von zuletzt 2,3 Mrd. Euro auf 6 Mrd. Euro hochgefahren werden. Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen nun jedoch: Statt durchzustarten hat die Commerzbank bei der Internalisierung des Ratenkredit-Geschäfts erst einmal einen klassischen Fehlstart hingelegt. Das Neugeschäft brach ein, der Roll-Out musste zwischenzeitlich sogar gestoppt werden. Lesen Sie hier die ganze Geschichte:

Finanz-Szene.de

24 Mio. Verlust bei 539 Mio. Euro Bilanzsumme: Das dunkle Geheimnis der Fidor Bank

Der Deal galt als Ritterschlag für den Fintech-Standort Deutschland: Vor gut einem Jahr wurde die Münchner Fidor-Bank an die französische Großbank BPCE verkauft. Nun indes erscheint der Exit urplötzlich in einem neuen Licht. Denn wie die „Börsen-Zeitung“ heute Morgen berichtet, hat Fidor 2016 (also just im Jahr des Verkaufs) einen Verlust von 24 Mio. Euro erlitten – was gewaltig erscheint vor dem Hintergrund, dass die Bilanzsumme der Münchner Fintech-Bank per Ende letzten Jahres bei gerade einmal 539 Mio. Euro lag. Die „BÖZ“ macht missglückte Kreditgeschäfte im Ausland für das Minus verantwortlich und spricht von einem „Worst Case“. Wörtlich heißt es: „Britische Kreditbearbeiter, die ihre Bestände an die Bayern veräußerten, gerieten in Schieflage.“ Und damit nicht genug: Laut Geschäftsbericht ist „für das Portfoliogeschäft der Gebrauchtwagenfinanzierung im britischen Raum mit weiterem Wertberichtigungsbedarf für die künftigen Jahre zu rechnen“. Börsen-Zeitung (News, frei zugänglich), Börsen-Zeitung (Hintergrund, Paywall), Geschäftsbericht

Analyse: Haben Deutschlands Fintechs wirklich ein Funding-Problem?

Zugegeben – bei „Finanz-Szene.de“ packen wir einzelne Fintech gern mal etwas fester an (siehe Outbank in den Wochen vor der Insolvenz, siehe Smava neulich, siehe Companisto gestern, siehe das Sonderfall-Fintech Paydirekt). Aber: Die seit einigen Wochen von immer mehr befreundeten Medien verbreitete These, mit dem Fintech-Standort Deutschland stimme ganz grundsätzlich was nicht, bleibt für uns schwer nachzuvollziehen. Gestern zum Beispiel berichteten „Reuters“ bzw. das „Handelsblatt“, dass „Fintechs in Deutschland nur schwer an Geld kommen“. Mal abgesehen davon, dass die anekdotische Evidenz just der letzten Tage (Deposit Solutions, Billie, FintecSystems) eher gegen diese Behauptung spricht: Auch die richtige Evidenz (sprich: die aggregierten Funding-Zahlen für 2017) sagen aus unserer Sicht etwas anderes. Was ist also dran an der Funding-Klemmen-These? Eine Analyse in fünf Punkten: Finanz-Szene.de

News

Bei „Basel III“ (und „Basel IV“) herrscht endlich Einigkeit: … wobei es auf der Zielgeraden, soweit wir das sehen, keine Überraschungen mehr gegeben hat: Der sogenannte Output-Floor (die Connaisseure wissen, was gemeint ist, den anderen ist’s wurscht) wird bei 72,5 Prozent liegen. Börsen-Zeitung (frei zugänglich)

Auch die Deutsche Bank könnte unter Trumps „Steuergeschenk“ leiden: Die Steuerreform des US-Präsident zwingt Banken zu milliardenschweren Abschreibungen. Das könnte laut „Handelsblatt“ auch für den deutschen Marktführer zum Problem werden. Handelsblatt (Paywall)

Commerzbank lagert Wertpapierabwicklung an HSBC aus: Was wir im März bereits unter damals noch fremder Adresse gemutmaßt hatten, ist jetzt tatsächlich so gekommen. Spannende Frage am Rande (ohne dass wir ad-hoc eine Antwort hätten): Was bedeutet das für die DWP Bank? Börse-Online

Bräunig wird’s tatsächlich: Siehe die gestern Nachmittag versandte Pressemittelung der KfW. Pressmitteilung

Beyond .de

Jetzt dreht der Bitcoin völlig durch: Bei Coinbase näherte sich die Krypo-Währung gestern der 20.000-Dollar-Marke, an anderen Börsen krachte sie zumindest vorübergehend ein. Bloomberg, Manager Magazin

Bis zu 360 Mio. Dollar für Chris Hohn: Hatte der Nordea-Chef nicht diese Woche prophezeit, dass für Banker die Zeiten der Millionensaläre bald vorbei sein könnten? Nun denn: In der Hedge-Fonds-Branche scheint es den ein oder anderen Manager bereits zu erwischen. So kam der ja auch hierzulande nicht ganz unbekannte TCI-Gründer Hohn zuletzt tatsächlich nur noch auf hoch sechsstellige Einkünfte – allerdings pro Tag. Bloomberg

Lesetipps

Zwei Drittel der Bundesbürger haben noch nie die Bank gewechselt: So jedenfalls das Ergebnis einer BdB-Umfrage. Hätte der Bitkom die gleiche Untersuchung in Auftrag gegeben, wäre jetzt überall zu lesen, „Jeder dritte Deutsche flüchtet vor seiner Bank“. BdB

Wie können Fintechs realistisch bewertet werden? Am wichtigsten (und schwierigsten) ist die Bewertung der Software, erklärt Patrick Steiner vom DZ Innovationsblog (falls irgendwer meint, wir hätten den Artikel schon einmal verlinkt … nope, das war nur der erste Teil, dies jetzt ist der zweite). DZ Innovationsblog

Das „D“ in DBank steht für Doom: Nachdem Chefvolkswirt David Folkerts-Landau die Lage am Anleihemarkt vorgestern als „größte Blase in der Geschichte der Menschheit“ titulierte, präsentierte die Deutsche Bank gestern ihre „30 (!) Marktrisiken für 2018“. Geht’s auch ’ne Nummer kleiner? (wobei: Vielleicht sollte ein Newsletter, in dessen Betreffzeile andauernd von „Schock“, „Fiasko“,  „Riesenverlust“ oder dergleichem die Rede ist, hier nicht den Tugendwächter geben …) Fondsprofessionell, Bloomberg

Haben die Zentralbanken ihre Bilanzen wirklich noch im Griff? Bei der Fed mag das der Fall sein – bei der EZB weniger. Bloomberg

Und immer wieder freitags: … die ebenso umfängliche wie unbestechliche „Was wir lesen“-Liste (die Sie, liebe „Chief Digital Officers ohne Vorstandsrang“ und „Head of Innovation Manager ohne eigenen Stab“, bitte auch an diesem Wochenende wieder komplett durcharbeiten, weil sonst: wird der Chef sauer). DZ Innovationsblog

Klickfavorit

… war gestern die „PSD2-Gebrauchsanweisung für Fintechs“ von Katharina Schneider (übrigens mit knappem Vorsprung vor dem Paydirekt-Bashing des Jochen Siegert). Handelsblatt

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

… dieser Newsletter kurz und auf den Punkt ist. Er liefert tiefe Einblicke in das breite Themenspektrum der Finanzwelt und ordnet die Ereignisse ein. So bin ich morgens schon optimal informiert.“

Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman