Newsletter 09/11/2017: Sparkassen-Posse, Pikante Coba-Personalie, Kahlschlag bei der DBank?

Fahrenschon macht den Kengeter

Ist ein Sparkassen-Präsident erst dann untragbar, wenn er von einem Gericht als vorsätzlicher Steuerbetrüger verurteilt wird? Reicht es nicht aus, dass er sich jahrelang um eine korrekte Versteuerung seiner Einkommen herumgedrückt hat? Offenbar scheint der bayerische Finanzminister a.D. Georg Fahrenschon die Dinge genau so zu sehen. Und darum steht den deutschen Sparkassen (denen es an Problemen ja nun nicht mangelt) jetzt auch noch eine hübsche Hängepartie bevor. Denn: Wiederwählen wollten die roten Funktionäre ihren Präsidenten gestern verständlicherweise nicht. Zu putschen traute sich aber auch niemand. Und abtreten? Das will Herr Fahrenschon, der von dem Strafbefehl seit Monaten wusste (ohne sich mitzuteilen), ganz und gar nicht. Kurzum … Unser Like-Button und unser Endorsement-Retweet gehen heute Morgen an Bernd Wittkowski von der „Börsenzeitung“. Der sagt nämlich, wie es ist: „Ja, Fahrenschon kann juristisch rehabilitiert werden.“ Aber nein, zu retten sei er nicht mehr.

Börsenzeitung (Paywall) 

Exklusiv: Coba versetzt Topmanager nach Dubai

Die personellen Rochaden bei der Commerzbank gehen weiter. Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat Coba-Urgestein Bernd Laber seinen Posten als Bereichsvorstand Trade Finance & Cash Management abgegeben. Er wechselt stattdessen als Standortleiter nach Dubai – was einen Abstieg aus der ersten in die zweite Führungsebene bedeutet. Bis auf weiteres soll Nikolaus Giesbert, Chef des Fixed-Income-Bereichs, die bisherigen Aufgaben Labers in Personalunion übernehmen. Ob diese Lösung dauerhaft sein wird, ist noch unklar. Die Commerzbank wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Hier die Hintergründe und noch eine kleine Coba-Personalie: Finanz-Szene.de

News

Exklusiv: Fintech-Pionier Holzner ist bei Diebold-Nixdorf schon wieder raus: Es war eine der spannendsten Fintech-Personalien des Jahres: Im Mai heuerte Nelson Holzner,  Gründer des Berliner 70-Mio.-Euro-Startups Billpay, als CEO beim Paderborner Konzern-Fintech Aevi an. Nun jedoch, gerade mal sechs Monate, ist Holzner bei der Diebold-Nixdorf-Tochter still und leise ausgeschieden. Finanz-Szene.de

„Eigentlich bräuchten wir nur halb so viele Leute“: Nein, ganz so hat  John Cryan es nicht ausgedrückt. Aber fast. In einem Interview mit der „Financial Times“ meinte der Deutsche-Bank-Chef wörtlich: „Wir beschäftigen derzeit 97.000 Menschen. Die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte an Angestellten aus.“ Wenn also demnächst der richtige, der ultimative Kahlschlag bei der DBank beginnt, dann sage keiner, er sei nicht vorgewarnt gewesen. Süddeutsche, Financial Times (Paywall)

Kann die Deutsche Bank vor Gericht auch mal gewinnen? Sieht ganz so aus. Denn glaubt man „Reuters“, dann läuft in puncto Postbank-Prozess (also die Causa mit den mäkelnden Minderheitsaktionären …) plötzlich alles auf einen Sieg der Blaubank hinaus. Reuters

Hätte die Deutsche Bank da fast eine Ertragsperle weggeworfen? Ganz so ist es nicht. Aber immerhin: Von Januar bis September hat die Postbank 436 Mio. Euro vor Steuern verdient und damit doppelt so viel wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Einer der Gründe: Steigende Provisionseinnahmen. Reuters

Was der Crédit-Agricole-Chef wirklich in Sachen Coba gesagt hat: Vor ein paar Wochen berichteten Zeitungen und Agenturen, die Pariser Großbank greife nach der Commerzbank.  Gestern nun hieß es überall, die Franzosen hätten plötzlich „abgewinkt“.  In Wirklichkeit (wenn hier niemand falsch übersetzt hat) hat der CA-Chef neulich lediglich gesagt, dass man (stünde die Commerzbank zum Verkauf …) die Sache prüfen würde. Und gestern hat er gesagt, es gebe „keine Pläne“, die Coba zu kaufen. Wer daraus zwei gegensätzliche Aussagen macht, muss von Beruf Journalist sein. Handelsblatt/Reuters

Wirecard-Aktie knickt nach „PP“-Bericht kurzzeitig ein:  Um mehr als 16 Prozent standen die Papiere gestern Früh bei Tradegate im Minus, nachdem die SZ und andere Medien von angeblichen Verwicklungen in krumme Online-Kasino-Geschäft berichtet hatten; allerdings erholte sich der Aktienkurs weitgehend. Der Münchner Zahlungsdienstleister bestreitet jedes Fehlverhalten, genau wie diverse Großbanken, die in den Berichten ebenfalls genannt wurden. Twitter (Tradegate vom Morgen), Xetra-Kurs, Handelsblatt

Beyond.de

Der stille Aufstieg der französischen Banken: Schöne Beobachtung der „Handelsblatt“-Kollegen: Während die deutsche Kreditwirtschaft von Jahr zu Jahr anämischer wirkt, läuft’s beim Nachbarn erstaunlich gut. Handelsblatt (Paywall)

Geht das nächste Schweizer „Vorzeige-Fintech“ in die Grütze? Erst Knip, dann Monetas – und nun soll de facto auch noch Flynt am Ende sein. Was ist da los bei den Leidgenossen? NZZ

Lesetipps

Das sind die Nachteile der Blockchain: Keine Bange, liebe Fortschritts-Euphoriker, der Bank-Blog-Artikel „Hat die Blockchain-Technologie einen Mehrwert für die Finanzbranche?“ kommt ganz am Ende zur Antwort: Ja. Es ist allerdings ein „Ja“ mit einem großen „Aber“. Der Bank-Blog

Klickfavorit

… war gestern früh die nächtliche News,  dass N26 zum Mega-Funding ansetzt. Gründerszene

Back-End

Die KfW ist  ihrem Auftrag, junge Unternehmer nach Kräften zu fördern, gestern auf prototypische Weise gerecht geworden. Denn kaum, dass wir nach der – wie üblich sehr ausgedehnten – Mittagspause an den Computer zurückkehrten, blinkte das Mailchimp-Programm  aus allen Luken: Acht neue Abonnenten mit „kfw.de“-Kennung binnen 42 Minuten. Ist da gestern jemand mit „Finanz-Szene.de“-Handzetteln durch die Kantine gelaufen? Hat Herr Schröder in einer freundlichen Rundmail für uns geworben? Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, was sich gehört: @Michael Helbig, in der morgigen Ausgabe veröffentlichen wir einen KfW-PR-Artikel Ihrer Wahl. Nachhaltigkeit? Umweltschutz? Karriere? Wie Sie wünschen. Und zwar nix „Paid Content“. Unpaid.

Herzlichst, Heinz-Roger Dohms