Newsletter 11/10/2017: Apple Pay, Filial-Wunder, Bankathon, Robo-Spendings

Das deutsche Filial-Mysterium

Als am Wochenende die Meldung vom Filialsterben über die Ticker lief, hätten wir fast schon abgewinkt – denn: Tun sie das nicht immer, die Filialen, also sterben? Bei näherer Betrachtung der entsprechenden KfW-Studie zeigte sich dann aber ein Mysterium: In 17 Städten bzw. Kreisen ist die Zahl der Filialen zwischen 2000 und 2015 nicht etwa gesunken, sondern gestiegen, und zwar teils um 50 Prozent und mehr. So gab es z.B. im Landkreis Würzburg Ende 2015 exakt 101 Filialen (statt 65 Ende 2000). Dankenswerterweise hat die KfW uns die Rohdaten zur Verfügung gestellt, die wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten wollen (siehe Link weiter unten). Worauf wir uns allerdings mangels Zeit noch keinen Reim gemacht haben: Was sind die Gründe? Warum ausgerechnet diese Kommunen? Hocken da Sparkassen und Volksbanken, die die Zeit verschlafen haben? Oder die im Gegenteil ganz viel richtig machen? Oder sind das alles irgendwelche Targobanken, die wissen, wo sie ihre Pappenheimer (sprich: ihre Ratenkredit-Schuldner) finden? Sachdienliche Hinweise gerne an redaktion@finanz-szene.de.

Finanz-Szene.de (mit KfW-Rohdaten)

News

Apple-Pay nun doch vor Deutschland-Start? Das behauptet zumindest der renommierte (und in der Bankenszene gut verdrahtete) Blogger Hansjörg Leichsenring. Auf Basis „intensiver Hintergrundgespräche mit zahlreichen Vertretern von Banken und anderen relevanten Marktteilnehmer“ geht Leichsenring davon aus, dass Apple womöglich noch Ende dieses Monats (Verkaufsstart des iPhone X), spätestens aber in der ersten Jahreshälfte 2018 in Deutschland starten wird. Wer’s nicht glaubt, der lese Leichsenrings Bericht doch einfach selber: Der Bank-Blog

Andere Fintech-Zahlen, gleiche Boom-Aussage Im Sinne des von uns leidenschaftlich verfochtenen Faktenpluralismus vermelden wir nach den Comdirect/Barkow-Zahlen zum deutschen Fintech-Markt heute auch noch die Main-Finance/Ernst&Young-Zahlen zum deutschen Fintech-Markt. Sie lauten: 307 Mio. Euro Funding in H1 2017 nach 400 Mio. Euro Funding im Gesamtjahr 2016. Also alles intakt. Studie als PDF

Lesetipps

Wie Robo-Adviser die Google-Preise versauen: Seit die Scalable Capitals dieser Welt mit tiefen Funding-Taschen um Kunden buhlen, seien „die Preise für die digitale Bewerbung von Investmentdienstleistungen enorm in die Höhe geschossen“, behauptet der Consultant und Asset-Management-Experte Jan Altmann. Ein Beispiel: „Ein Klick für das Keyword ‚ETF investieren‘ kostet mittlerweile an die 8 Euro.“ (So wie wir es verstehen, zahlt der Google-Werbende die acht Euro, sobald ein User auf die Google-Anzeige klickt, unabhängig davon, ob es zu einem Abschluss kommt). Wir haben gestern Abend spaßeshalber tatsächlich mal „ETF investieren“ bei Google eingegeben – und ja, zwei der vier Anzeigen kamen von Robos (Easyfolio und Scalable). Hier der Link zu Altmanns thesenfreudigem Blogpost: 2nhct

Was die Commerzbank wirklich wert ist: Angeblich nicht so wahnsinnig viel mehr als das, was ihr Firmenkundengeschäft wert ist. Dieses aber (so die Analysten von Autonomous Research) sei stolze 10,7 Mrd. Euro schwer. Und das wiederum (so die „Financial Times“) sei der Grund, warum es dann doch eine ganze Reihe von Interessenten für die ansonsten eher undolle Coba gebe. Klingt irgendwie schlüssig. Financial Times (Paywall)

Werden Bitcoins zur neuen M&A-Währung? Die kalifornische Blockchain-Firma Ripple sitzt nach eigenen Angaben auf Krypto-Reserven im „Wert“ von 15 Milliarden US-Dollar. Nun will man mit diesem „Geld“ auf Akquisitionstour gehen. Financial Times (Paywall)

Wie das Pleite-Fintech Cookies (vor seiner Pleite) versuchte, Geld vom Ostküsten-Starinvestor Karl-Theodor zu Guttenberg zu bekommen: … und was aus der Nummer schließlich wurde … Gründerszene.de

Analyse

Wenn Alipay (vulgo: „das chinesische Paypal“) zum Gegenstand der Berichterstattung wird, dann geht mit den Zahlen eigentlich immer was durcheinander. So berichtete das „Handelsblatt“ aus Anlass einer Kooperation zwischen Alipay und Wirecard neulich von jährlich rund zehn Mio. chinesischen Gästen in Deutschland (wo kommt diese Zahl her???); und die „dpa“ vermeldete gar, chinesische Touristen ließen jährlich umgerechnet 76 Mrd. Dollar in Deutschland (diese Zahl, mit Verlaub, ist völlig irre). Aus Anlass einer weiteren Alipay-Kooperation (diesmal mit dem niederländischen Zahlungsdienstleister Adyen) korrigierte das „Handelsblatt“ seine Angaben gestern nach unten. Nun ist von 2,58 Mio. chinesischen Touristen jährlich die Rede, die im Schnitt sechs Nächte hierzulande verbringen (was 15,5 Mio. Übernachtungen wären). Laut Destatis ist aber leider auch das falsch – es sind nämlich 2,58 Mio. Übernachtungen. Aber sei’s drum. Vielleicht kann man sich ja auf folgende rein qualitative Betrachtung einigen: „Was hat Alipay in Deutschland/Europa vor?“ ist ein spannendes Thema – aber ein chinesischer Gigant ist nicht automatisch ein deutscher/europäischer Gigant.

Beyond .de

Banken decken sich mit EZB-Geld ein: Beim wöchentlichen Notenbank-Tender haben die Geschäftsbanken gestern 21,3 Mrd. Euro abgerufen (und damit das sechseinhalbfache dessen, was Analysten erwartet hatten). Der Grund? Vermutlich/Angeblich Katalonien. Spiegel Online 

Bei Basel III bahnt sich die große Einigung an: Demnach dürfte der sog. Output Floor letztlich bei 72,5 Prozent liegen (die Eingeweihten wissen, was gemeint ist, die übrigens interessiert’s ja doch nicht so richtig). Bloomberg/Welt, Börsenzeitung (Paywall)

Aus der Szene

28 Minuten für Flossbachs Mündel? Nur mal ein in aller Zurückhaltung geäußerter Verdacht: Kann es sein, dass die Kölner Edelfonds-Boutique Flossbach von Storch dem sog. „Big Picture“ allmählich ein bisschen zu viel Bedeutung beimisst? Denn: Dieser Tage fanden wir in unserem Postfach eine E-Mail des „FvS Research Institute for independent thinking“, in der unter der Überschrift „Der Aufstand der verlassenen Mündel“ auf eine Nachlese zur Bundestagswahl verwiesen wurde. „Lesezeit: 28 Minuten.“ Sind wir allein mit der Ansicht, dass man sich als Investor diese halbe Stunde eher nicht nimmt, zumal für dieses Thema? Oder sehen wir mal wieder nur das „Small Picture“? FvS Research (PDF, Lesezeit: 28 Minuten)

Klickfavorit

… war gestern unser exklusives Stück über den digitalen Brain Drain bei der Commerzbank. Finanz-Szene.de (Lesezeit: 2 Minuten)

Bankathon Berlin

Wir haben ja leise Zweifel, ob Hackathons im Allgemeinen und Bank-Hackathons im Speziellen wirklich immer sooooo supererfolgreich sind, wie uns die Fintech-Twitter-Community Glauben machen will. Nachdem uns der letztjährige „Bankathon Hamburg“ aber durchaus sinnhaft vorkam, haben wir uns bereiterklärt, den diesjährigen „Bankathon Berlin“ (selbe Veranstaltung, andere Stadt) als „Medienpartner“ zu unterstützen – auch wenn wir noch nicht ganz verstanden haben, was ein „Medienpartner“ eigentlich ist. Aber egal. Wann das Ganze stattfindet? 21. bis 23. November. Was man sonst noch wissen muss? Lesen Sie doch einfach selbst: Pressemeldung