Newsletter 12/01/18: Das soll ein Robo sein?, Haspa-Reaktionen, Was können die Deutsche-Bank-Vizes?

Welche Robos da draußen sind wirklich Robos?

Gestern ist er gestartet, der 21. (oder schon der 23., 27. oder 29.?) Robo-Advisor auf dem deutschen Markt. Doch halt! Kommt Robo nicht von Roboter? Und hat Robo-Advisor nicht irgendwas mit regelbasiert, maschinell, standardisiert oder so zu tun? Jedenfalls: Der Chef des „Werthstein“ getauften neuen Anbieters sagt, dass bei seinem Robo „nicht der Algorithmus, sondern der Mensch im Vordergrund steht“. Und damit scheint es ihm sogar ernst zu sein, denn in der Pressemitteilung ist von „erfahrenen Experten und Portfoliomanagern“ die Rede, auf deren „Einschätzungen“ das Produkt offenbar beruht. Was sollen wir damit nun anfangen? 1.) Klar ist natürlich, dass hinter jedem Robo-Advisor Menschen stehen. Und 2.) Nichts gegen „Werthstein“ persönlich. Mag ja sein, dass das Produkt okay ist. ABER, und diese Fragen drängen sich allmählich auf, übrigens auch und gerade bei jenen digitalen Vermögensverwaltern, die jetzt von den Banken an den Start gebracht werden: Welche Robos da draußen sind wirklich noch Robos? Welche Hybrid-Ansätze versprechen tatsächlich einen Mehrwert? Und wann verkommt „Robo“ (endgültig) zum (reinen) Marketingbegriff? Der Markt jedenfalls wird nicht nur immer größer. Er wird auch immer unübersichtlicher.

Fondsprofessionell, Pressemitteilung

News

Haspa-Gehälter erstaunen die deutsche Finanzwelt: Unsere Enthüllung, dass die Hamburger Sparkasse ihren Spitzenmanagern siebenstellige Gehälter zubilligt, sorgt für Kopfschütteln im öffentlich-rechtlichen Bankenlager. „Da fällt einem nichts mehr ein“, kommentiert ein nicht ganz subalterner Sparkassen-Mensch hinter vorgehaltener Hand den „Finanz-Szene.de“-Bericht. „Das können Sie niemandem mehr vermitteln“. Auch Leser jenseits des Sparkassen-Lagers zeigten sich verblüfft, teilweise auch belustigt (das mögen wir übrigens an unseren Lesern: Man empört sich nicht, sondern man lästert ab, wie es neudeutsch heißt). Das „Handelsblatt“ wiederum brachte den Umstand, dass Haspa-Chef Harald Vogelsang zwischen 1,5 und 2,0 Mio. Euro im Jahr kassiert (unter anderem, weil er ein Gehalt der Haspa AG und eines der Haspa Holding erhält) in Zusammenhang mit dessen kolportierter Absage für den Job als DSGV-Präsident: „,Er hat einen Job, in dem er sich sehr wohlfühlt, er will da nicht weg‘, hieß es aus seinem Umfeld. Beim Gehalt hätte er sich Finanzkreisen zufolge als Sparkassenpräsident auch nicht verbessern können.“ Handelsblatt (Paywall) 

Bettscheider-Bank kommt nach Deutschland: Die österreichische Kommunalkredit – hinter der der einigermaßen legendäre Mainfirst-Gründer Patrick Bettscheider steht – buhlt seit dieser Woche um die Einlagen hiesiger Sparer. Das Geld dient als Funding für Infrastruktur-Projekte. Fondsprofessionell, Website

Fintech jetzt auch für die Lehman-Oma: Wären wir gemein, würden wir sagen: „Es gibt die Aktien noch gar nicht. Wohl aber den Fonds.“ Wobei, das wäre nicht nur gemein, sondern auch falsch, denn außerhalb Europas gibt es ja sehr wohl schon ein paar seriöse börsennotierte Finanz-Startups, in die der kürzlich aufgelegte „Global FinTech Equities“ des Fondsanbieters Robeco investieren kann (der Fonds ist jetzt auch für den Vertrieb in Deutschland zugelassen, das ist die eigentliche News). Übrigens: Für den Fall, dass der zuständige  Fondsmanager dann doch schon in „Made in Germany“ investieren möchte: Wir hätten Naga und Niiio im Angebot, zwei grundsolide Dividenbringer mit kugelsicheren Geschäftsmodellen (aber pssst, das sind absolute Insidertipps). Das Investment

Sieben Fragen an das neue deutsche Mega-Fintech

Es war ohne Zweifel die Fintech-Meldung dieser Woche: Das Berliner Kreditportal Smava hat satte 65 Mio. Dollar eingesammelt, das ist das dritthöchste Funding in der noch jungen Geschichte der deutschen Finanztechnologie-Branche. Wobei: Muss es „Das ist“ oder „Das wäre“ heißen? Denn ein paar Fragen stellen sich dann doch. Gleicht man die Pressemitteilung mit jüngsten Eintragungen im Handelsregister ab, dann könnte man auf die Idee kommen, dass Smava nun mit deutlich mehr als 400 Mio. Dollar bewertet wird – kann das sein? Daran angeknüpft stellt sich die Frage: Sind die 65 Mio. Dollar überhaupt komplett Equity – oder wurde versehentlich auch ein bisschen Debt eingerechnet?  Und was hat es eigentlich mit der luxemburgischen „Smart Rate Sarl“ auf sich, die laut Handelsregister plötzlich mehr als 14 Prozent an Smava hält, in der Mitteilung von dieser Woche aber gar nicht auftaucht. Insgesamt haben wir sieben Fragen an Smava formuliert. Diese können Sie hier nachlesen (ebenso wie die vergleichsweise knappe Antwort von Smava): Finanz-Szene.de

Lesetipps

Zwei Kronprinzen – keine Lösung: Schon im letzten Herbst warf das „Manager Magazin“ die Frage auf, ob Christian Sewing und Marcus Schenck tatsächlich die natürlich Kandidaten für die Nachfolge von Deutsche-Bank-Chef John Cryan sind. Nun ist der Artikel in einer aktualisierten Fassung auch online verfügbar. Manager-Magazin.de

Und dazu passend: … ein frisches, aber hinter die Bezahlschranke gepacktes „HB“-Interview mit denselben beiden Deutsche-Bank-Vizes. Handelsblatt (Paywall)

„Frust, Angst – und super Gehälter“: Kollege Stefan Kaiser von „Spiegel Online“ zeichnet ein Sittengemälde der Frankfurter Bankenszene, die er „eine verblassende Welt“ nennt, in der es (Stichwort: Digitalisierung) zwar nicht mehr viel tun gebe, in der aber immer noch fürstlich bezahlt werde. Kurzum, falls Sie ein nettes Wochenende mit den Kindern vor sich haben: Lesen Sie’s nicht, sondern scrollen Sie einfach weiter. Warum am Morgen schon die Laune verderben? Spon

Und das Kontrastprogramm: Die Kollegen von Finews widmen sich einer (parallel offenbar immer noch existenten) Bankenwelt, in der a) Work-Life-Balance ein Schimpfwort ist, in der b) 80-Stunden-Wochen die Regel sind und in der c) mithin: noch alles so ist, wie es sein sollte. Finews

Welche Banker noch gebraucht werden: … vor allem solche, die gar keine richtigen Banken sind, also Security-, Big-Data- oder IoT-Spezialisten, schreibt der Consultant Oliver Voigt. Zudem erklärt er, wie die Banken diese (natürlich nicht nur von Finanzdienstleistern umworbenen Kandidaten) für sich gewinnen. IT-Finanzmagazin

Ganz alte und ganz neue Welt: Warum ein früherer Google-Manager beim Finanzvertrieb JDC ein Blockchain-Lab aufbaut. Bilanz

Und noch was für die richtigen Nerds (also für rund 45 Prozent unserer Leser): Mi­cha­el Ochs vom Fraun­ho­fer IE­SE durchmisst das Spannungsfeld zwischen PS­D2 und DSGVO – und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Kon­to­in­for­ma­ti­ons­diens­te (AIS) und der Kon­to­in­for­ma­ti­ons­dienst­leis­ter (AISP). Da macht das Lesen mal so richtig Spaß. IT-Finanzmagazin

Unser wichtigster Vorsatz für das neue Jahr lautet: … dass wir auch weiterhin jeden Freitag auf die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ Innovationsblogs verweisen, weil wir damit dazu beitragen, dass unsere Abonnenten durch gepflegtes sonntägliches Selbststudium zu besseren Bankern werden.  DZ Innovationsblog

Klickfavorit

… war gestern unser Scoop über die Haspa-Vorstandsgehälter. Finanz-Szene.de