Newsletter 12/12/17: Alle lieben Frankfurt, Die Daten-Pläne der dt. Banken, James von Moltke

Deutsche Banken planen gemeinsame Daten-Plattform im Firmenkunden-Geschäft

Es ist ein Geheimprojekt – und entsprechend wenig weiß man bislang über die Details. Was man seit gestern allerdings weiß: Vier der größten deutschen Banken (nämlich die DBank, die Coba, die LBBW und die Helaba) planen im Firmenkunden-Geschäft den Aufbau einer riesigen Daten-Plattform, wie Meike Schreiber in der „Süddeutschen Zeitung“ berichtet. Hintergrund: Bislang melden Unternehmenskunden ihre relevanten Daten jeder Bank einzeln. Für die Kreditwirtschaft ist dieses Verfahren offenbar sehr teuer – denn wegen der regulatorischen Anforderungen binde das Sammeln der Daten immer mehr Ressourcen, so die „Süddeutsche.“ Die Idee hinter der Plattform sei es daher, dass die Firmen ihre Daten künftig „nur noch einmal melden müssen und nicht wie bisher jeweils wieder neu, wenn sie mit einer anderen Bank Geschäfte machen.“ Wird die Plattform mit ihren mutmaßlich Millionen von Daten tatsächlich Realität, soll sie auch weiteren Instituten offenstehen.

Süddeutsche

News

VÖB-Präsident schafft es in die „Financial Times“: Hatten sich die Basel-Menschen nicht vergangene Woche auf einen Kompromiss verständigt? Hatte der Kapitalmarkt der Einigung nicht explizit seinen Segen erteilt? Und waren Analysen nicht zu dem Schluss gekommen, dass die Lasten (sofern man in einer besseren Kapitalisierung denn überhaupt „Lasten“ sehen möchte) für die Banken durchaus zu stemmen sind? Nun denn: VÖB-Riegler hat gestern trotzdem noch mal heftig gegen den Basel-III/IV-Kompromiss gewettert. Woraufhin er von Buba-Dombret zur Räson gerufen wurde. Der eine wie der andere schaffte es damit bis in die „Financial Times“, was beide – allem Ärger zum Trotz – bei der Lektüre ihres jeweiligen Pressespiegels heute Früh mit wohliger Zufriedenheit erfüllen dürfte. Financial Times (Paywall)

Sechs Vorstände, (k)einer für IT:  Alexander von Uslar, bei der LBBW bislang für Finanzen und Informationstechnologie zuständig, verlässt die Landesbank zum Jahresende. Seine beiden Verantwortungsbereiche fallen dann in die direkte Zuständigkeit von CEO Rainer Neske. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere: Vor zwei Jahren hatte die LBBW auch schon den COO abgeschafft. Von dort war die IT-Zuständigkeit seinerzeit zum CFO gewandert (übrigens: Damals hatte die Bank in ihrer Pressemitteilung die Verkleinerung des Vorstands von sieben auf sechs Mitglieder betont. Exakt das gleiche tut sie nun wieder – nachdem das Gremium zwischenzeitlich freilich wieder vergrößert worden war). LBBW (aktuelle PM), LBBW (PM 2015), Börsenzeitung (Paywall)

4,5 Millionen für Finleap-Startup: Täuscht der Eindruck – oder cashen viele deutsche Fintechs zum Jahresende noch mal ein? Jedenfalls: Nach Deposit Solutions, Billie und FintecSystems hat nun auch der Berliner Inkasso-Spezialist Pair Finance sein Dezember-Funding verkündet. 4,5 Mio. Euro erhält das Finleap-Startup. Spannend: Unter den neuen Investoren ist auch Zalando. Gründerszene

KfW will 2018 bis zu 75 Mrd. Euro aufnehmen: … was in etwa dem Niveau aus diesem Jahr entspricht. Reuters

Beyond .de

Bitcoin erreicht den Mainstream: An der Chicagoer Derivatebörse CBOE wird seit gestern der erste Terminkontrakt auf die Krypto-Währung gehandelt. Muss man erwähnen, dass es zum Start gleich mal steil bergauf ging? Zeit

Spanien verkauft (weitere) sieben Prozent an Bankia: Die Transaktion soll der Staatskasse rund 840 Mio. Euro einbringen. Es wäre das erste Mal seit fast vier Jahren, dass Madrid Anteile an dem 2012 verstaatlichen Institut loswird. Handelsblatt

Lesetipps

Das sagt der neue Finanzchef  der Deutschen Bank: James von Moltke trägt nicht nur einen berühmten Namen (der Widerstandskämpfer von Moltke war sein Großvater) – sondern er ist auch der neue Finanzvorstand der Deutschen Bank. Sein erstes großes Interview in dieser Funktion hat er nun der „Süddeutschen Zeitung“ gegeben. Darin stellt der in Nordamerika aufgewachsene von Moltke klar: „Wir sind gut kapitalisiert, es gibt keinen Grund, alarmiert zu sein.“ SZ

Alle lieben Frankfurt: Nach der „Sunday Times“ und dem „Guardian“ preist nun auch die „Financial Times“ die Vorzüge der Main-Metropole („On hot evenings, workers decamp from their offices and cycle down to the banks of the Main river or to one of the open-air swimming pools scattered around Frankfurt’s suburbs.“) Wenn das aus schlecht informierten Quellen kolportierte Gerücht stimmt, dass MainFinance-Chef Hubertus Väth mit derlei Berichten seine Wände tapeziert, dann braucht er bald ein größeres Büro. Financial Times (Paywall)

„Fintech ist raus aus den Kinderschuhen“: … und nun? Figo-Chef und Branchen-Vordenker André Bajorat mit 13 Quo vadis, Fintech-Thesen für 2018. Paymentandbanking

Ignoriert

Sind Sie gestern auch über die „News“ gestolpert, dass NordLB-Mitarbeiter in der Kantine „künftig“ mit Bitcoin bezahlen können? Nun – eigentlich können sie das schon seit März. Und wer sich die Mühe gemacht hat, den Artikel zu Ende zu lesen, der erfuhr, dass der Fall eher nicht als Beleg für die Praxistauglichkeit des Krypto-Geldes taugt. Denn: Jene „knapp fünf Prozent“ der Belegschaft, die überhaupt nur mitmachen wollten bei dem Experiment, spekulieren inzwischen offenbar lieber mit ihren Bitcoins, als dass sie ihren Veggie-Burger damit bezahlen. Banker halt.

Klickfavorit

… war am Freitag unser Scoop über die Probleme der Commerzbank im Geschäft mit Ratenkrediten. Finanz-Szene.de

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

… die Themen der Branche hier wunderbar hinterfragt werden. Fair, präzise, auf den Punkt. Für mich die perfekte Zusammenfassung, um gut informiert in den Tag zu starten.“

Miriam Wohlfarth, Gründerin und Geschäftsführerin von Ratepay