Newsletter 13/12/17: Challenger-Bänkchen, Paydirekt-Scoop, Cringle, Robin

Exklusiv: Paydirekt kriegt nicht nur einen neuen Spitzenmanager – sondern zwei

Als „Finanz-Szene.de“ vor einem Monat berichtete, dass Paydirekt zwar einen neuen Chef sucht, die alten Chefs aber trotzdem behalten will – da hatten wir, ehrlich gesagt, ein paar Zweifel an unserer eigenen Story. Denn wo gibt’s so was? Nun jedoch ist es tatsächlich so gekommen. Wie der Paypal-Klon der deutschen Banken gestern mitteilte, wird der frühere Wirecard-Manager Christian van Hammel-Bolten, 47, neuer Leiter der Geschäftsführung. Und die bisherigen Co-Chefs Niklas Bartelt und Helmut Wißmann? Dürfen dennoch bleiben und erhalten „neu zugeschnittene Aufgabenbereiche“. Das ist freilich noch nicht alles. Denn wie „Finanz-Szene.de“ gestern Abend in Erfahrung brachte, gibt es noch eine weitere Top-Personalie bei Paydirekt. Demnach soll Frank Schwab, Geschäftsführer der GIZS (das ist die Gesellschaft, die den Sparkassen-Sektor mit Paydirekt verbindet), einen „Chief Operating Officer“ im Rang eines Geschäftsleiters an die Seite bekommen. Dabei handelt es sich den Informationen zufolge um Henning vorm Walde vom rheinland-pfälzischen Sparkassenverband. Halten wir also fest: Die Geschicke von Paydirekt liegen künftig in der Hand von zwei Bank-Menschen (Bartelt, Wißmann), einem externen Payment-Menschen (Hammel-Bolten), einem externen Fintech-Menschen (Schwab) und einem Verbands-Menschen (vorm Walde). So viele Checks and Balances kennt nicht mal die US-Verfasung. Ob’s dem Geschäft nutzt?

News

Robin soll 1 Mrd. Euro bis Ende 2018 einsammeln: Die Deutsche Bank hat gestern ihren Robo-Advisor (wir berichteten neulich exklusiv) offiziell vorgestellt. Dabei gab Digitalchef  Pertlwieser ein mittel-ehrgeiziges Ziel für das kommende Jahr aus: Bei 1 Mrd. Euro sollen die Assets under Management per 31. Dezember 2018 liegen. Das wäre doppelt so viel wie der Marktführer Scalable Capital aktuell hat. FAZ

Und noch ein Challenger-Bänkchen: Wirkliche Fintech-Banken gibt es ja in Deutschland maximal drei (N26, Solaris und vielleicht noch Fidor). Dafür hat gestern die nächste „unechte“ Fintech-Bank offiziell ihren Betrieb aufgenommen, nämlich der Berliner Anbieter Penta. Der hat zwar keine eigene Lizenz und auch nur eine sehr eingeschränkte Zielgruppe (Kleinunternehmen), setzt sich aber trotzdem ehrgeizige Ziele. Finanz-Szene.de, t3n

Exklusiv – Crowdinvestoren zeigen Cringle die kalte Schulter: Obwohl die Finanzierungs-Kampagne seit Sommer läuft und auch schon mal verlängert wurde, ist der Berliner P2P-Payment-Spezialist von seinem (ohnehin bescheidenen) Funding-Ziel weit entfernt. Statt der angestrebten 600.000 Euro hatten Investoren gestern Früh auf der Crowd-Plattform Companisto erst Zusagen über 387.800 Euro abgegeben; am 22. Dezember soll die Kampagne enden. Companisto

Die Genos machen ernst beim Mobile Payment: … wobei (wenn wir es richtig verstehen) noch offen ist, ob das kontaktlose Bezahlen per Smartphone tatsächlich zunächst per Mastercard flächendeckend eingeführt wird – oder nicht doch eher per Girocard. IT-Finanzmagazin, Börsen-Zeitung (Paywall)

DZ Bank erwägt Veräußerung der „HSH light“: Das zumindest berichten die Kollegen von „Reuters“. Demnach hat das zweitgrößte deutsche Geldhaus die Investmentbanker von Goldman Sachs beauftragt, strategische Optionen für ihre unter faulen Schiffskrediten leidende Tochter DVB Bank zu prüfen – bis hin zu einem möglichen Komplettverkauf. Reuters

Spin-Doktor der Deutschen Börse geht: Laut „Handelsblatt“ und „BÖZ“ nimmt Matthias Fritton seinen Hut – was insofern nicht verwundert, als der Deal, den er kommunizieren sollte (der Zusammenschluss mit der LSE), nicht zustande kam, und der Manager, für den er das tun sollte (Carsten Kengeter), bald nicht mehr da ist. Handelsblatt, Börsen-Zeitung (Paywall)

Und noch ein Abgang: Vertriebschef Sven Deglow verlässt die Comdirect (und zwar vorzeitig). Nachfolger wird der frühere Flatex-Manager Matthias Hach. Pressemitteilung

Beyond .de

Eine News, die zumindest einige unserer Payment-Nerds interessieren könnte: Der französische IT-Dienstleister Atos (spezialisiert u.a. auf Zahlungstransaktionen) will den niederländischen Chipkarten-Hersteller Gemalto (spezialisiert u.a. auf Magnetstreifen für Kreditkarten) übernehmen. Gebot: 4,3 Mrd. Euro in bar. Manager Magazin

Lesetipps

Was Sie vielleicht noch über Basel IV wissen sollten: Sind Europas Banken wirklich die großen Verlierer des Baseler Kompromisses? Wer den Tweet-Storm eines gewissen „JohannesBorgen“ liest, ist sich da nicht mehr so sicher. Seine Argumentation geht so: Ja, klar, die europäischen Banken hätten beim Output Floor zwar letzten Endes nachgegeben (was übrigens die skandinavischen und die niederländischen Institute besonders hart treffe) – seien dafür aber an vielen anderen Stellen deutlich entschädigt worden. Dies gelte zum Beispiel für die Regeln zur Projektfinanzierung, für den sogenannten Standard-LGD („loss given default“) und für viele weitere, zum Teil sehr komplexe Details, die wir dann – ehrlich gesagt – auch nicht mehr alle durchstiegen haben. [Disclaimer: Wir haben keine Ahnung, wer „JohannesBorgen“ ist. Da sein Tweet-Storm aber u.a. von Isabel Schnabel als „must-read“ und „very insightful“ geadelt wurde, gehen wir mal davon aus, hier keinen Blödsinn zu verlinken.] Twitter

Wie die Blockchain das KYC-Procedere vereinfach könnte: „Know your Customer“ wird in den Banken bislang vor allem mit „Viel, viel Aufwand“ übersetzt (siehe auch unser gestriger Aufmacher über die Daten-Plattform-Pläne von DBank, Coba, Helaba und LBBW). Der Bank-Blog erklärt nun anschaulich, wie sich die Verfahren womöglich vereinfachen ließen – und welche Rolle die Blockchain dabei spielen könnte. Bank-Blog

Blick über den Tellerrand: Wenn wir unseren Banking-Fokus ausnahmsweise weiten dürfen … Der Paymentandbanking-Blog hat seinen grafischen Überblick über die Insurtech-Szene aktualisiert. PAB

Und wenn wir schon mal dabei sind: Zu den richtig guten Fintech-Studien des vergangenen Jahres gehörte der Insurtech-Radar von Oliver Wyman und Policen Direct. Diese Woche ist die zweite Auflage erschienen, die wir jetzt einfach mal auf Treu und Glauben verlinken. Oliver Wyman

Neues von den Leidgenossen: Während das Schweizer Fintech Monetas  offiziell Insolvenz angemeldet hat, zeichnet „Finews.ch“ die Geschichte vom Fall des einstigen Schweizer Fintech-Stars Jan Schoch („Flynt“) nach.

Klickfavorit

… war gestern Meike Schreibers Scoop über die geplante Daten-Plattform der deutschen Banken. Süddeutsche

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

… dieser Newsletter zugleich tiefgründig und leicht verdaulich ist, ernst und mit einer nötigen Prise Sarkasmus. Und das Timing ist unschlagbar – eine tolle Begleitung zum morgendlichen Kaffee.“

Tamaz Georgadze, Gründer und CEO von Raisin/Weltsparen

Ein Gedanke zu „Newsletter 13/12/17: Challenger-Bänkchen, Paydirekt-Scoop, Cringle, Robin“

Kommentare sind geschlossen.