Newsletter 14/11/17: Die „Top oder Flop“-Industrie, D-Day beim DSGV, Die Akte Warburg

Willkommen in der „Winner takes it all“-Industrie

Die einen (Scalable, N26) bekommen die potenten Investoren, die gute Presse, die lukrativen Kunden. Und die anderen, deren Produkte unter Umständen nicht viel schlechter sind (Outbank)? Können froh sein, wenn sich am Ende jemand findet, der ihre Assets für ein paar Hunderttausend Euro aus der Insolvenzmasse herauslöst.  Wenn die vergangenen Tage eine Lehre über die deutsche Fintech-Branche bereithielten, dann die, dass zwischen dreistelliger Bewertung und bitterer Pleite vielleicht manchmal nur Nuancen liegen. Was dabei in keinem Fall schadet, das ist eine gute Story. Und natürlich das richtige Timing. Ach ja – und dann gibt es womöglich noch eine weitere Lehre: Die deutsche Fintech-Branche scheint sich endgültig zu einer „Winner takes it all“-Industrie zu entwickeln. „Finanz-Szene.de“ hat beispielhaft sechs Segmente identifiziert, in denen die Kluft zwischen einem bzw. maximal zwei Marktführern und dem Rest schon jetzt so groß ist, dass man sich fragt, wie die Verfolger den Rückstand jemals wieder aufholen wollen. Lesen Sie hier unsere Analyse:

Finanz-Szene.de

News

Fahrenschon tritt zurück, Nachfolger kommt aus den eigenen Reihen: So könnte morgen Früh die Meldung an dieser Stellen lauten. Denn: Wenn die Kollegen von SZ, Handelsblatt, Reuters etc. pp. nicht alle danebenliegen, dann hat Georg Fahrenschon den Kampf um sein Amt verloren. Favorit auf die Nachfolge ist (wie gestern unter Verweis auf die „Süddeutsche“ bereits berichtet) der niedersächsische Sparkassenchef Thomas Mang. Allerdings fallen vor dem für heute terminierten DSGV-Krisentreffen auch andere Namen. SZ, Handelsblatt (Paywall), Reuters

BdB will die HSH Nordbank nicht: … oder zumindest würde er sie im Falle einer Privatisierung nicht so einfach in seine Einlagensicherung lassen. „Es gibt niemanden, den wir von vornherein ausschließen“, sagte der Präsident Hans-Walter Peters gestern. Es gebe aber „hohe Hürden, die zu nehmen sind“. Handelsblatt/dpa

Pfandbriefbank entdeckt die Risikovorsorge wieder: Erst kürzlich hatte der HRE-Nachfolger die Gewinnprognose für dieses Jahr auf rund 200 Mio. Euro angehoben – für kommendes Jahr will das Institut nun aber wieder deutlich konservativer planen. Reuters

HSBC-Deutschland-Chefin prognostiziert das große Fintech-Sterben: … womit sie freilich nicht die erste ist. Der US-Finanzinvestor J.C. Flowers hatte jüngst dasselbe gesagt, und der gesunde Menschenverstand lässt sich ebenfalls problemlos „im On“ zitieren. Er sagt: Dass von den angeblich rund 700 deutschen Fintechs nicht alle und vermutlich nicht einmal die meisten überleben werden, ist logisch. Reuters

Und auch sonst wurden gestern bei der Euro Finance Week bzw. aus Anlass der Euro Finance Week noch ein paar Dinge gesagt, die den Atem stocken und das Blut gefrieren lassen. Beispiele gefällig? Der Basel-IV-Kompromiss ist doof (sagt Herr Kirsch), die EZB sollte den Einlagenzins senken (sagt Herr Peters), Deutschland ist immer noch overbanked (sagt Herr Sewing), und Mifid II ist ganz, ganz schlecht gemacht (sagt wiederum Herr Peters). Na, denn.

Beyond .de

Bitcoin pendelt sich allmählich zwischen 0 und 10.000 Dollar ein:  Die Krypto-Währung hat in den vergangenen Tagen die erratischsten Kursschwankungen gezeigt. Das „Manager Magazin“ zeichnet das Ab und Ab und Auf und Ab nach – und versucht dankenswerterweise, ein paar Erklärungen für das Chaos zu liefern. Manager Magazin

… und wer sich darüber hinaus noch näher mit dem „Bitcoin Cash“ befassen möchte, den verweisen wir auf Bloomberg

Lesetipps

Das sagt der Warburg-Chef: Im September hatten wir in Kooperation mit der „Zeit“ exklusiv berichtet, dass die Hamburger Privatbank M.M. Warburg 2016 im großen Stil an die Reserven gegangen ist, um das Ergebnis zu stützen. Bei „Zeit Online“ lässt sich die gesamte Reportage nun kostenlos nachlesen. Dabei kommt auch Vorstandschef Joachim Olearius ausführlich zu Wort – und weist die Kritik am (unserer Meinung nach) etwas diffusen Geschäftsmodell deutlich zurück: „Unser Geschäftsmodell ist in der Breite des Angebots einzigartig. Um es mit einem Vergleich aus der Landwirtschaft zu sagen: Wenn Sie immer nur Weizen anpflanzen, bekommt das auf Dauer dem Boden nicht gut.“ Zeit-Online

Die BAIT wird für die IT-Risiken, was die MA Risk für die herkömmlichen Risiken ist: So lässt sich (in unseren eigenen, stark vereinfachenden Worten) ein interessantes Interview zusammenfassen, dass zwei Cofinpro-Consultants dem Kollegen Jürschick gegeben haben. IT-Finanzmagazin

N26 führt Apple Pay ein: Allerdings nur in Frankreich. Und wer gehofft hatte, die Bezahlfunktion durch eine simple Änderung der Länderkennung auch hierzulande nutzen zu können … Nope. IT-Finanzmagazin

Wie sieht die Schweizer Fintech-Map aus? Weiße Logos auf weißen Grund. Kleiner Scherz. Und im Ernst? Auch wenn die eidgenössische Fintech-Industrie  zuletzt ein paar Fehlschläge zu verkraften hatte, gibt es natürlich auch in der Schweiz noch immer ein paar spannende Finanz-Startups. Kilian Thalhammer hat sie in eine Karte gepackt. Paymentandbanking

Denn sie wissen nicht, was sie tun: Auch zehn Jahre nach dem Finanzcrash sind sich die großen Banken ihrer Risiken nicht wirklich bewusst, kritisiert Bloomberg.

Klickfavorit

… war gestern unser Scoop, dass Outbank  von Verivox übernommen wird. Finanz-Szene.de