Newsletter 15/11/17: Zinspilot im Eiltempo, Coba verliert digitalen Jungstar, Deutsche Bank Moneyshelf

Schatten-Investoren kapern Deutsche Bank

Sind die Leverage-Chinesen von HNA nicht schon genug? Die Deutsche Bank hat nun jedenfalls noch einen Großaktionär, von dem man nicht weiß, was man halten soll. In einer Pflichtmitteilung machte das Frankfurter Geldhaus gestern Nachmittag publik, dass  Morgan Stanley jetzt knapp sieben Prozent der Anteile hält. Laut „Handelsblatt“ geht man „in Finanzkreisen“ allerdings davon aus, dass die US-Investmentbank die Aktien nicht für sich selber gekauft hat, sondern im Auftrag eines oder mehrerer Schatten-Investoren. Um wen es sich dabei handeln könnte, ist nun die große Frage. Naheliegender Verdacht: Aktivistische Aktionäre. Da wäre dann die Analogie zur Credit Suisse nicht mehr weit. Oder etwa noch mehr Chinesen? Wie auch immer: Langweilig wird es mit der Blaubank jedenfalls nicht, das muss man ihr lassen.

Handelsblatt

News

Exklusiv -Commerzbank verliert den nächsten digitalen High-Potential: Der personelle Aderlass im Digitalbereich der Gelbbank geht weiter. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ wechselt Lukasz Opoka, Leiter der Abteilung „Online Processes and Direct Channels Departments“, zur UBS Schweiz, wo er im Team von Fintech-Vordenker Andreas Kubli für den Bereich E-Banking-Innovationen zuständig sein wird. Opoka war vor zwei Jahren von der polnischen Tochter M-Bank zur Coba gekommen, stieg dort rasch vom Senior Project Manager zum Abteilungsleiter auf und galt als eines der größten Talente in der Bank. Zuletzt hatten auch schon der „Director Directbanking“, Ole Franke, und der „Director Payments & Deposits“, Julian Mattes, die Commerzbank verlassen. Keines der beiden Institute wollte sich zu den Informationen äußern.

Exklusiv – Eine Milliarde in fünf Monaten: In unserer gestrigen Fintech-Analyse war davon die Rede, dass die Hamburger Einlagenplattform Zinspilot per Juni bereits Spargelder in Höhe von zwei Mrd. Euro an vorwiegend ausländische Hochzinsbanken vermittelt habe. Jetzt ist November – und wie uns CEO Tim Sievers gestern zurief, steht Zinspilot nun schon bei 3,5 Mrd. Euro. Zieht man davon die <500 Mio des kürzlich übernommenen Konkurrenten Savedo ab, dann lässt sich eine interessante Rechnung aufmachen: Für die erste Milliarde brauchte Zinspilot 13 Monate, für die zweite Milliarde 7 Monate und für die dritte Milliarde noch 5 Monate.

Die ING Diba hat jetzt zwei Millionen Girokonten: Allein 2016 sei die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent gestiegen. Pressemitteilung

Die Personalie Fahrenschon befand sich diese Nacht weiterhin im Zustand des zwar gefühlt schon eingestandenen, nicht aber final vollzogenen Rücktritts: Das zumindest schien uns (bevor wir wieder zu Bett gegangen sind) der Sachstand zu sein. Und Nachfolger? Wird vermutlich wie auch schon gestern und vorgestern spekuliert Herr Mang. Aber auch das erst einmal nur kommissarisch. Manager Magazin, Börsenzeitung (Paywall), Handelsblatt (Paywall)

Wird Spanien plötzlich zu einem Kernmarkt der Deutschen Bank? Nach dem gescheiterten Verkauf des Ibero-Retailgeschäfts schmiedet der dortige Regionalchef plötzlich große Pläne. Alle Filialen (es sind rund 220) sollen erhalten bleiben, in die Digitalisierung ordentlich investiert werden. Mal sehen, ob Frankfurt das durchwinkt. Handelsblatt

Cryan speist mit  HNA-Chef: … was insofern vermeldenswert ist, als der Deutsche-Bank-CEO zuvor laut „Handelsblatt“ zwei geplante Treffen mit dem obersten Vertreter des umstrittenen Großaktionär abgesagt hatte. Handelsblatt (Paywall)

Chefabwicklerin König plädiert für totales Moratorium: Im Falle einer Schieflage habe es große Vorteile, wenn neben den Sparguthaben möglichst alle Verbindlichkeiten einer Bank vorübergehend eingefroren würden. Reuters/HB.com

Hatten wir das nicht alles schon mal? Laut Bundesbank-Vorstand Dombret zeichnet sich in Sachen Basel III/IV endgültig, endgültig, endgültig ein Kompromiss ab. Für die Connaisseure: Modellieren sich Banken ihren Kapitalbedarf selbst zurecht, soll dieser nicht unter 72,5 Prozent des Standards-Modells fallen. Reuters/HB.com

Lesetipps

Siegen ist auch in Horb-Freudenstadt und in Neu-Ulm: Im blinden Vertrauen auf den Kollegen vom IT-Finanzmagazin hatten wir jüngst berichtet, dass die Sparkasse Siegen als erste Kleinbank in Deutschland die „Mastercard red“ eingeführt habe. Nun ist derselbe Kollege allerdings auf zwei Genossenschaftsinstitute gestoßen, die ihren Kunden ein sehr ähnliches Angebot schon länger machen. Ist das die Rache der Provinz? Der Tod der Girocard? IT-Finanzmagazin

Willkommen im „Escape-Raum“: Wie deutsche Banken und Versicherer ihre Mitarbeiter auf das digitale Zeitalter vorbereiten. Welt

Das ist Herr Mang: SZ-Redakteurin Meike Schreiber porträtiert den neuen/künftigen/vorübergehenden Sparkassen-Präsidenten. Süddeutsche

Klickfavorit

… war gestern unsere Analyse über die Entwicklung der deutschen Fintech-Branche zur „Winner takes it all“-Industrie. Finanz-Szene.de

Back-End

Wie die Deutsche Bank im Jahr 2000 das Multibanking erfand: Als wir unseren Newsletter neulich mit der Schlagzeile „Deutsche Bank plant Digitalbank“ aufmachten, hagelte es am nächsten Tag Leser-Mails. Tenor: „Gab’s doch alles schon mal. Deutsche Bank 24. Hätten sie mal nicht dichtmachen sollen. Dann bräuchten sie jetzt nicht hinterherhecheln.“ Jedenfalls: Der Consultant Friedrich-W. Kersting, der offenbar schon Direct-Banking gemacht hat, als Lukasz Opoka noch ein Kind war, blätterte gestern in einem Gastbeitrag für den „Finletter“ sogar noch ein bisschen tiefer im Geschichtsbuch. Ihn erinnern die Pläne von Verivox und Check24 (siehe unser gestriges Fintech-Stück) nämlich daran, dass die Deutsche Bank im Jahr 2000 mal eine Finanzplattform namens „Moneyshelf“ gestartet hatte (Moneyshelf war so was ähnliches wie Multibanking, aber mit Paläo-Modem und tendenziell eher ohne Smartphone). Wer die Geschichte nicht glaubt: Sie lässt sich googeln! Hier lesen Sie,  wie alles begann. Und hier, wie Deutsche-Bank-Style-mäßig ein Jahr später alles gleich wieder dichtgemacht wurde. Und wo gibt’s das Stück von Herrn Kersting zu lesen? Hier: Finletter

Post Scriptum: Im „Handelsblatt“-Artikel zur Einführung von Moneyshelf im August 2000 findet sich interessanterweise der „Conflict of Interest“-Satz: „Das Finanzportal [Moneyshelf] ist in die Handelsblatt.com-Webseite eingebunden.“ Vielleicht lohnt es sich, hierauf noch einen  Gedanken zu verschwenden – denn: Wenn alle Beteiligten a) ein bisschen länger durchgehalten hätten, wenn b) der Holtzbrinck-Verlag ein paar Jahre später Moneyshelf in StudiVZ integriert hätte, und wenn c) Herr Zuckerberg nicht dazwischengegrätscht wäre – dann würde „StudiVZ-Deutsche-Bank-Moneyshelf“ heute als globales Super-Gafa die Bankenwelt beherrschen. Da hat den Herrn leider ein wenig die Weitsicht gefehlt.