Newsletter 16/11/17: Cash-Back ohne Einkauf, Noch’n Fintech, Warum der Bitcoin Quatsch ist

Was geschieht da mit der Deutschen Bank?

Wer böse sein will, könnte jetzt sagen: Jedes Unternehmen bekommt das Aktionariat, das es verdient. Halten wir also fest: Bei der Deutschen Bank sind jetzt die seltsamen HNA-Chinesen  mit knapp 10 % im Boot, die Katarer (ach ja, die Katarer …) mit ebenfalls knapp 10 % und Blackrock mit rund 6 %. Zudem, wie man seit vorgestern weiß: Morgan Stanley in wessen Auftrag und warum auch immer mit 7 %. Und, wie man seit gestern weiß: Cerberus mit 3 %. Eine hübsche Gemengelage ist das, die zu allerlei Spekulationen anregt, wobei der erstbeste Gedanke (will Cerberus jetzt die DBank und die Coba zusammenfügen?) nicht unbedingt der schlüssigste ist. Was man auf jeden Fall festhalten kann: Der Höllenhund sieht irgendwas in deutschen Banken, das andere nicht sehen. Denn: Warum sonst wäre er bei DBank und Coba eingestiegen, warum sonst hätte  er die Südwestbank gekauft, warum sonst war er an der Postbank und ist er an der HSH Nordbank interessiert? Was man aber auch festhalten muss: Trotz der spektakulären Meldungen der vergangenen beiden Tage notierte die Deutsche-Bank-Aktie gestern  Abend nur unwesentlich höher, als sie das am Montagabend getan hatte. Es ist also nicht so, als würden jetzt plötzlich alle auf die Cerberus-Wette aufspringen.

  • Rechnet man die Beteiligungen an der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Bawag zusammen, dann hat Cerberus jetzt 3,8 Mrd. Dollar seiner insgesamt rund 30 Mrd. Dollar AuMs in Banken aus der DACH-Region stecken. Ufff, was für eine Wette, findet Breakingviews
  • Warum alle Indizien dafür sprechen, dass die 3 % von Cerberus den 7 % von Morgan Stanley zuzurechnen sind (Börsenzeitung/Paywall)
  • Warum das glatte Gegenteil richtig ist und die Transaktionen von Morgan Stanley und Cerberus „aller Wahrscheinlichkeit nach“ nichts miteinander zu tun haben (Handelsblatt/Paywall)

News

Fällt beim Cash-Back bald die Mindesteinkaufssumme? Letzte Woche hatte wir berichtet, dass Kunden bei Rossmann (oder war’s DM? Ja, es war DM) jetzt schon bei einem Einkauf von 10 Euro Geld abheben dürfen. Die Sparda-Banken München und Augsburg setzen  jetzt noch eins drauf – und bieten ihren Kunden in einem Pilotprojekt (Partner: u.a. Rewe und bald auch, jawoll, Rossmann) „Geldabhaben im Supermarkt auch ohne Einkauf“ an. Und bevor uns unsere Fintech-Leser  vorwerfen, wir würden die B2B-Fintechs, die solche Dinge als gefügige Dienstleister erst möglich machen, immer verschweigen … Tun wir doch gar nicht. Es ist Barzahlen. IT-Finanzmagazin

Die mit ihrer Passivseite augenscheinlich etwas unglückliche ING Diba … lässt nichts unversucht, ihre Kunden endlich dazu zu bewegen, überschüssiges Geld nicht länger auf dem Extra-Konto liegen zu lassen (und das Geld auch nicht für Sondertilgungen bei der Baufinanzierung zu verwenden) – sondern: es doch bitteschön anzulegen. Oder etwas nachrichtlicher ausgedrückt: Nach der Kooperation mit dem Robo-Advisor Scalable beginnt die Oranje-Bank nun auch noch, eigene ETF-Portfolios aufzusetzen. Fondsprofessionell

Noch’n Fintech: Das Schweizer Finanz-Startup Creditgate24 hat in Berlin ein Team installiert, das (so schreibt Finews) „Kreditanfragen von Privaten, Selbststandigerwerbenden und KMU prüft und mit potentiellen Geldgebern zusammenbringt“. Mmmhhh, ist das wirklich noch ne Marktlücke? Finews

Wird Theodor Weimer doch noch Dax-Chef? Der HVB-Chef war vieles in seinem Leben (Meckie, Goldmann, Großbank-CEO) – aber nie Vorstandsvorsitzender eines Dax-Konzerns, obwohl er das dem Vernehmen nach immer werden wollte. Das Schöne: Es ist noch nicht zu spät. Denn der gerade mal 57-Jährige gilt nun als Top-Favorit auf die Kengeter-Nachfolge als Chef der Deutschen Börse. Und das Allerschönste: Bei dem Job würde ihm Mailand zur Abwechslung mal nicht reinreden. Manager Magazin, SZ (Weimer-Porträt)

Wie man als deutsche Landesbank mit einem 08/15-Geschäftsmodell in neuen Monaten dann doch erstaunliche 447 Mio. Euro Gewinn machen kann:  Zur Begründung sagt die LBBW laut „Reuters“, sie habe „insbesondere von der ‚lebhaften Nachfrage‘ nach Instrumenten zur Absicherung von Zinsrisiken und nach Anlageprodukten sowie von der Begleitung von Wertpapieremissionen profitiert …“ Nun denn, wenn das so ist, dann ist es so. Reuters/HB

Wirecard wie immer mit exzellenten Zahlen: Der Gewinn des Münchner Zahlungsdienstleisters mit der schwer zu durchschauenden Bilanz entwickelt sich weiterhin wie mit dem Lineal gezogen. In Q3 stand unterm Strich ein Plus von fast 30 Prozent. Manager Magazin

Beyond. de

Der Bitcoin und die Panzer: Die Krypto-Währung notierte nach ihrem zwischenzeitlichen Absturz gestern schon wieder bei mehr als 7000 Dollar – wobei: An einer Börse in Simbabwe wurde sie sogar zu mehr als 13.000 Dollar gehandelt. Der Bitcoin als „failed state“-Währung? Das wäre dann die nächste Geschichte, auf die alle abfahren. Bloomberg

Lesetipps

Warum der Bitcoin Quatsch ist: … erklärt der meinungsfreudige Payment-Experte Jochen Siegert leider nicht exklusiv bei „Finanz-Szene.de“, sondern in seinem eigenen Blog (dabei hätten wir die Klicks ganz gut gebrauchen können, aber sei’s drum). Äh, und warum ist der Bitcoin jetzt Quatsch? Weil die Blockgröße des Bitcoin schlicht dessen Skalierung limitiere. Ein Einsatz als Massenzahlverfahren sei damit „bis auf weiteres unmöglich“. Paymentandbanking

Banking im Kontext: … das sei das Gebot der Stunde, schreibt der Blogger und Haspa-Digital-Vordenker Tobias Baumgarten. Was genau er damit meint, lesen Sie hier: About Fintech

Warum Twint (das ist stakeholder-strukturell gesehen sozusagen das „Paydirekt der Schweiz“) vor dem Scheitern steht: … erklärt sehr anschaulich der frühere Saxo-Banker und heutige Finanzprofessor Patrick Schüffel. Der Bank-Blog

Knallhart und klandestin: Wie der US-Investor Cerberus zum Machtfaktor in der europäischen Bankenindustrie wurde (Manager Magazin, letztes Heft, Paywall)

Noch mehr zu Lukasz Opoka: Oh Gott, die Schweizer Kollegen von „Finews“ haben dem bedauernswerten Herrn Opoka (das ist der junge Commerzbanker, dessen Wechsel zur UBS wir gestern vermeldet hatten) jetzt eine Mischung aus Biographie und Hagiographie gewidmet. Wir fürchten, diese Zweite-Reihe-Personalie läuft jetzt gerade etwas aus dem Ruder. Also, liebe Schweizer, nur zur Einordnung: Über Wasser laufen kann er nicht. Finews

Karriere:

Noch mal was Richtiges machen: Aus Anlass der Personalie Alexander Doll (das ist der langjährige Barclays-Deutschland-Chef, der jetzt Logistikchef bei der Bahn wird) erklärt „efinancialcareers“, welche Karriere-Optionen (Investment-)Banker in der deutschen Industrie haben. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern die Reportage, wie deutsche Banken und Versicherer ihre Mitarbeiter auf das digitale Zeitalter vorbereiten. Welt