Newsletter 19/01/18: Deutschbanker suchen das Weite, Coba/Steinhoff, Das Auxmoney-Wunder

Warum Sie, liebe Banker, den Kredit-Vermittler Auxmoney allmählich ernst nehmen sollten

Auxmoney? Das war mal jenes deutsche Ur-Fintech, das irgendwie nie richtig aus den Puschen zu kommen schien. Nehmen wir das Jahr 2014. Da steigerte die auf Konsumentenkredite spezialisierte Lending-Plattform das vermittelte Volumen gerade mal von 25 auf 33 Mio. Euro – verbrannte im gleichen Jahr aber satte 8,5 Mio. Euro. Eine Million Cashburn für jede Million zusätzliches Volumen? Und das im immerhin schon siebten Jahr  nach der Gründung? Prost, Mahlzeit! Dachte man. Dieser Tage jedoch hat Auxmoney im Bundesanzeiger seinen 2016er-Abschluss veröffentlicht. Damit lässt sich nun (wenn man ein bisschen recherchiert und einen Casio hat) die gleiche Rechnung nochmal aufmachen. Und siehe da: Während sich das Volumen versechsfacht hat, fällt der Cashburn kaum höher aus – und 2017, so zumindest wird im Markt gemunkelt, hat sich der positive Trend klar fortgesetzt. Ist aus der Lame Duck der deutschen Fintech-Branche einer der Frontrunner geworden? Sieht so aus. Und noch mehr: Soooo viel fehlt Auxmoney auch nicht mehr zu den Banken. Lesen Sie hier unsere Analyse:

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News

Deutschbanker suchen das Weite: Ist das jetzt ein Erfolg? Oder nicht doch eher bedenklich (auch für die Branche als Ganze)? Jedenfalls: Wie die Kollegin Osman heute Morgen im „Handelsblatt“ berichtet, wird das „Wenn Sie freiwillig gehen, kriegen Sie ordentlich Asche“-Programm der Deutschen Bank (und ihrer Tochter Postbank) wirklich super angenommen. Zur Erinnerung: Bis zu 1000 Stellen sollten eingespart werden. Vier Wochen später haben sich aber schon 1800 Interessenten gemeldet. Vielleicht kann sich Herr Cryan die Abfindungen das nächste Mal ja sogar sparen. Handelsblatt (Paywall)

Commerzbank bangt um Großkredit: Das Institut sei mit einer dreistelligen Millionensumme beim Krisenkonzern Steinhoff engagiert, berichtet das „Manager Magazin“. Bei der Gelbbank wird allerdings betont, dass man an der Risikovorsorge von rund 800 Mio. Euro festhalte. MM, dpa-afx

Immer noch fast eine Milliarde NPLs bei Europas Banken: … aber immerhin, der konjunkturelle Aufschwung hinterlässt dann doch seine Spuren. So ist der Anteil fauler Kredite in den Bilanzen zuletzt um einen Punkt auf 4,6 Prozent gesunken (bei den Banken hierzulande sind es übrigens 2,3 Prozent). Reuters , Börsen-Zeitung

Deutsche-Bank-Ankeraktionär räumt Liquiditätsengpass erstmals offen ein: Er sei aber überzeugt, dass sein Unternehmen weiterhin das Vertrauen der Kreditgeber genieße, sagte HNA-Chef Chen Feng zu „Reuters“. FAZ, Reuters

Achtungserfolge für Paydirekt: Der Paypal-Klon der deutschen Banken hat den Weltbild-Verlag und Mobilcom-Debitel als neue Kunden gewonnen. Zudem hat sich die Zahl der öffentlichen Kunden (also Städte, Landkreise etc.pp.) 2017 knapp vervierfacht, allerdings auch von einem sehr bescheidenen Niveau aus: Börsen-Zeitung (Paywall), Onlinehändler-News

Was hinter der iranischen Milliardenklage gegen die Deutsche-Börse-Tochter steckt: Ist das ernst zu nehmen, wenn die Mullahs 4,9 Mrd. Dollar von Cleastream wollen? Die „Wirtschaftswoche“ klärt auf: Wiwo

Wenn Kleinbanken mit Einlagen überschwemmt werden: Die Volksbank Westmünsterland hatte eigentlich damit gerechnet, dass die Depositen um 3,4 Prozent zurückgehen würden – stattdessen sind sie im vergangenen Jahr um 5,0 Prozent gestiegen. Wird im Zuge der Veröffentlichungen der 2017er-Zahlen spannend zu sehen sein, ob andere VR-Banken (und Sparkassen) vor dem gleichen Problem stehen. Börsen-Zeitung (Paywall)

Kreditech würdigt Verdienste von Griemens: Das Hamburger Groß-Fintech hat den Abgang seines Finanzchefs gestern auch noch mal per PM verkündet – und dabei dessen „äußerst erfolgreiche“ Arbeit betont. So sei die Bewertung seit Griemens‘ Eintritt ins Unternehmen von 11 Mio. Euro auf „weit über 300 Mio. Euro“ gestiegen. Im Umfeld des Finanz-Startups heißt es: Dass der Abgang in derselben Woche öffentlich wurde, in der Kreditech seine (verlustreichen) 2016-Zahlen im Bundesanzeiger publizierte, sei Zufall gewesen. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Pressemitteilung (englische Fassung)

Edelberater investieren in Kölner Fintech: Das Finanz-Startup Entrafin, das KMUs deren Einkäufe vorfinanziert, hat ein siebenstelliges Funding eingeworben. Unter den Investoren sind neben dem Altinvestor DVH Ventures auch Bernd Rolfes, Stefan Kirmße und Patrick Tegeder von der Bankenberatung ZEB. Gründerszene

Beyond .de

Bitcoin-Geldbörsen-Startup Ledger sammelt 75 Mio. Dollar ein: … und zwar richtiges Geld von richtigen Investoren in einer richtigen Finanzierungsrunde. Das ist nicht nur eine Ansage, sondern angeblich auch das bislang höchte Krypto-Fintech-Funding überhaupt, wenn man mal alles, was unter „ICO“ fällt, außen vorlässt (und weil Ledger, ganz nebenbei bemerkt, ein französisches Unternehmen ist, dürfte es sich zugleich – behaupten wir jetzt einfach mal ganz leger – um die bislang größte Serie-B-Finanzierung eines Fintechs in Mitteleuropa handeln) . TechCrunch

Lesetipps

Wer die große Frankfurt-Brexit-Reportage im jüngsten „Spiegel“ noch nicht gelesen hat … kann das jetzt bei „Spiegel-Online“ mit 2-3 Klicks nachholen. Kostet 39 Cent, was für die Geschichte nun wirklich mal kleines Geld ist. Spiegel-Online (Paywallchen)

Wir selber sind diese Woche – ehrlich gesagt – in den einschlägigen Medien, Blogs und Portalen auf eher wenige Geschichten gestoßen, die wir wirklich lesenswert fanden … aber falls Sie uns nicht trauen (und das sollten Sie nie tun), dann gleichen Sie unsere karge Auswahl doch einfach mal mit der „Was wir lesen“-Linkliste  des DZ-Innovationsblogs ab. Vielleicht finden Sie da noch was, was am Samstag um 16.15 Uhr zur Halbzeitlektüre auf dem Smartphone taugt. DZ-Innovationsblog

Aus der Szene

Als Medium für Verbraucherfragen hat sich „Finanz-Szene.de“ bislang noch nicht hervorgetan – dabei sind doch auch Banker beschützenswerte Wesen! Das gilt vor allem für jene deutschen Banker, die mal in London gearbeitet haben und nun wegen des Brexits so ein  bisserl um damals erworbene Pensionsansprüche fürchten. Genau solche Banker (die sich via Linkedin leicht ausfindig machen lassen) erhielten zuletzt Avancen einer britischen Firma, die Unterstützung in der Pensions-Causa anbot. Zu den Betroffenen gehört auch „Leser H.“, der bei einer bekannten hiesigen Bank in exponierter Position arbeitet. Sein dringender Rat: Nicht drauf eingehen.

Klickfavorit

… war gestern unser Stück zu Kreditech. Finanz-Szene.de