Newsletter 19/09/17: Outbank-Analyse, Deutsche-Bank-Krimi, Bitcoin-Clash

So schlimm ist die deutsche Bankenkrise wirklich

Die Bundesbank hat gestern die 2016er-Zahlen zur Ertragslage der deutschen Banken veröffentlicht. Was sind die wesentlichen Erkenntnisse? 1.) Die operativen Erträge sind zwar minimal auf 128,1 Mrd. Euro gestiegen, bereinigt um Einmaleffekte (vor allem: mehrere Milliarden durch die Neubewertung von Pensionsverpflichtungen) sähe das Ganze aber sehr viel schlechter aus. 2.) Bei den Sparkassen, die wir hier mal pars pro toto nehmen, ist der Zinsüberschuss erstmals seit Beginn der „Zinskrise“ unter 23 Mrd. Euro gesunken. Heißt: Der Einbruch der Zinserträge lässt sich nicht länger durch die Steigerung des Kreditvolumens und geringere Zinsaufwendungen kompensieren. 3.) Der Provisionsüberschuss – auf den ja jetzt alle setzen – ist über alle Banken hinweg nicht etwa gestiegen, sondern von 30,5 auf 29,8 Mrd. Euro gefallen. Autsch!

Monatsbericht (PDF), Börsenzeitung (Paywall)

News

Bundesbank erteilt Blockchain ihren Segen: Die neue Technologie könne für mehr Transparenz und mehr Sicherheit sorgen, urteilen die Notenbanker in ihrem Monatsbericht. Für ein Allheilmittel halten sie die Blockkette allerdings nicht. Bundesbank

Was ist die Wahrheit in Sachen Kontowechsel? Keine Woche ohne neue Studie zu dem Thema. Laut Verbraucherzentralen haben nur zwei Prozent aller deutschen Bankkunden in den vergangenen zwölf Monaten ihr Konto gewechselt (während andere Umfragen auf deutlich höhere Werte kommen). Wenn irgendjemand da draußen weiß, wie man die Zahlen faktenbasiert statt umfragebasiert ermitteln kann – wir wären extremst interessiert. Handelsblatt

„Jeder Typ, den ich kenne, will jetzt einen ICO machen“: Dieses Zitat stammt … naaa? Vom Präsidenten des Bundesverbands Blockchain. Kann man schöner ausdrücken, dass es da draußen vielleicht doch gaaaanz zarte Tendenzen einer Krypto-Blase gibt? Gründerszene

Bis zu 40 Millionen Euro Bonus für Kengeter? Im (aus Sicht des Deutsche-Börse-Chefs) günstigsten Fall gibt sein Vertrag das offenbar her. Darum plant der Aufsichtsrat die Vergütung nun neu zu regeln. Manager Magazin

Analyse – Das delikateste deutsche Fintech

Eine neue Chefin, ein nur halb ausgeschiedener Gründer – und zwei Investoren mit Promi-Faktor: Die Konstellation beim Multibanking-Fintech Outbank ist durchaus delikat. Aus Anlass des Flirts mit der Quirin-Bank (wir berichteten exklusiv) eine Skizze der Gemengelage in fünf Punkten. Finanz-Szene.de

Lesetipps

Auf den Spuren des größten Deutsche-Bank-Aktionärs: Die „Süddeutsche Zeitung“ räumt für den mysteriösen chinesischen Investor HNA heute ihre komplette Seite 3 frei. Und verspricht einen „Krimi“. Süddeutsche

Wie die „Konsumerisierung“ das Edel-Banking erreicht: Der digital geprägte Endkunde verlangt die besten Produkte zum billigsten Preis. Diesem Trend müssen sich auch die Vermögensverwalter stellen, erläutern Prof. Dr. Ernst Mohr und Robert Ruttmann vom Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen. NZZ

Die versteckte Gefahr des Smartphone-Bankings: Sind Spareinlagen weniger anfällig für einen Bank-Run, als es Wholesale-Funding ist? In Zeiten von Online- und Mobile-Konten (und Cyber-Crime …) nicht wirklich, urteilt die Financial Times (Paywall).

So will Amsterdam Frankfurt Konkurrenz machen: Im Rennen um die Brexit-Banker setzt die niederländische Finanzmetropole unter anderem auf ihre internationalen Schulen und die (angeblich!!!) höhere Lebensqualität. efinancialcareers

Der Bitcoin-Clash

Drohen Sie in Sachen Krypto auch den Überblick zu verlieren? Hier eine kurze Zusammenfassung der turbulenten letzten Tage: Nachdem JP-Morgan-Chef Dimon angekündigt hatte, jeden Händler rauszuwerfen, den er beim Bitcoin-Handel erwischt, behaupten die renommierten Blogger von Zerohedge, dass JP Morgan genau das tue – nämlich mit Bitcoins handeln +++ In China hat jetzt auch die zweite große Bitcoin-Börse auf Druck der Behörden dichtgemacht, weitere dürften folgen +++  Die Bitcoin-Community schießt aus allen virtuellen Rohren gegen den JP-Morgan-Chef +++ Viel spannender allerdings: Zwei der wichtigsten Bitcoin-Protagonisten, nämlich Fintech-Guru Chris Skinner und Ex-UBS-CIO Oliver Bussmann, geben es sich bei Twitter inzwischen auch untereinander +++ Und was sagen die Aufseher zu all dem? Die BIZ (so etwas wie die Zentralbank der Zentralbanken) mahnt, den Bitcoin nicht länger zu ignorieren

Hintergrund Deutsche Bank

Vorstand und Aufsichtsrat des größten deutschen Geldhauses befinden sich seit gestern Früh (und auch heute noch) in Klausur. Es geht, mal wieder – um die Strategie. Nun ist newsmäßig von dem Treffen zwar nicht arg viel zu erwarten, zumal die Vizechefs Sewing und Schenck am Wochenende via „Welt“-Interview ja schon die Richtung vorgegeben haben (Heimat, Heimat, Heimat). Trotzdem wollen wir den Anlass nutzen, um Sie in Sachen Deutsche-Bank-Strategie auf den neuesten Stand zu bringen.

  • „Die Heimatgetriebenen“: „Capital“ erläuterte kürzlich, warum die Heimat-Strategie der Deutschen Bank, wenn auch aus der Not geboren, so doch nicht ohne Ratio ist. Das Kalkül: Der Profit Pool im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft betrage summa summarum rund 20 Mrd. Euro (netto). Wenn es der Deutschen Bank gelinge, sich daraus ein sattes Stück abzuschneiden, sei schon viel gewonnen. Capital
  • Frankfurt statt London: Was genau hat eigentlich Marcus Schenck, der oberste Chef des Investmentbankings, mit „seinem“ Teil der Instituts vor? Grob gesagt sollen das Corporate Banking (und damit Frankfurt) wichtiger, der Handel (und damit London) weniger wichtig werden, analysiert „Bloomberg“. Kurzfassung, Langfassung
  • Fast alles hängt am IPO: Das Asset Management (mit der DWS) soll möglichst schon 2018 an die Börse, deutete Spartenchef Nicolas Moreau jüngst im „Handelsblatt“ an. Warum der IPO – jedenfalls gemessen am erhofften Erlös – allerdings kein Selbstgänger wird, analysierte unlängst das „Manager Magazin“.
  • Und hinterm Horizont? Bei aller ja auch manchmal rituellen Kritik an der Deutschen Bank: Das Sparprogramm „Horizon“, das unter anderem die Schließung von rund 200 Stellen vorsah, ist weitgehend abgeschlossen (und das mehr oder weniger geräuschfrei). Im operativen Geschäft hingegen gehe kaum etwas voran, schreibt die „Wirtschaftswoche“.

Klickfavorit

… war am Freitag unsere Reportage über die „neue Finanz-Community“. Davon abgesehen klafften die Interessen zwischen „Fintech-Lesern“ und „Banking-Lesern“ allerdings deutlich auseinander. Während die strebsamen Startup-Jungs (und -Mädels) auch das eher kleinteilige Interview mit dem Fino-Chef begierig lasen, klickte die Fressgass-Fraktion lieber auf den „Wurstsemmel-Banker“. Um ehrlich zu sein, liebe Banker: So wird das mit Euch nicht gut enden. Man kann nicht immer nur den Trash lesen.

Back-End

„Vergessen Sie mir Hamburg nicht“: Mit kaum verhohlener Jubelgeste hatten wir vergangene Woche berichtet, dass Frankfurt im „Global Financial Centres Index“ einen Sprung von Platz 23 auf Rang 11 gemacht hat. Einer unserer Lieblingsleser, nämlich Bernd Lüthje, Ex-Chef der NRW Bank (hier sein Wikipedia-Eintrag), machte uns allerdings darauf aufmerksam, dass wir eine mindestens ebenso wichtige News verpasst haben: Erstmals überhaupt taucht nämlich auch Hamburg in dem Ranking auf, und zwar auf Platz 67. „Immerhin vor Rom“, mailt uns Herr Lüthje, der – by the way – am 26. September in seiner Geburtsststadt Hamburg seinen 78. Geburtstag feiert.

In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser: Falls auch Sie einen namhaften Banker kennen, der sich für die FAZ noch deutlich zu jung fühlt – empfehlen Sie uns immer gerne weiter! (hier der Link zur kostenlosen Anmeldung)