Newsletter 20/12/17: Paypal kapert das deutsche Retail-Banking, HNA in Not, Filialsterben

Paypal steigt mit klassischen Sparprodukten ins deutsche Retail-Banking ein

Wann steigt Paypal ins klassische Bankgeschäft ein – und wie? Seit Jahren wird über diese Frage diskutiert und spekuliert, nun gibt es die Antwort. Denn: Der US-Payment-Riese hat ganz offensichtlich vor, mithilfe des Berliner Fintechs Raisin („Weltsparen.de“) demnächst in Deutschland, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern Tages- und Festgelder anzubieten. Explizit bestätigen wollte Raisin-Gründer Tamaz Georgadze dies gestern im Gespräch mit„Finanz-Szene.de“ zwar noch nicht. Allerdings verriet er, dass Paypal kürzlich als Investor bei Raisin eingestiegen sein. Zudem sagte Georgadze kaum verklausuliert: “Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit PayPal.“ Das Ziel seines Unternehmens sei es nun, „unsere Produkte für Hunderte Millionen Europäer zugänglicher zu machen.“ Lesen Sie hier die ganze Geschichte – und warum die Kooperation eine Zäsur für das europäische Retail-Banking bedeuten könnte:

Finanz-Szene.de

News

Die Bonitätsprobleme des Deutsche-Bank-Ankeraktionärs werden immer offenkundiger: Zum dritten Mal in diesem Monat hat eine HNA-Tochterfirma kurzfristig eine geplante Emission von Schuldpapieren abgesagt, berichtet „Bloomberg“. Müssen die Chinesen, um wieder liquide zu werden, ihren zehnprozentigen DBank-Anteil verkaufen?, fragt die „Börsen-Zeitung“ – und gibt selber die Antwort: Das Szenario sei zwar nicht auszuschließen, aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Denn im Zweifel werde HNA erst einmal andere Assets abstoßen. Bloomberg, Börsen-Zeitung (Paywall), Manager Magazin

Kritik an europäischer Abwicklungsbehörde: Das „Single Resolution Board“ sei „nicht ausreichend auf die Wahrnehmung seiner Aufgaben vorbereitet“, heißt es in einem Sonderbericht des europäischen Rechnungshofs – wohlgemerkt nur einen Tag, nachdem der Vertrag von Chefabwicklerin Elke König um fünf Jahre verlängert wurde. Reuters, Handelsblatt (Paywall), Börsen-Zeitung (Paywall)

Dombret plädiert für „Lex Förderbanken“: Institute wie die NRW.Bank, die L-Bank oder die Landwirtschaftliche Rentenbank (Jepp, liebe Fintech-Nerds, es gibt eine „Landwirtschaftliche Rentenbank“ da draußen, hättet Ihr nicht gedacht, oder?) sollen von den Eigenkapitalvorgaben der CRD/CRR-Dingens ausgenommen werden, fordert der Bundesbank-Vize. Zur Einordnung: Die KfW hat diesen Sonderstatus eh schon. Börsen-Zeitung (Paywall)

Beyond .de

Wo soll das nur hinführen … wenn die Krypto-Fintechs jetzt sogar Banklizenzen beantragen? In der Schweiz ist genau das gestern passiert. Darüber hinaus gab Crypto Finance eine Finanzierung über immerhin 16 Mrd. Franken bekannt. Finews.ch

US-Behörde sieht Mängel im Goldman-Sachs-Testament: Auch drei weitere Banken sollen bei ihren Plänen zur Notfall-Abwicklung nachbessern. Handelsblatt

Lesetipps

Jenseits des Hypes: Wie der Bitcoin eines Tages doch zu einem weltweit anerkannten Zahlungsmittel werden könnte. Paymentandbanking

Von Jahr zu Jahr weniger Pünktchen: In der Schweiz hat in den vergangenen 15 Jahren jede fünfte Bankfiliale geschlossen. Die Kollegen der „Handelszeitung“ haben das Phänomen in einer animierten Grafik sehr eindrücklich aufbereitet. Handelszeitung

Karriere

Warum deutsche Trader nicht vom Brexit profitieren: … erklären die Karriereexperten von „efinancialcareers“

Klickfavorit

… war gestern unsere exklusive Analyse zu den Gewinnen von Sparkassen und Volksbanken über die vergangenen 50 Jahre. Finanz-Szene.de

Sie lesen „Finanz-Szene.de“ wieder am …

Liebe Leserinnen und Leser, machen wir uns nichts vor – das Jahr ist rum, wie es rummer kaum sein könnte. Ohne die „Paypal-Nummer“ wäre unser Newsletter ja schon heute gähnend leer gewesen, und auch auf die Gefahr hin, dass wir uns kolossal täuschen: Spätestens morgen wird es nichts mehr zu berichten geben, außer der 26. Wiederholung der immergleichen Bitcoin-Analyse. (und, entre nous: Die 2-3 Geschichten, an denen wir selber in aller Bescheidenheit werkeln, sind erstens noch nicht ausrecherchiert und werden zweitens hoffentlich auch im neuen Jahr noch frisch sein). Drum, kurz und knapp: Danke an die rund 150 Leser, die uns vom Start weg (man schrieb den 15. August) die Treue halten. Danke an die rund 2500 Leser, die seitdem hinzugekommen sind. Und der allergrößte Dank an die Teilzeit-Lektorin, die wir im richtigen Leben „Mama“ nennen und die von der Finanzbranche längst so viel versteht, dass sie aus „10 Mio. Euro gefunded“ nicht mehr „10 Mio. Euro gefunden“ macht.

Schönes Fest, guten Rutsch! Wir werden versuchen, am 9. Januar wieder da zu sein, selbst wenn wir bis dahin noch immer nicht gefunden haben.

Heinz-Roger Dohms