Newsletter 20/10/17: Wuschiges Frankfurt, Digital-Sparpläne der Coba, Fidor-Bank

Ein Tweet macht halb Frankfurt wuschig

Es war bloß ein Tweet – aber es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie die Frankfurt-Main-Finance-Leute gestern Nachmittag ihre Laptops umarmt und ihre Smartphones geküsst haben, als sie sahen, was Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein da mit dem Hashtag #Brexit in die Welt gezwitschtert hatte: „Ich verlasse gerade Frankfurt. Tolle Meetings, tolles Wetter, hat mir sehr gefallen hier. Das ist gut, denn ich werde künftig sehr viel mehr Zeit hier verbringen.“ Nun will „Finanz-Szene.de“ nicht gleich den erstbesten Tweet zum Anlass nehmen, um mit fliegenden Fahnen aus dem Lager der Brexit-Skeptiker in das der Euphoriker überzulaufen. Aber festgehalten sei: 1.) Einer der beiden Goldman-Deutschland-Chefs hat bis zu 600 neue Goldmänner angekündigt. 2.) Goldman hat rund 10.000 qm Bürofläche im Marienturm angemietet. Und jetzt, 3.), dieser Tweet! Soll all das nur Teil einer perfiden Strategie sein, um den Druck auf die britische Regierung zu erhöhen? Perfide? Goldman? Never ever!

Manager Magazin, Bloomberg

Exklusiv: So teuer ging die Fidor-Bank weg

Der Verkauf der Fidor-Bank an das französische Großinstitut BPCE wurde vergangenes Jahr als „Ritterschlag“ für den deutschen Fintech-Sektor gefeiert. Eine nicht ganz unwichtige Frage blieb dabei allerdings unbeantwortet: Wie viel Geld haben die Franzosen eigentlich für die Münchner Fintech-Bank bezahlt. Auf Basis der Bilanzen beider Institute glaubt „Finanz-Szene.de“ den Kaufpreis nun einigermaßen genau ermittelt zu haben. Vorweg: Es war kein phänomenaler Exit, aber doch ein beachtlicher: Finanz-Szene.de

News

Wie die ohnehin kargen Bankgewinne endgültig zerrinnen: Ein gestern bekannt gewordenes Schiffsfonds-Urteil könnte für die Commerzbank teure Folgen haben. Laut FAZ drohen Schadensersatzzahlungen von bis zu 56 Mio. Euro. Nun sei mal dahingestellt, ob diese Zahl wirklich realistisch ist, oder ob Anlegeranwälte die Summe bloß geschickt in die Welt gesetzt haben – als Eindruck bleibt jedenfalls zurück: Kaum macht die Coba mal einen kleinen Windfall-Profit (wegen der BNP-Ratenkredit-Kiste), wird ein Teil des Geldes auch schon wieder weggeweht.

Exklusiv – Berliner Unicorn mischt bei Münchner Inkubator mit: Wir haben noch eine kleine, aber feine Randnotiz zu unserem gestrigen Scoop über den neuen Fintech-Company -Builder im Angebot. Denn: Offensichtlich ist an Finconomy in nicht unerheblichem Umfang (mehr als 10 Prozent der Anteile) auch der Berliner Hypothekenvermittler Hypoport beteiligt. Merke: In der Fintech-Szene macht irgendwie jeder mit jedem rum.

Noch’n Verband: Einen Bundesverband Bitcoin gab es schon vorher, nun gibt es zusätzlich einen Blockchain-Bundesverband. Und wie es sich gehört: Ein zünftiges Positionspapier haben die fleißigen Ledger-Lobbyisten auch schon verfasst. Fehlen nur noch ein „Bundesverband PSD2“ und ein „Bundesverband B2B2C-Fintechs mit eigener Sektion beim BdB“ . BTC-Echo, Positionspapier

Commerzbank spart an der Zukunft: Das „Handelsblatt“ schließt sich kollegialerweise unserer Lieblingsthese an, dass bei der Coba in Sachen Digitalisierung vielleicht doch nicht alles soooo superduper läuft. Wegen mauer Erträge im dritten Quartal seien nun sogar mehrere Digitalprojekte auf Eis gelegt worden. Handelsblatt (Paywall)

Pumpt die Deutsche Bank wirklich Geld in Rockets Gutschein-Startup Global Savings? Es fällt zwar schwer zu glauben – aber genau so berichtet es das Gründerportal der „Wirtschaftswoche“. Demnach sind in das Münchner Startup nochmals 19 Mio. Euro geflossen, davon neun Millionen Euro als Kredit von der DBank (der Rest ist EK und kommt u.a. von Holtzbrinck Ventures). Nicht unspannend ist übrigens auch, was „Gründerszene“ derweil über eine Tochter von Global Savings in Erfahrung gebracht hat (drittletzter Absatz). Wiwo, Gründerszene 

Beyond .de

Britische Fintechs boomen trotz Brexits: Seit Jahresbeginn sind bereits umgerechnet eine Mrd. Dollar in britische Finanz-Startups geflossen, hat Pitch Book (normalerweise nicht die schlechteste Quelle) ermittelt – das sei doppelt so viel wie zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Finextra

Lesetipps:

Warum Bankprodukte nicht mehr kostenlos sind: Es sind nicht nur die niedrigen Zinsen, die die Banken zwingen, ihre Services mit Gebühren zu versehen – sondern auch die Fintechs, argumentiert Chris Skinner. Warum? Weil die Startups sich der lukrativen Teile des Retailbankings (Kreditgeschäft, Zahlungsverkehr) bemächtigen – und die Banken mit den weniger lukrativen zurücklassen. The American Banker

Wollen die wirklich nur spielen? Einstieg bei der Coba, Teilausstieg bei der Bawag, Interesse an der HSH – der US-Finanzinvestor Cerberus mischt kräftig mit im europäischen Bankenmonopoly. Doch was sind die Ziele des Höllenhunds? Das „Manager Magazin“ hat die Firma in New York besucht. Manager Magazin (Paywall)

So tickt der neue Marketingchef der Deutschen Bank: Tim Alexander ist der Mann hinter der „Neue Zeit braucht neues Banking“-Kampagne. Im Interview mit dem Branchenblatt „Horizont“ erklärt er, warum die Blaubank neuerdings auf eine feste Leadagentur verzichtet. Horizont

Auch deutsche VCs machen jetzt auf Krypto: Laut „Manager Magazin“ haben sich erste Berliner Risikokapitalgeber an ICOs (sprich: Krypto-Börsengängen) beteiligt. Weitere wollen angeblich folgen. Manager Magazin

Und falls Ihnen das alles immer noch zu dünne Suppe ist … dann haben wir wie immer freitags noch den Hinweis auf die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Bank-Innovationsblogs.

Klickfavorit

… war am Donnerstag unser Exklusiv-Stück über den neuen Fintech-Inkubator. Finanz-Szene.de

Back-End

Lieber Lloyd Blankfein, bevor Sie Frankfurt endgültig verfallen, wollen wir Sie fairerweise noch auf dieses Sittengemälde hier aufmerksam machen. Denn merke: Nicht einmal in FFM scheint die Sonne immer.

In diesem Sinne: Wenn nichts dazwischenkommt, sind wir am Dienstag um 6 Uhr wieder für Sie da. Schönes Wochenende, bleiben Sie uns gewogen.

Heinz-Roger Dohms