Newsletter 21/09/17: Fintech-Trends, Unicredit/Commerzbank, Holvi

Die Europäisierung der Fintech-Branche

Es ist bloß eine kleine Nachricht – aber sie könnte für einen hochinteressanten Trend stehen: Das Berliner Finanz-Startup Raisin („Weltsparen.de“) hat den britischen Konkurrenten PBF Solutions übernommen. Denkt man da nicht gleich an ein anderes Hauptstadt-Fintech, nämlich SumUp? Der Kartenlese-Spezialist hatte jüngst verkündet, nach Skandinavien zu expandieren, obwohl dort mit iZettle bereits ein mächtiger Konkurrent wartet. Umgekehrt (siehe unsere Exklusiv-News weiter unten) macht sich hierzulande jetzt die finnische Freelancer-Bank Holvi breit und heizt damit dem deutschen Platzhirsch Kontist ein. Dazu passt, dass der „Country Manager DACH“ des britischen N26-Pendants Revolut diese Woche fröhlich rumzwitscherte, man sei „growing like crazy in Germany“. Wenn nicht alles täuscht, dann hat die Europäisierung der Fintech-Branche so richtig Fahrt aufgenommen. Es heißt jetzt nicht mehr nur Startups gegen Banken. Sondern Fintechs gegen Fintechs.

Finanz-Szene.de (Analyse), Handelsblatt/Gründerszene (News)

Will Unicredit die Commerzbank kaufen?

Es wird nicht heute und nicht morgen passieren – aber vielleicht in ein bis zwei Jahren? Wie „Reuters“  einigermaßen glaubhaft berichtet, haben Vertreter der Unicredit in Berlin wegen eines möglichen Zusammenschlusses mit der Commerzbank vorgefühlt (womit dann hierzulande neben der Deutschen Bank eine „Deutsche Superbank“ aus HVB und Coba entstünde). Dass das Ganze nicht wirklich akut sein kann, erkennt man schon daran, dass der Großaktionär Bund erstmal einen neuen CEO wählt, bevor überhaupt irgendwas geht. Und: Wenn die Bundesregierung wirklich nicht unter 18 Euro verkaufen will, wie das „Handelsblatt“ heute Früh schreibt – dann hat der Aktienkurs auch noch ein paar Meter zurückzulegen. Gestern, immerhin, stiegen die Coba-Anteile getrieben durch den „Reuters“-Scoop aber schon mal um 2,41 Prozent auf 10,84 Euro. Reuters/Handelsblatt, Aktienkurs

News

Frankfurts Chancen auf EBA-Ansiedlung schwinden: Die Pläne für eine Fusion der drei europäischen Finanzaufsichtsbehörden sind vom Tisch. Damit geht wohl auch das Kalkül der Bundesregierung nicht auf, die Londoner Bankenaufsicht EBA mit der ohnehin schon in Frankfurt ansässigen Versicherungsaufsicht Eiopa zusammenzulegen. Andere EBA-Kandidaten hätten nun bessere Chancen, urteilt die FAZ.

Neue Zweifel an Deutsche-Bank-Großaktionär: Diesmal geht es um einen HNA-Deal in der Schweiz – und um ein paar Fragen, die eine eidgenössische Behörde in diesem Zusammenhang hat … Süddeutsche

Paydirekt bekommt Konkurrenz: Der Benelux-Zahlungsdienstleister Payconiq will nach Deutschland expandieren. Pikant: Zu den Gesellschaftern gehört die niederländische ING Groep, deren Tochter ING Diba bei Paydirekt engagiert ist (und die gestern explizit erklärte, dies entgegen anders lautender Gerüchte auch bleiben zu wollen). Börsenzeitung (Paywall)

Edelkunden fliehen aus Flossbachs Parade-Fonds: Die eigene VV-Klientel genießt beim Kölner Fondshaus Vorzugsbehandlung (keine Performance-Fee, geringere Grundgebühren). Trotzdem – so hat „Fondsprofessionell“ recherchiert – kehren ausgerechnet diese Kunden dem zwölf Mrd. Euro schweren „FvS Multiple Opportunities“ den Rücken. Fondsprofessionell

Exklusiv – Finnen-Fintech Holvi attackiert Kontist: Die Freelancer-Bank baut ihr kleines Berliner Büro zu einer veritablen Deutschland-Dependance aus, verrät CEO Suominen gegenüber Finanz-Szene.de.

Online-Makler Getsafe kooperiert mit Munich Re: Das Heidelberger Insurtech will vom Münchner Dax-Konzern Versicherungslizenzen „mieten“ und auf diesem Wege künftig auch eigene Policen anbieten. Gründerszene

Lesetipps

Frankfurts verzweifelter Kampf um die Fintechs: Die Bankenstadt hat den Startup-Boom lange verschlafen, schreibt SZ-Redakteur Jan Willmroth – ist es jetzt womöglich schon zu spät? Sueddeutsche

Wo sollen die 10% RoE denn herkommen? Die Deutsche Bank hat kein hochprofitables heimisches Retailgeschäft (wie z.B. Barclays), sie hat kein prosperierendes Wealth Management (wie z.B. die Credit Suisse) – dafür aber ist sie ausgerechnet da groß, wo die Renditen momentan für alle Banken klein sind (sprich: im FICC-Bereich). Breakingviews

Geht Inkasso auch ohne einzuschüchtern? Die Branche müsse „weg von der Drohkulisse“, sagt Stephan Stricker, Chef des Geldeintreib-Fintechs Pair Finance. Dank moderner Verhaltensforschung, künstlicher Intelligenz und Big Data sei es heutzutage möglich, den Kunden viel individueller (und offenbar auch netter) anzusprechen als früher. Motto: „Hey, hast Du Deine Rechnung noch nicht bezahlt?“ Handelsblatt

Beyond .de

Das ist gestern Abend bei der Fed-Sitzung rumgekommen: Im Oktober beginnt  der Ausstieg aus QE (der sich über rund zwei Jahre erstrecken soll), im Dezember folgt (vermutlich) die nächste Zinserhöhung. Also alles wie erwartet. FAZ

Nächster Payment-Milliardendeal in Europa? Der Schweizer Börsenkonzern SIX lotet nach „Reuters“-Informationen die Abspaltung seines Kartenzahl-Geschäfts aus. Potenzieller Erlös: Bis zu zwei Mrd. Franken. Handelsblatt

Zweite russische Großbank bettelt um Hilfe: Nach der Otkritie (das siebtgrößte Institut des Landes) will nun auch die B&N Bank (das zwölftgrößte Institut des Landes) auf den staatlichen Notfallfonds zugreifen. Dräut die nächste russische Bankenkrise? Das hätte gerade noch gefehlt. Reuters

Geht die Bawag schon im Oktober an die Börse? Die Entscheidung über einen IPO der österreichischen Großbank (die mithilfe ihres Haupteigners Cerberus ja auch in Deutschland ordentlich wildert) soll unmittelbar bevorstehen. Kurier

Karriere

Acht Tipps, wie Sie einen Brexit-Bank-Job bekommen: 1.) Bewerben Sie sich auf Englisch, aber bitte gemäß deutschen Formalien. 2.) Bringen Sie wegen der sog. Social-Media-Auffindbarkeit irgendwie das Wort „Frankfurt“ in Ihrem Linkedin-Profil unter (selbst wenn Sie eigentlich in, sagen wir, Düsseldorf arbeiten). Und die sechs anderen Tipps? Lesen Sie hier: efinancialcareers

Klickfavorit

Sollten gestern Früh bei einer bekannten Berliner Smartphonk-Bank die Server zusammengebrochen sein – nostra culpa. Die Verlinkung des Lebenslaufs des neuen Chief Technology Officers von N26 wurde nämlich geklickt wie Bolle. Eine verrückte (aber offenbar komplett reale) Vorstellung ist das: Wie so ein gestandener Frankfurter Hinterzimmer-Banker morgens beim Frühstück nichts Besseres zu tun hat, als auf seinem Smartphone die Vita eines 35-jährigen britisch-australischen Technerds namens Patrick Kua zu durchstöbern. N26-Pressemitteilung als PDF