Newsletter 21/11/17: Warburgs fetter Deal, Eba-Frust, Amazon bremst deutsche Banken aus

Exklusiv: Hamburger Privatbank Warburg trennt sich von ihrem kompletten Luxemburg-Geschäft

Großer Kehraus in Hamburg: Die Privatbank M.M. Warburg trennt sich laut Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und „Fondsprofessionell“ von ihrem kompletten Luxemburg-Geschäft – und damit von einem ihrer lediglich zwei ausländischen Standorte. Konkret geht es bei dem Verkauf um die Kapitalverwaltungsgesellschaft Warburg Invest Luxembourg sowie um die auf Depot-Administration spezialisierte Bank M.M. Warburg & Co. Luxembourg. Ein Warburg-Sprecher bestätigte gestern Abend gegenüber „Finanz-Szene.de“ und „Fondsprofessionell“ die Verkaufspläne – und auch, dass das Vorhaben schon weit fortgeschritten ist. Man prüfe momentan einen Verkauf der beiden Luxemburger Töchter „an eine amerikanische Investorengruppe, die die guten Perspektiven für das weitere Wachstum der Gesellschaften erkannt hat“. Hier lesen Sie alle Details:

Finanz-Szene.de, Fondsprofessionell

Bankenbehörde Eba kommt nicht nach Frankfurt – sondern geht nach Paris

Am Sonntag keimte nochmal Hoffnung auf – denn da hieß es plötzlich in Medienberichten, Frankfurt sei nun doch der Favorit bei der  Wahl für den künftigen Standort der EU-Bankenbehörde Eba. In Wirklichkeit war dann alles ganz anders: Bei der geheimen Abstimmung im EU-Ministerrat schied Frankfurt gestern Abend bereits im zweiten Wahldurchgang aus. Stattdessen kam es zum Showdown zwischen Paris und Dublin, den die Franzosen – nachdem es in der dritten Runde zu einem Gleichstand gekommen war – schließlich per Los für sich entschieden (aus irischer Sicht übrigens fast so bitter wie Thierry Henrys berühmtes Handtor in der WM-Quali 2009). Eine der Fragen, die sich nun stellen: Was ist mit den 10.000 neuen Bankenjobs, die Frankfurt im Zuge des Brexits bekommen sollte? Denn: Dass die Eba nach FFM kommt, war eine der drei Prämissen, auf denen die diesbezügliche Prognose der Finanzplatz-Lobby Main Finance explizit beruhte. FAZ

Amazon bremst Alexa-Pläne der deutschen Banken (und speziell der Sparkassen) aus

Voice-Banking als besonders hippe Form des Mobile-Banking – das ist die große Zukunftsvision der deutschen Bankenbranche. Nun haben diese Ambitionen allerdings einen herben Rückschlag erlitten. Denn nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat Amazon in den vergangenen Tagen gegenüber mehreren Instituten durchblicken lassen, vorerst keinen entsprechenden „Banking Skill“ auf seiner Sprachassistenz-Plattform Alexa zuzulassen. Dies sei mit rechtlichen Problemen aufgrund der Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 begründet worden, sagte am Wochenende eine mit den Vorgängen vertraute Person gegenüber „Finanz-Szene.de“. Aus Bankenkreisen wurden die Informationen gestern bestätigt. Das „Handelsblatt“ hatte in seiner gestrigen Ausgabe als erstes über Probleme der Banken mit Amazon berichtet. Finanz-Szene.de, Handelsblatt (Paywall)

News

Deutsche-Bank-Ankeraktionär in Liquiditätsnot? Um den China-Investor HNA steht es offenbar noch schlimmer als befürchtet. Wie „Reuters“ gestern Abend meldet, tut sich der Hauptaktionär des größten deutschen Geldhauses schwer, einen umgerechnet 380 Mio. Euro schweren Kredit (für ein Grundstück in Hongkong) fristgerecht zurückzuzahlen. HB/Reuters

Blankfeins Zückerchen für Frankfurt: Goldman Sachs möchte nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU gleich zwei neue Hauptsitze in Europa einrichten – nämlich einen in FFM und einen in Paris. Reuters

PR-Offensive der Deutschen Börse: Rund 20 Banken haben sich dem neuen (Post-Brexit-)Clearing-Modell bereits angeschlossen, hat der Frankfurter Börsenbetreiber gestern mitgeteilt. Reuters, FT (Paywall), Handelsblatt (Paywall)

Es gibt ein Leben nach dem Fintech-C-Level-Dasein: Nachdem Sebastian Diemer (Ex-Kreditech-Chef) ohnehin stets auf die Füße fällt, Christoph Samwer (Ex-Lendico-Chef) bei Baloise angeheuert hat, Nelson Holzner (Ex-Billpay-Chef) es zumindest für sechs Monate bei Diebold-Nixdorf aushielt, Christine Kiefer (Ex-Pair-Finance-Geschäftsführerin) jetzt eine „Fintech-Lady“ ist, die Commerzbank Herrn Dr. Dominik Steinkühler (noch ein Ex-Lendico-Chef) Unterschlupf gewährte und sich für Georg Schardt (Ex-Sofort-Chef) dieser Tage bei Heidelpay eine Anschlussverwendung auftat … hat sich nun auch ein warmes Plätzchen für Ex-Savedo-COO Björn Jüngerkes gefunden. Er firmiert seit gestern offiziell als „Head of Digital Business“ bei der Dr. Peters GmbH & Co. KG, einer Dortmunder Spezialfirma für Sachwert-Investments. Hört sich jetzt nicht soooo spannend an – andererseits: Wer weiß, was uns erwartet, wenn „Finanz-Szene.de“ eines traurigen Tages die Biege macht? Pressemitteilung

Beyond .de

Bitcoin steuert auf 10.000 Dollar zu: Welches Schlaumeier-Medium war das eigentlich, das neulich den großen Krypto-Crash vorausgesagt hat? Nun ja, der Bitcoin hat gestern jedenfalls wieder mal ein neues Rekordhoch erreicht. Manager Magazin

Lesetipps

Einmal SAP und zurück: Vorstandschef Harald Vogelsang erläutert, warum die Hamburger Sparkasse 2019 (reumütig?) zur Finanz-Informatik zurückkehrt. Der Bank-Blog

Heute fällt der Startschuss für Instant Payment: … und die SZ erklärt, warum sich der neue Standard erst langsam etabliert. Süddeutsche

Nicht jeder ICO ist Betrug: Sorry, so drückt sich Dirk Elsner, der Innovationschef der DZ Bank, natürlich nicht aus. Er hat stattdessen ein Plädoyer „für einen offenen Umgang mit dieser neuen Form der Unternehmensfinanzierung“ verfasst. Capital

Fingerübungen: Der Blogger Hansjörg Leichsenring hat fünf Beispiele für den Einsatz von Biometrie in Banking und Payment aufgetan. Der Bank-Blog

Der Banker, der zu viel wusste: Ein Sittengemälde der russischen Finanzindustrie – mit besonderem Fokus auf die Rolle, die Geldwäsche darin spielt. Bloomberg

Falls Sie in Sachen Robo Adviser à jour sein wollen: … dann lesen Sie doch einfach den neuesten Marktüberblick bei Investabel

Karriere

Sieben Tipps, wie Sie als Frankfurter Banker auch in Zeiten vermeintlicher Einstellungs-Stopps … einen lukrativen neuen Job finden. efinancialcareers

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

… dieser Newsletter nicht nur pointiert ist, sondern immer auch Sichtweisen liefert, die in der breiteren Finanzberichterstattung nicht gesehen werden.“

Robert Haselsteiner, Co-CEO HW Capital und Gründer von Interhyp

(Hinweis: In dieser und den nächsten vier Wochen erklärt täglich ein Leser, warum er „Finanz-Szene.de“ liest. Die Serie ist auf 20 Ausgaben begrenzt)