Newsletter 22/09/17: Fintech in den Dax?, Exporo, Staatsanwälte bei Berenberg

Wie die Welt auf die deutschen Banken blickt

Welch traurige Perspektive den deutschen Banken beschieden ist, können Sie hier und anderswo fast jeden Tag lesen. Doch sind die Aussichten eigentlich wirklich sooo katastrophal? Nur mal blöd gefragt: Wieso erwirbt Cerberus fünf Prozent an der Commerzbank? Weshalb schnappt sich dieselbe (derselbe?) Cerberus via Bawag die Südwestbank? Warum kauft sich Apollo im Nordwesten der Republik still und leise eine Regionalbank zusammen? Und hat es wirklich nur mit Verzweiflung zu tun, wenn die Deutsche Bank gegenüber angelsächsischen Investoren urplötzlich das „Deutsche“ betont? Eines fiel gestern jedenfalls auf: Die englischen Leitmedien nehmen das Szenario einer Commerzbank-Übernahme im Schnitt deutlich ernster als die deutschen. „Es gibt [mit Blick auf den deutschen Bankenmarkt] gute Gründe für die Annahme, dass das Glas nicht halbleer, sondern halbvoll ist“, schrieben die Lex-Kolumnisten der „Financial Times“. Und der „Reuters“-Ableger Breakingviews urteilte fast gleichlautend: „Es gibt gute Gründe, warum andere Institute [die Commerzbank] momentan attraktiv finden.“ Die Investoren übrigens sahen das (zumindest gestern) ähnlich: Die Commerzbank-Aktie stieg um weitere 3,5 Prozent.

Lex-Kolumne (Paywall), Breakingviews, Aktienkurs

Exklusiv: Kommt bald das erste Fintech in den Dax?

Der bayerische Payment-Dienstleister Wirecard klopft jetzt tatsächlich an die Tür zum Dax, zeigt eine Analyse von Finanz-Szene.de. Hintergrund: Um in die oberste deutsche Börsenliga zu kommen, müssen Unternehmen zwei notwendige Kriterien erfüllen, nämlich sowohl beim Market Cap (es zählt nur der Streubesitz) als auch beim Handelsumsatz zu den Top-35 gehören. In der einen Kategorie liegt Wirecard inzwischen auf Platz 33, in der anderen auf Platz 36. Viel fehlt also nicht mehr. Zwei Probleme allerdings bleiben: Es gibt mit ProSieben Sat.1 momentan nur einen möglichen Abstiegskandidaten – wohl aber noch zwei weitere Aufstiegskandidaten. Lesen Sie hier unsere komplette Analyse: Finanz-Szene.de

News

Ermittlungen gegen Berenberg-Mitarbeiter: Wird bei der letzten deutschen Gel-Banker-Bank immer nur gehobelt, oder fallen auch mal Späne? Jedenfalls: Laut „Wirtschaftswoche“ ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen mindestens einen Mitarbeiter wegen „des Verdachts auf einen heimlichen Beteiligungsaufbau“. Konkret gehe es um die Aktien des TecDax-Unternehmens Pfeiffer Vacuum. Laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft wurden auch Büroräume durchsucht. (Hinweis: Falls Sie noch im Halbschlaf sind und sich jetzt gerade fragen, ob Berenberg nicht die Bank ist, deren Chef auch Chef des Bankenverbands ist … Ja, genau um die Bank geht es). Handelsblatt, Abendblatt

Exklusiv: „Das ist ein Warnzeichen für alle Plattformen“: Nach der ersten Pleite im Crowd-Immobilienmarkt nimmt Simon Brunke, Chef des Marktführer Exporo, die eigene Branche in die Pflicht. Und er stellt klar: Die bislang üblichen Nachrangstrukturen sind nicht alternativlos. Finanz-Szene.de

Und noch mehr Commerzbank: Wie die „Wirtschaftswoche“ erfahren haben will, könnte der Bund sehr viel früher aus der Coba aussteigen als allgemein angenommen. Dabei werde in Berlin aus politischen Gründen (von wegen Bankenunion, deutsch-französische Achse und so …) ein Zusammenschluss mit der BNP Paribas favorisiert. Wirtschaftswoche

Kann’s bei der Deutschen Bank überhaupt keiner? Glaubt man dem „Manager Magazin“, dann zweifeln die Großaktionäre nicht nur an CEO John Cryan, sondern auch an dessen Stellvertretern Marcus Schenck und Christian Sewing. Zitat eines Investors: „Die Schonfrist läuft ab. Es ist viel wahrscheinlicher, dass der nächste CEO von außen kommt.“ Manager Magazin

Lex Kengeter mal anders: Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hat wie erwartet einen Gehaltsdeckel für die Vorstände beschlossen. Er liegt bei 9,5 Mio. Euro. Handelsblatt

Ösi-Investor piesackt weiter die Commerzbank: Der aktivistische Fonds Petrus Advisers will seinen Anteil an der Comdirect aufstocken. „Wir werden Aktien zukaufen und auch die fünf Prozent überschreiten“, sagte der österreichische Petrus-Mitgründer Klaus Umek der „Wirtschaftswoche“. Handelsblatt

Lesetipps

Die großen Pläne unseres Sparkassen-Gates: Erinnern Sie sich noch an unsere kleine Geschichte neulich über den „deutschen Bill Gates“, der in den 90er-Jahren mal gemeinsame Sachen mit den Sparkassen machte? Ufff, was waren wir da wieder, ohne es auch nur zu ahnen, ahead of the curve. Denn: Der gute Mann ist Titelgeschichte des neuen „Manager Magazins“. Die Überschrift der Online-Kurzfassung lautet: „Das deutsche Start-up, das die Welt erobern will – und es vielleicht sogar schafft.“ Manager Magazin

Wochenend-Lektüre für Fintech-Streber: Offiziell firmiert Dirk Elsner als „Senior Manager Innovation und Digitalisierung der DZ Bank“. Er reißt uns aber bestimmt nicht den Kopf ab, wenn wir ihn stattdessen von heute an unter dem Titel „Senior Lecturer Fintech-Volkshochschule Germany“ führen. Hier finden Sie seine ultimate Must-Read-Liste für diese Woche: DZ-Bank Innovationsblog

Goodbye, London: Die Geschichte eines sehr erfolgreichen deutschen Fintech-Unternehmers, der sagt, wegen des Brexits müsse er jetzt London verlassen (und zwar wirklich), lesen Sie hier: Süddeutsche

Sie haben genug von der Commerzbank? Wir noch nicht. Hier noch rasch der Überblick „Diese Banken könnten bei der Coba einsteigen“. Manager Magazin

Klickfavorit

… war gestern die kleine Geschichte über die Mittelabflüsse bei unser aller Flossbach von Storch. Fondsprofessionell

In dem Sinne: Wir versuchen, am Dienstag wieder für Sie da zu sein. Bleiben Sie uns gewogen, sagen Sie Ihren Bürokollegen, dass es Finanz-Szene.de gibt, schönes Wochenende!,

Heinz-Roger Dohms