Newsletter 24/01/18: Robo-Preiskampf, Wie digital ist der Kunde?, Deutsche-Bank-Boni

Beginnt jetzt der Preiskampf der Robo-Adviser?

Der Robo-Trend der letzten Monate schien eindeutig: Wie schaffe ich es, meine digitale Vermögensverwaltung mit irgendeinem (zumindest gefühlten) Mehrwert zu versehen, um mich a) von der Konkurrenz abzuheben und b) einen Preisaufschlag zu rechtfertigen? Genau diesen Weg geht die Commerzbank, die an einem Hybridmodell werkelt. Diesen Weg geht die Deutsche Bank, deren Digital-Vordenker Markus Pertlwieser sagt: „Wenn wir als Deutsche Bank mit einem digitalen Vermögensverwalter an den Markt gehen, müssen wir mehr bieten als andere.“ Und diesen Weg geht auch ein Anbieter wie Werthstein, dessen Robo-Advisor so menschlich ist, dass man sich fragt, was daran überhaupt noch „robo“ ist. Jedenfalls: Völlig gegen diesen Trend positioniert sich nun die Berliner Quirin-Bank. Die hat nämlich gestern angekündigt, ihren eh schon nicht so wahnsinnig teuren Anlageroboter „Quirion“ nochmals zu verbilligen – die Gesamtkosten sollen von 0,88% auf 0,73% sinken. Gut möglich, dass damit nun der nächste Trend eingeläutet wird. Denn verwundern würde es nicht,  wenn einzelne Robo-Anbieter im verzweifelten Bemühem um Distinktion nun zur großen Rabattschlacht ansetzen.

Fondsprofessionell 

News

Kehrtwende beim EU-Einlagenschutz: Interims-Finanzminister Peter Altmaier hält es für denkbar, dass der Einstieg in die Vergemeinschaftung der Einlagensicherung bis Juni beschlossene Sache ist – auch wenn es danach noch viele Jahre dauern soll, bis das Vorhaben finalisiert wird (und das auch nur, falls die Risiken in den Bankbilanzen bis dahin deutlich reduziert werden). „Das deutsche ‚Nein‘ wird zum ‚Ja, aber‘, urteilen die FAZ-Kollegen. FAZ (Print, Seite 15), Börsen-Zeitung

Controlling-Vorstand? Bei einem Wohnungskonzern???  Helene von Roeder, Deutschland-Chefin der Credit Suisse und eine der bekanntesten Bankerinnen hierzulande, wechselt zu Vonovia, um dort oberste Controllerin zu werden. Nun ist Vonovia immerhin Dax-30. Aber trotzdem: Kann es sein, dass die Auslandsbanken auch nicht mehr das sind, was sie mal waren (okay, abgesehen von der BNP Paribas)? Ingrid Hengster: Gab 2013 den Chefsessel bei der RBS auf, um einfacher Vorstand bei der KfW zu werden. Ihr Nachfolger Joachim von Schorlemer: Wechselte bald darauf als einfacher Vorstand zur ING Diba. Vielleicht täte der Auslandsbanken-Verband tatsächlich gut daran, sich demnächst dem BdB anzuschließen. Reuters, Handelsblatt (Print)

Wirecard wird schon wieder attackiert: Diesmal ist es eine selbsternannte Research-Firma namens „Southern Investigative Reporting Foundation“, die die Aktie des bayerischen Zahlungsdienstleisters absacken lässt – wenn auch „nur“ um 12 Prozent und nur vorübergehend (bei Handelsschluss notierten die Papiere noch knapp vier Prozent im Minus). Worum es in dem angeblichen Analysten-Report geht? Darum, dass bei Wirecards großem Indien-Deal 2015 nur ein Teil der Kaufsumme beim Verkäufer angekommen sein soll. „Die Darstellung ist falsch und entbehrt jeglicher Substanz“, erklärte laut „Reuters“ eine Wirecard-Sprecherin. Alles so wie immer also. Manager Magazin

Das ist doch mal ein hübsches Bündnis: Das schillernde Hamburger Fintech Naga beteiligt sich am Paläo-Robo-Advisor Easyfolio. Wer jetzt „Hä, wieso das denn?“ denkt, dem helfen wir gern auf die Sprünge: Hinter Easyfolio steht die sogenannte Privatbank Hauck & Aufhäuser, hinter der wiederum die Chinesen von Fosun stehen, die auch an Naga beteiligt sind. So einfach? So einfach. Und, ach ja: Irgendwie soll der Deal natürlich auch mit der Blockchain und mit „State-of-the-Art-Technologie“ generell zu tun haben. Ad-hoc-Mitteilung

HSBC Deutschland will die DWP Bank endgültig hinter sich lassen: Die Übernahme der Wertpapierabwicklung  für die Commerzbank soll nur der Anfang gewesen sein. Weitere Mandate  würden folgen, kündigte Jochen Medler-Ulff, Chef der HSBC Transaction Services GmbH, laut „BÖZ“ in einem Pressegespräch an. Zurzeit kommen die Deutschbriten hierzulande auf 55 Millionen abgewickelte Transaktionen. Mit dem Coba-Geschäft werden es dann schon fast 100 Millionen sein. Börsen-Zeitung

Verschiebt die Deutsche Bank die Boni-Bekanntgabe? Das zumindest spekulieren die Kollegen von „efinancialcareers“ und berufen sich auf das, was „Headhunter“ und „Mitarbeiter“ hinter „vorgehaltener Hand“ angeblich erzählen. efinancialcareers

Beyond .de

JP Morgan zahlt’s Trump heim: Als Konsequenz aus der US-Steuerreform hat die New Yorker Großbank Investitionen von rund 20 Mrd. Dollar sowie die Schaffung von rund 4000 Arbeitsplätzen angekündigt (natürlich beides im Heimatmarkt – wo sonst?). Manager Magazin

Wäre so etwas eigentlich auch in Frankfurt denkbar? Die Geschichte, wie ein hochrangiger Barclays-Banker einem Topjuristen des eigenen Hauses (der ein verstecktes Tonbandgerät mitlaufen lässt) bei einem Drink erzählt, dass er ein für die Bank wichtiges Dokument vernichtet hat. Bloomberg

Lesetipps

Digitalisierung? Ja, aber sensibel: Eine Bank hat wenig davon, wenn sie vor lauter Modernisierung die eigenen Kunden abhängt, meint der Chef der SWK Bank. Der Bank-Blog

Warum es den Commerzbankern in der Schweiz … deutlich besser geht als den Commerzbankern hierzulande. Finews

Wie und mit wem Paypal Ihre Daten teilt: … hat die Bloggerin Rebecca Ricks auf Basis offizieller Unternehmensangaben grafisch nachgezeichnet. rebecca-ricks.com

Karriere

Aus Reutlingen zu Goldman Sachs: Erstaunlich viele Frankfurter Investmentbanker entstammten der „European School of Business (ESB)“, bei der es sich streng genommen nur um die (Fach-)Hochschule Reutlingen handelt. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern unsere Exklusivmeldung zu Figo. Finanz-Szene.de