Newsletter 25/08/17: IKB-Verkauf, Jens Spahn, Fintechs in den BdB

ABN Amro greift nach der IKB

Wird der US-Investor Lone Star die Düsseldorfer IKB zehn Jahre nach deren Implosion endlich los? Wie „Bloomberg“ gestern Abend berichtete, kommt in den Bieterprozess jedenfalls ordentlich Bewegung. Zu den Interessenten gehört demnach (abgesehen von den üblichen „Chinesen“) auch die niederländische ABN Amro – welche ja ihrerseits in der Finanzkrise ordentlich zerzaust worden war, aber seit 2015 wieder an der Börse notiert. Laut „Bloomberg“ scheint ein Kaufpreis von rund 300 Millionen Euro realistisch. Das wären 0,3 bis 0,4 Prozent des Buchwerts. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank wird an der Börse momentan mit 0,4, die Commerzbank mit 0,5 bewertet.

Bloomberg 

News

Fintech-Beauftragter Spahn investiert in Semi-Fintech: … und was noch lustiger ist: Bei dem Semi-Fintech handelt es sich um ein Startup für Steuersoftware (während Jens Spahn ja auch als Finanz-Staatssekretär firmiert). Put your money where your mouth is. Endlich hält sich mal jemand dran. n-tv

Bankenverband nimmt Fintechs auf: Offenbar haben sich die beiden Seiten jetzt lange genug beschnuppert. Wie BDB-Vizegeschäftsführer Krautscheid gestern ankündigte, wird demnächst eine zweistellige Zahl von Fintechs Mitglied des Lobbyverbands der privaten Banken. Dazu passt auch die Meldung, dass nach Scalable und Liqid nun schon der dritte Robo-Advisor dem Verband unabhängiger Vermögensverwalter beitritt – nämlich Investify. Finanztreff, Fondsprofessionell

LBBW will 20.000 bis 30.000 Euro für ihr Research verlangen: Das zumindest berichtet „Bloomberg“. Die Stuttgarter Landesbank selbst spricht weniger konkret von einem „niedrigen fünfstelligen Betrag“ für ein jährliches Basispaket. Kürzlich hatte es bereits geheißen, dass die UBS 40.000 Euro aufrufen will (Hintergrund: kostenloses Research soll es unter Mifid II nicht mehr geben). Welt (LBBW), Bloomberg (UBS)

Helaba mit weniger Gewinn: Alles nicht so einfach in zinslosen Zeiten. Der Vorsteuergewinn der hessischen Landesbank ist im ersten Halbjahr um 14,7 Prozent auf 238 Millionen Euro gesunken. Auch der Ausblick fürs Gesamtjahr fällt eher mau aus. Handelsblatt, Financial Times (Paid)

Deka mehr oder weniger siehe Helaba: Der Fondsdienstleister der Sparkassen freut sich zwar, dass das Geschäft mit Sparplänen und Zertifikaten floriert – kommt gewinnmäßig allerdings auch nicht so richtig vom Fleck. Zudem: Die Deka gibt ihre Banklizenz in Luxemburg auf. Wirtschaftswoche, Börsenzeitung (Paid)

Lesenswert

… ist höchstwahrscheinlich das neue „Manager Magazin“. Denn die Kollegen titeln – gefühlt auch nicht zum ersten Mal – mit dem Ehepaar Achleitner. Die These diesmal: „Zwi­schen dem Stan­ding des Power­paa­res und sei­ner Er­folgs­bi­lanz klafft mehr als nur eine Lü­cke.“ (ein Hinweis an die echten Fintech-Nerds unter unseren Abonnenten: Paul Achleitner ist Aufsichtsratschef einer größeren Frankfurter Bank.) Manager Magazin Editorial

Aus der Szene

Herrlich – die großkopferten Kollegen geben es sich mal so richtig: Tim Bartz, Frankfurt-Korrespondent des „Manager Magazins“, wirft Claus Döring (Chefredakteur der „Börsenzeitung“) und Holger Steltzner (Herausgeber des FAZ-Wirtschaftsteils) „Finanzplatz-Fanatismus“ vor. Hintergrund: Döring und Steltzner finden nicht viel Verwerfliches am umstrittenen Aktiendeal von Börsenchef Kengeter und – so jedenfalls der Vorwurf von Bartz – argumentieren dabei nicht zuletzt stadträsonistisch. Motto: Muss das Thema ausgerechnet jetzt so ausgewalzt werden, wo Frankfurt im Zuge des Brexits doch endlich so richtig, richtig groß rauskommt? Manager Magazin, Börsenzeitung, FAZ

Klickfavorit

… unserer Leser war gestern das Porträt über die beiden Gründer des Milliarden-Fintechs Stripe. Manager Magazin

Back-End

Um ehrlich zu sein: Von den immer kurioseren Schätzungen, wie viele Jobs im Zuge des Brexits nach Frankfurt kommen, können wir gar nicht genug kriegen. Die neueste Zahl, die kursiert (und die wie gefühlt irgendwie alle Zahlen zum Thema aus einer von Frankfurt Main Finance beauftragten Studie herrührt) lautet: 88.000. Wie man darauf kommt? Indem man davon ausgeht, dass 10.000 Brexit-Banker nach FFM übersiedeln und jeder neben seinem eigenen irgendwie noch 7,8 zusätzliche Jobs schafft (scheint vom Konzept her so was ähnliches wie die Umwegrentabilität zu sein). Denkt man das Ganze konsequent zu Ende, dürfte in London freilich demnächst niemand mehr arbeiten.

In diesem Sinne, vor dem ersten Brexit-Banker kommt der nächste Newsletter, und zwar am Dienstag, schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms