Newsletter 25/10/2017: Meine Bank stirbt, Geheimdeal von N26, DBank steigt bei Fintech ein

Wenn die eigene Bank stirbt

Von Heinz-Roger Dohms. Irgendwann musste die Nachricht kommen – und dieser Tage kam sie nun: Meine Hausbank, die Spadaka Hoengen e.G., gibt im 123. Jahr ihres Bestehens die Eigenständigkeit auf und flüchtet sich in eine Fusion. Mit anderen Worten, das große Bankensterben, das von der EZB gestern in einer europaweiten Studie beschrieben wurde, erwischt mich nun auch selber, zumal ich nicht nur Kunde bin, sondern auch ein paar Anteile an der Spadaka besitze. Unter dem Titel „Meine Bank ist krank“ hatte ich vor zweieinhalb in der „Zeit“ die Geschichte der Spadaka Hoengen erzählt. Schon damals schien der Exitus unausweichlich, denn schon damals erwirtschaftete das Institut nur noch einen Jahresüberschuss im mittleren fünfstelligen Bereich. Die Vorstände hofften zwar auf ein Wunder – ahnten aber vermutlich selber, dass dieses nicht eintreten würde. Stattdessen stiegen die Kosten immer weiter. Das Zinsergebnis ging peu à peu zurück. Und am Ende sank auch noch der Provisionsüberschuss. Wer die Schuld trägt? Das würde zu weit führen. Ein paar kritische Fragen an den genossenschaftlichen Bankenverband BVR hätte ich als kleiner Genosse aber doch. (siehe Kommentar weiter unten).

News

Exklusiv – N26 stärkt sich für US-Expansion: Nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ hat die Berliner Fintech-Bank kurz vor dem gestern verkündeten Markteintritt in die USA eine – allerdings überschaubare – Kapitalerhöhung durchgeführt. Laut Handelsregister wurden die Anteile von einem auf Guernsey ansässigen Investmentvehikel namens HS Investments gezeichnet. Ganz grob geschätzt dürfte die Finanzierung ein Volumen in mittlerer einstelliger Millionenhöhe haben.

Deutsche Bank steigt bei Dwins ein: Galt nicht irgendwann mal die Losung, die DBank investiere nicht direkt in Fintechs? Na – vermutlich trügt uns da nur mal wieder die Erinnerung. Denn: Nach dem Einstieg beim Forderungsmarktplatz Trust Bills (das war irgendwann im Frühjahr) hat sich der Branchenführer nun mit 25 Prozent am digitalen Finanzplaner Dwins beteiligt. Kennengelernt hatte man sich letztes Jahr übrigens beim Deutsche-Bank-Hackathon. Fast eine Love-Story. Handelsblatt (Paywall)

BdB-Präsident drängt den Geschäftsführer raus: Eine kleine Anekdote aus der vergangenen Woche: Während die „Mifid II“-Schelte von BdB-Präsident Peters („Monsterwerk an Regulierung“) öffentlich verpuffte, schaffte es BDB-Geschäftsführer Kemmer zwei Tage später mit seiner „Mifid II“-Kritik („eine Milliarde Kosten“) bis in die „Financial Times“. Waren es solche Vorgänge, die letztlich dazu führten, dass Kemmer demnächst nicht mehr BdB-Geschäftsführer sein wird? Fakt jedenfalls ist: Der Bankenverband hat gestern überraschend das vorzeitige Ausscheiden Kemmers zum Jahresende verkündet. Und glaubt man der „Süddeutschen“ und dem „Handelsblatt“, dann war es Peters höchstselbst, der genau darauf hingewirkt hat – weil ihm der Geschäftsführer „zu selbstbewusst“ geworden sei, wie SZ-Redakteur Harald Freiberger schreibt. Und offenbar auch zu medial präsent. Das „HB“ zitiert einen Insider wie folgt: „Da haben sich zwei nicht verstanden, und das ist das Ergebnis.“ Süddeutsche, Handelsblatt (Print)

Commerzbank wappnet sich für Übernahme-Szenario: … und heuert hierfür als Berater Goldman Sachs und Rothschild an. Spektakulär war übrigens, was mit der Coba-Aktie passiert ist, nachdem die Meldung gestern rauskam. FAZ, Financial Times (Paywall), Aktienkurs

Wenn die Digitalisierung unterbleibt, dann …: Die Alleswisser von McKinsey haben sich mal wieder mit einer ganz großen Lupe vor eine noch größere Glaskugel gestellt – und herausgefunden, dass die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Banken bis 2025 auf 5,2 Prozent (und zwar exakt!) sinken könnte, falls die Branche im Digitalisierungswettlauf nicht bald Fahrt aufnimmt. Handelsblatt (Paywall)

Beyond .de

Kleiner Bank-Run bei der Caixabank: Die Katalonien-Krise habe  “moderat negative” Auswirkungen auf die Einlagen gehabt, sagt der Chef der drittgrößten spanischen Bank (die ihren Sitz bislang in Barcelona hatte). Wie groß der Abfluss genau war, bleibt unklar. Reuters

EU zieht Trennbanken-Gesetz zurück: Hä, Trennbanken? Ach ja, da war mal was. Mangels Realisierungchancen lässt Brüssel die Pläne nun allerdings in der Schublade verschwinden. Bloomberg

Lesetipps

Das Fintech, das zu hoch hinaus wollte: Der amerikanische Marketplace-Lender Sofi hat laut „FT“ konkrete Übernahmeverhandlungen mit dem Vermögensverwalter Charles Schwab geführt. Dem war jedoch der aufgerufene Preis zu saftig – angeblich 8 bis 10 Mrd. Dollar. Techcrunch, Financial Times (Paywall)

Was der Geldautomat sonst noch alles kann: Bis gestern dachten wir, der Geldautomat als solcher habe seinen entwicklungsgeschichtlichen Finalzustand bereits erreicht. Doch weit gefehlt, lehrt uns der Bank-Blog.

Karriere:

Wieviel SIE verdienen, wenn Sie in die Private-Equity-Branche wechseln: Laut „efinancialcareers“ kann ein Analyst bei der deutschen Dependance einer internationalen Beteiligungsgesellschaft bis zu 100.000 Euro machen. Als Associate seien bis zu 150.000 Euro drin, als Senior Associate bis zu 300.000 Euro und so weiter … Wer bei einem deutschen PE-Fonds anheuere, müsse sich jeweils mit 10 bis 30 Prozent weniger zufriedengeben (wobei das alles seeeehr grobe Näherungswerte zu sein scheinen). efinancialcareers

Kommentar

Allein 2016 gab es hierzulande 49 (!) genossenschaftliche Bankenfusionen. Und wie findet der BVR das? Kurz gesagt: Beim Thema „Konsolidierung“ hat der scheidende BVR-Präsident Uwe Fröhlich jahrelang die defensivstmögliche Positionierung gewählt. Verbandspolitisch mag das opportun gewesen sein. Wer sagt den eigenen Mitgliedern schon gern, dass sie sich mal bitteschön ein paar Gedanken über ihre Existenzberechtigung machen sollen? Von Führungsstärke zeugte dieses Verhalten allerdings nicht. Um beim oben erwähnten Beispiel der Spadaka Hoengen zu bleiben: Vor 6-7 Jahren hätte solch eine Bank aus einer Position der Stärke heraus fusionieren können; vor 3-4 Jahren immerhin noch aus einer Position der lediglich relativen Schwäche. Doch nun? Muss sie die Details des geplanten Zusammenschlusses vom Sterbebett aus verhandeln. Und Uwe Fröhlich? Hat nächste Woche beim BVR seinen offiziell letzten Arbeitstag. Er steigt demnächst zum Chef der DZ Bank auf.    

Klickfavorit

… war gestern die EZB-Studie über das Banken-Sterben in Europa. EZB-Studie (PDF)