Newsletter 26/01/18: Ist die DWS wirklich IPO-reif?, Goldman/Coba, Der 80-Mrd.-Schatz

Ist die DWS tatsächlich reif für einen IPO?

Wenn es das Ziel der Deutschen-Bank-PR ist, alle 48 Stunden eine positive News zu platzieren – dann darf dieses Sollziel für den gestrigen Tag als erfüllt gelten. Denn da vermeldeten verschiedene Medien, dass die DWS (sprich: der Asset Manager der Blaubank) pünktlich zum geplanten Börsengang wieder kräftig Kundengelder eingesammelt habe. Doch stimmt das wirklich? Naja, zumindest verdient die Präsentation, die den Meldungen zugrunde liegt, einen zweiten Blick. Denn dann erkennt man (Seite 81), dass die Zuflüsse in 2017 ein gutes Stück hinter denen aus 2014 und 2015 zurückgeblieben sind (und bei weitem nicht ausreichten, um die Abflüsse aus 2016 zu egalisieren). Und wenn man dann auf Seite 89/90 scrollt, sieht man, dass die Kosten zwischen 9M16 und 9M17 eher nicht gesunken sind, und das bei einer Cost-Income-Ratio von 68. Zum Vergleich: Der börsennotierte französische Konkurrent Amundi, dessen Aktie übrigens neulich von einem Deutsche-Bank-Analysten  downgegraded wurde, kam zuletzt auf eine CIR von 48. Und dann noch ein Lektüretipp: Mitte Januar hat das Research der Deutschen Bank einen Großreport herumgeschickt, der sich „13 Tipping points in 2018“ nennt. Lesen Sie da mal die Seiten 52-55, die sich dem Thema „Asset Manager“ widmen. Klingt gar nicht gut.

Finanz-Szene.de (Dokumentation der wichtigste Aussagen der „Tipping-Point-Studie“); „13 Tipping points in 2018“; „DWS Company Presentation“

News

Goldman Sachs greift nach ETF-Sparte der Commerzbank: „Wir glauben, dass es vermutlich bessere Eigentümer für diese Einheit gibt“ – mit diesen Worten stellte Coba-Chef Martin Zielke vor gut einem Jahr die „Equity Markets & Commodities“-Sparte zum Verkauf (abgesehen vom Comstage genannten ETF-Bereich zählt auch das Geschäft mit Aktienderivaten und Zertifikaten dazu). Laut „Handelsblatt“ rückt der angestrebte Deal nun näher. Zu den Interessenten gehören demnach Goldman, die Société Générale und Barclays. Handelsblatt (Paywall)

Deutsche Bank sieht sich für (siehe oben) die DWS nach Übernahme-Kandidaten in London um: Das berichtet heute Morgen zumindest die „Börsen-Zeitung“. Demnach geht es darum, die Lücke, die auf der Insel mit dem Verkauf früherer Aktivitäten an Aberdeen 2005 entstand, so ein bisschen zu schließen. Börsen-Zeitung

Schwere technische Störungen gestern bei der Sparkasse Düsseldorf: … aber bevor Ihnen jetzt vor Schreck das Smartphone in den Kaffee fällt: Ursache war kein Hacker-Angriff, sondern eine „Fehlkonfiguration bei einer zentralen Netzwerkkomponente“. Puh. Rheinische Post, BÖZ (Paywall)

Britischer Finanzminister ätzt gegen FFM: Wenn die Banker aus London abwandern, dann nicht nach Frankfurt, sondern nach New York oder Singapur, meint Schatzkanzler Hammonds. Spiegel Online

Neues vom grundsoliden Deutsche-Bank-Ankeraktionär: Die PR-Politik von HNA scheint es zu sein, alle 48 Stunden ein negative Nachricht zu platzieren. Worum es diesmal ging? Um eine Tochter, deren Konten vorübergehend eingefroren wurden. Bloomberg

Und auch heute wieder was aus der Insurtech-Ecke: Der vor neun Monaten gestartete Digital-Versicherer Friday (der zur Baloise gehört) hat bereits mehr als 15.000 Kfz-Policen verkauft – offenbar auch dank klug gewählter Vertriebskooperationen, etwa mit der Carsharing-Plattform Drivy. Ähnelt der „Borussia Dortmund / Finleap“-Meldung von gestern: Die Fintechs zielen auf den Point of Sale. Procontra Online

Lesetipps

Warum die digitale Geldbörse der Banking-App überlegen ist: Unser Lieblings-Blogger Leopold Bosankic hat sich (in gewohnt ausufernder Manier) mit der Zukunft des mobilen Bezahlens befasst – und kommt, wie immer, zu sehr spannenden Schlussfolgerungen. leobosankic.com

Wieso sich viele Banken immer noch mit dem Online-Vertrieb schwer tun: Der Kunde will sich im Internet nicht nur informieren – er will dort auch kaufen. Auf diese simple Maxime aus dem E-Commerce hat sich die Finanzbranche viel zu spät eingelassen. Der Bank-Blog

„Hört auf, an die Fintech-Revolution zu glauben“: Carolin Neumann und Clas Beese vom „Finletter“ geben Maik Klotz (das ist der Blogger von Paymentandbanking, der dieser Tage eine Art Abgesang auf die Fintech-Branche verfasst hatte  …) ordentlich Kontra. Ihre These: Die Finanz-Startups werden langsam erwachsen – und das ist gut so. Finletter

Wie sich die Schweizer als Krypto-Versteher positionieren: Während anderswo die Politiker und Aufseher vor Gefahren warnen, sagt der eidgenössische Wirtschaftsminister Schneider-Ammann: „Wir wollen die Krypto-Nation sein.“ Der Erfolg gibt ihm offenbar Recht. Denn von den bislang weltweit zehn größten ICOs fanden vier in der Schweiz statt. Financial Times (Paywall)

Der 80-Mrd-Dollar-Schatz: Wenn Sie immer noch keinen Overkill an unglaublich klingenden Krypto-Geschichten verspüren, dann lesen Sie doch einfach mal, was die Kollegen von „Businessweek“ über den XRP-Token von Ripple zu erzählen haben (und was die Banken damit zu tun haben). Businessweek

„Average Return“ geteilt durch „Average Volatility“: Der Comdirect-Manager Hach erklärt, wie der hauseigene Robo Advisor funktioniert. IT-Finanzmagazin

London vs. Aschheim: Der notorisch Wirecard-kritische Dan McCrum vom Alphaville-Blog der „Financial Times“ befasst sich nach längerer Pause mal wieder mit dem bayerischen Payment-Konzern. FT Alphaville (nicht bezahl-, aber anmeldepflichtig)

Und falls Ihnen unsere Lektüre-Auswahl auch diesmal wieder zu mainstreamig ist … dann empfehlen wir Ihnen als Alternative wie immer freitags an dieser Stelle die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Innovationsblogs

Klickfavorit

… war gestern unsere Analyse zur Berenberg-GuV. Finanz-Szene.de