Newsletter 26/09/17: Commerzbank-Debakel, PSD2, Anti-N26-Regulierung?

Exklusiv: Wie die Commerzbank bei der Digitalisierung ihres Firmenkundengeschäfts versagt

Eine personelle Fluktuation wie beim Speed-Dating. Millionenschwere Investitionen, die keinen strategischen Ertrag generieren. Und ein Vorzeige-Projekt, das zum Flop zu werden droht. Recherchen von Finanz-Szene.de zeigen: Die Commerzbank kommt bei der Digitalisierung ihres Firmenkundengeschäfts kaum voran. Wie meinte CEO Martin Zielke doch neulich noch gleich: „Wir sind die disruptive Großbank in Deutschland.“ Die Wirklichkeit sieht ein bisschen anders aus. Lesen Sie unser Trauerspiel in fünf Akten.

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Schwerpunkt Fintech-Regulierung

Kommen jetzt die Anti-N26-Regeln? „Im Vergleich zu traditionellen Bankeinlagen dürften die Einlagen auf Online-Konten von Fintech-Banken volatiler und weniger ’stabil‘ sein.“ So steht es in einem neuen Leitfaden der EZB. Was wollen uns die Aufseher damit sagen? Versuch einer Analyse. Finanz-Szene

Der Lobbyisten-Kampf um PSD2: Im Grundsatz ist die neue Zahlungsrichtlinie nicht mehr aufzuhalten. Um ein wichtiges Detail allerdings wird seit Monaten erbittert gestritten: Müssen die Banken den Fintechs (und sonstigen Drittanbietern) auch den „Screen Scraping“ genannten maschinengesteuerten Zugriff auf die Kontodaten erlauben?  Die FAZ fasst die Auseinandersetzung zusammen. FAZ

News

Atmosphäre der Angst in der EZB? Von wegen Beamtenjob mit üppigen Zulagen: In der Abteilung für Bankenaufsicht herrschten Angst, hoher Arbeitsdruck und eine „toxische Atmosphäre“, beklagt der Betriebsrat in einem Brief an die Chefinnen Nouy und Lautenschläger. Ein Ex-Mitarbeiter wird in der „SZ“ wie folgt zitiert: „Es wird Druck aufgebaut, freiwillig zu gehen.“ Süddeutsche

Nicht mal mehr die Metropol-Filialen sind unantastbar: Die Bankfilialen in den großen Städten galten bislang als wenigstens einigermaßen profitabel (weil: mehr Menschen = mehr Besuchsfrequenz = mehr Umsatz). Nun aber kommt ausgerechnet aus dem reichen München die Kunde, dass die dortige Stadtsparkasse mit 32 (!) ihrer Filialen angeblich kein Geld mehr verdient. 17 davon sollen nun dichtgemacht werden. Süddeutsche

Neues vom grundsoliden Deutsche-Bank-Ankeraktionär: Wer dachte, in Sachen HNA ginge es nicht mehr verrückter – doch, geht es: Die „Financial Times“ berichtet, dass der Schweizer Flughafendienstleister Swissport einem „verbundenen Unternehmen“ wiederholt kurzfristige Finanzierungen in dreistelliger Millionenhöhe zur Verfügung gestellt habe. Dabei handelt es sich angeblich um eine Firma, die wiederum eng mit HNA verknüpft ist. Will man wirklich Boot sein, wenn das der Anker ist? Financial Times (Paywall), Alle HNA-Berichte in der FT (Paywall)

Commerzbank und KfW spielen Blockchain: Die beiden Großbanken haben gemeinsam mit dem Vermögensverwalter Meag eine Geldmarkt-Transaktion per „Distributed-Ledger-Technologie“ simuliert. Wann das Ganze auch in echt funktioniert? In ein paar Jahren soll es soweit sein. Fondsprofessionell

Sparkassen nennen Schwelle für „Light-Regulierung“: Jede Bank, deren Bilanzsumme bei unter 0,5 Prozent des nationalen BIP liegt, sollen von der „Small Banking Box“ profitieren, fordert der DSGV. In Deutschland liefe das auf einen Schwellenwert von 15 Mrd. Euro hinaus. Börsenzeitung (Paywall)

Beyond .de

Der nächste Payment-Hammer: Gibt es eigentlich noch Tage, an denen kein Milliardendeal in der europäischen Payment-Branche verkündet wird? Diesmal: Der dänische Zahlungsdienstleister Nets soll für rund fünf Mrd. Euro an den US-Finanzinvestor Hellman & Friedman gehen. Wem die Konstellation bekannt vorkommt: Auch der deutsche Acquirer Concardis war jüngst von Private-Equity-Firmen übernommen worden. Handelsblatt

Schafft JP Morgan (mal eben) 2500 Jobs in Polen? Eine Bank, ein Land, 2500 neue Arbeitsplätze – das ist mal ’ne Ansage (auch wenn es „nur“ um Middle– und Back-Office-Jobs geht). Da auch andere Großbanken wie die UBS oder die Credit Suisse schon Tausende Jobs gen Polen verlagert haben, könnte dem Land bald ein Bankernotstand drohen, mutmaßt „Finews“. Financial Times (Paywall), Bloomberg, Finews

BBVA gibt es bald zu 92 Prozent mobil: Die spanische Großbank gilt als einer der europäischen Fintech-Vorreiter. Nun behauptet das Institut aus Bilbao, bis Jahresende mehr als 90 Prozent seines Retail-Produktportfolios auch per App anbieten zu können (nachdem es vor drei Jahren erst 16 Prozent gewesen seien). Finextra

Lesetipps

Wie Ex-Deutschbanker die (Fin-)Tech-Welt aufmischen: Der Vision Fund des japanischen Telekomkonzerns Softbank ist nicht nur gigantisch groß – sondern offenbar auch die neue Heimstatt vieler früherer Deutsche-Bank-Händler. Die Research-Spezialisten von CB Insights listen nun auf, in welche (Fin-)Tech-Unternehmen der 93-Mrd.-Dollar-VC-Fonds investiert hat. CB Insights

Aus der Szene

Okay, okay – sich über Finanz-PR zu mokieren, gleicht als Übung bisweilen dem Einrennen einer offenen Tür. Aber: Heute wollen wir uns ja gar nicht mokieren. Sondern bedanken. Denn beinahe hätten wir gemeldet, das börsennotierte Hamburger Fintech Naga AG habe seinen CEO entmachtet. Die Lektüre der Naga-Mitteilung belehrte uns dann jedoch eines Besseren: In Wirklichkeit will man dem armen Mann offenbar bloß die mit dem CEO-Job verbundenen Reisestrapazen ersparen. Naga-Mitteilung

Klickfavorit

… war am Freitag das Stück über den „deutschen Bill Gates“, der einst mit den Sparkassen gemeinsame Sache machte und jetzt mit seinem neuen Startup die Welt erobern will. Manager Magazin