Newsletter 30/11/17: Ist „Robin“ ein Plagiat?, Die Replik des Cringle-Chefs, API ante portas

Hat die Deutsche Bank (ein ganz klein wenig) bei Scalable Capital abgekupfert?

Leser mit krassem Kurzzeitgedächtnis werden sich erinnern: In unserer gestrigen Berichterstattung über den neuen Robo Advisor der Deutschen Bank deuteten wir bereits an, dass das „Robin“ getaufte Angebot beim ersten Durchklicken ein wenig an den Münchner Marktführer Scalable Capital erinnerte. Wie Sie sich vorstellen können, hat uns die Sache keine Ruhe gelassen. Darum haben wir nach streng wissenschaftlichen Kriterien den ersten „Plagiats-Test“ in der Geschichte von „Finanz-Szene.de“ durchgeführt. Die sechs Kategorien lauteten „Anlagestrategie“, „Optische Darstellung“, „Slogan“, „Kundenansprache“, „Pricing“ und „Promi-Faktor“. Dabei kamen wir zu teilweise erstaunlichen Ergebnissen. Lesen Sie hier, wie die Sache ausgegangen ist:

Finanz-Szene.de (ausnahmsweise empfiehlt sich die Lektüre am Desktop, weil man dann die vergleichenden Screenshots besser erkennt)

Lesetipps

Warum Cringle sehr wohl einen Business Case hat: Nachdem wir gestern die Kritik des Fintech-Bloggers Leopold Bosankic an den Geschäftsmodellen der deutschen P2P-Payment-Anbieter verlinkten, kam Malte Klussmann, Chef der Berliner Startups Cringle, unserer Bitte nach, ob er nicht eine kurze Replik verfassen könne. So viel sei vorweggenommen: Aus der kurzen Replik ist eine lange geworden. Finanz-Szene.de

Der richtige Mann für das digitale Zeitalter? Die „Süddeutsche Zeitung“ porträtiert den neuen Sparkassen-Präsidenten – und wirft unter anderem die Frage auf, ob Helmut Schleweis der größten aller Herausforderungen gewachsen sein wird. Sprich: der digitalen. SZ

API ante portas: Weshalb die Deutsche Bank sehr gut daran tut, bei PSD2 nicht nur die gesetzlichen Mindeststandards zu erfüllen. Finletter

12 Dinge, die Kunden im Jahr 2017 von ihrer Bank erwarten dürfen (übrigens auch, wenn es sich dabei um eine eher kleine Bank handelt). Der Bank-Blog

News

Bis zu 150 Mio. Euro (mal ganz grob geschätzt) für Frankfurts IPO-Banker: Siemens will seine Medizintechnik-Tochter Healthineers nun tatsächlich in Bembel-Town an die Börse bringen – und nicht in New York, wie auch mal gemutmaßt worden war. Angesichts eines Volumens von angeblich sechs bis zehn Mrd. Euro (zehn Mrd. Euro wären der größte IPO seit dem seligen Manfred Krug) wartet auf die insgesamt sieben Konsortialbanken ein hübscher Geldregen. Hier, welche Institute dabei sind (fünfter Absatz), und weitere Details: Manager Magazin

Der nächste Coup des Höllenhunds: Nach dem Einstieg bei der Coba und der Deutschen Bank steigt Cerberus nun auch noch … nein, nicht direkt bei Santander ein. Aber: Der US-Finanzinvestor kauft der spanischen Großbank ein Immobilien-Paket im Wert von vier Mrd. Euro ab. Vielleicht muss man in die Strategie von Cerberus ja auch gar nicht immer so viel hineindeuten. Vielleicht ist es ja auch schlicht so, dass die Amerikaner ausgerechnet da Opportunitäten vermuten (spanische Häuser, Frankfurter Geldhäuser), wo das Gros der Investoren sie eher nicht vermutet. Reuters/HB

Was macht Ihr da, liebe deutsche Fondsmanager? Wer dem „Capital“-Kollegen Christian Kirchner nicht auf Twitter folgt (was man freilich tun sollte), der hat dessen Tweet-Storm gestern Vormittag verpasst, in dem es um Liquiditäts-Risiken bei deutschen Investmentfonds ging. Auf den Punkt gebracht (Quelle: der Finanzstabilität-Bericht der Buba) ist es offenbar so, dass immer mehr hiesige Fondsmanager nichts Besseres zu tun haben, als ihr Geld in die Fonds anderer Manager zu stecken (und vice versa, nehmen wir an). Klingt nicht gut. Kirchner-Tweet, Buba-Bericht (PDF)

Zur Abwechslung mal keine Horrornachrichten: Das „Handelsblatt“ erklärt, warum die Neun-Monats-Zahlen von NordLB und HSH Nordbank vergleichsweise okay aussehen. Handelsblatt

Kauft ein No-Name die HSH Nordbank? Laut „Reuters“ sind noch drei Bieter im Rennen, nämlich Apollo, das Konsortium aus Cerberus und  Flowers sowie ebenjener Londoner Finanzinvestor Socrates, dessen Namen bis vor wenigen Wochen noch niemand kannte – und der nun angeblich das interessanteste Angebot vorgelegt hat. Reuters

ETF-Boom bei Deutschlands Direktbanken: Die Zahl der ETF-Sparpläne ist zwischen Januar und Oktober im Vergleich zum Vorjahr um fast 50 Prozent auf 476.000 gestiegen, zeigt eine Auswertung des „Extra-Magazins“. Börsen-Zeitung

Was ist los im Staate Berenberg, nächster Teil: Wie das „Handelsblatt“ heute Früh berichtet, hat der Umbau der Vermögensverwaltung zu einem mittelschweren Exodus geführt. So habe der Ex-Chef der VV, Tindaro Siragusano, mit sieben weiteren Ex-Berenberg-Bankern einen eigenen Vermögensverwalter gegründet, der just heute unter dem Namen 7Orca in Hamburg offiziell an den Start gehen soll (wem die Story bekannt vorkommen sollte: ansatzweise hat das Ganze neulich auch schon bei „Institutional Money“ gestanden). Handelsblatt (Print)

Beyond .de

Polnische Steuerreform belastet Brexit-Banker: … was man aber jetzt, liebe Main-Finance-Leute, vermutlich nicht gleich dahingehend interpretieren sollte, dass JP Morgan, die UBS und Goldman Sachs (die allesamt planen, ihre polnischen Standorte auszuweiten) die entsprechenden Jobs  stattdessen nach Frankfurt verpflanzen. Oder etwa doch? Bloomberg

Beyond Banking

Aktien sind so teuer wie zuletzt vor 117 Jahren: … behauptet zumindest der „Chief Global Equity Strategist“ von Goldman Sachs (wie auch immer er das errechnet haben will). Bloomberg

Ignoriert

Wer bei der Buba-Immobilien-Warnung, die gestern zumindest über manche Websites lief („Rund 15 bis 30 Prozent des Preisanstiegs in den Städten im Jahr 2016 können unsere Modelle nicht erklären“) ein Deja-vu-Erlebnis hatte: Die Zahlen sind tatsächlich nicht frisch, wie man wiederum dem Twitter-Account des Kollegen Kirchner entnehmen kann. Kirchner-Tweet

Karriere:

Zehn Frankfurter M&A-Banker, die jeder kennen sollte, der selber einer werden will: Wir gehen jetzt einfach mal gutgläubig davon aus, dass es sich bei der Liste, die der Kollege von „efinancialcareers“ erstellt hat, nicht um das handelt, was man im Journalismus „Quellenpflege“ nennt. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern unser Scoop über den Robo Advisor der Deutschen Bank. Finanz-Szene.de

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

… dieser Newsletter wie ein morgendlicher Espresso ist: kurz aber so gehaltvoll, dass man den gewissen „Kick“ für den Tag mitnimmt.

Karsten Junge, Partner bei der Frankfurter Beraterfirma Consileon