Newsletter 31/01/18: Für die DBank wird’s ernst, Gebühren-Kamikaze, Scalable bald bei 1 Mrd. €

Exklusiv: Warum Scalable dank der ING Diba bald der erste deutsche Milliarden-Robo sein wird

Die digitale Vermögensverwaltung steht in Deutschland vor dem Ausbruch aus der Nische. Nach Berechnungen von „Finanz-Szene.de“ nähert sich der Marktführer Scalable Capital der 750-Mio.-Euro-Marke und dürfte schon im Frühjahr die Milliardengrenze durchbrechen. Das liegt vor allem an der im September gestarteten Kooperation mit der ING Diba, die ihre Kunden seitdem gezielt an Scalable vermittelt – und im November schon 150 Mio. Euro zu den Scalable-AuMs beigetragen hatte. „Finanz-Szene.de“ hat auf dieser Basis berechnet, dass der Anteil der Oranje-Bank inzwischen bei rund 300 Mio. Euro liegen müsste – womit die ING Diba, nebenbei bemerkt, mittlerweile für mehr als 50 Prozent der neu eingeworbenen Scalable-Assets steht (keine der beiden Firmen wollte Stellung nehmen). Andere Player können damit nur bedingt mithalten. So verfügte die im Mai vergangenen Jahres gestartete Comdirect per 31. Dezember über gut 200 Mio. Euro Robo-AuMs, hat aber etwa an Dynamik verloren. Von den unabhängigen Digital-Vermögensverwaltern schlägt sich vor allem Liqid weiterhin beachtlich. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ liegen die Berliner aktuell bei 195 Mio. Euro. Den (mehr oder weniger) kompletten Marktüberblick finden Sie hier:

Finanz-Szene.de

News

Gebühren-Kamikaze-Strategie der GLS Bank geht offenbar auf: Eine 60-Euro-Pauschal-Gebühr zusätzlich zu den bestehenden Kontoentgelten – mit dieser Neuerung beglückte die Bochumer Öko-Bank GLS vor einem Jahr ihre Leute. Wie die Sache ausgegangen ist? Offenbar gut. Denn obwohl die Kunden dem deutschlandweit einmaligen Hausbank-Soli-Zuschlag explizit zustimmen mussten, suchten bis Jahresende nur (ja, wir finden: NUR) rund 18.000 der bis dato 211.000 Kunden die Flucht, also nicht mal 10%. Zugleich kamen aber 20.000 neue Kunden hinzu, viele wohl auch in vollem Bewusstsein, was sie da tun. Für die GLS Bank heißt das (wenn wir das alles richtig verstanden haben), dass sie zumindest vorerst mit 12 Mio. Euro  Solidar-Profits im Jahr kalkulieren darf, nicht schlecht für ein Institut ihrer Größe. Doch falls Sie, liebe 0-8-15-Banker, jetzt auf die Idee kommen sollten, es der Ökobank gleichzutun: Überlegen Sie sich das gut. Für den Soli-Gedanken dürfte nicht jede Klientel so empfänglich sein wie die der GLS (also: lieber weiterhin eher hintenrum an der Gebührenschraube drehen!!!). Handelsblatt, Börsen-Zeitung (Paywall)

Jetzt wird es ernst, Deutsche Bank: Bislang hat „Finanz-Szene.de“ alles, was dem Themenkomplex „DBank / HNA“ zuzuordnen war, im Zustand gesteigerter Belustigung verfolgt. Vermutlich ist es nun allerdings an der Zeit, den Tonfall zu ändern. Denn: Seit gestern glaubt die Welt zu wissen, wie ernst es um den Ankeraktionär des größten deutschen Geldinstituts wirklich steht (mindestens 2,4 Mrd. Dollar sollen HNA an Liquidität fehlen). Das klingt nicht gut, selbst für Leute wie uns, die die Einzelheiten dieses ganzen Deutsche-Bank-UBS-HNA-Collar-Trade-Deals nie durchdrungen haben. Bezeichnend: Die Deutsche-Bank-Aktie ist gestern gleich mal um fast fünf Prozent eingesackt. Nicht lustig. Reuters

95 Millionen Euro für Quickborn: Dass wir die Comdirect nicht ganz so dolle finden, wie sie sich selber findet, haben wir anlässlich der Q3-Zahlen ja schon mal durchscheinen lassen. Drum wollen wir es diesmal kurz und knapp halten: Die Coba-Tochter hat 2017 vor Steuern 94,9 Mio. Euro verdient und findet das „gut“. dpa/FNP

Eine kleine Einordnung zu unserer Scalable-Geschichte von weiter oben: Die Kollegen von „Fondsprofessionell“ schreiben, dass der nicht sonderlich große, aber auch nicht gänzlich unbekannte Freiburger Asset Manager Greiff Capital die Ein-Milliarden-Euro-Marke durchbrochen hat. Damit wissen wir nun auch, wo der größte deutsche Robo in Deutschland jetzt volumenmäßig ungefähr steht – irgendwo im Rang einer Mittelklasse-Geldverwalter-Bude. Wir finden das angesichts der Wachstumsziffern nicht schlecht, aber natürlich kann man sich auch auf den Standpunkt stellen: Robo – viel Bohei um wenig. Fondsprofessionell

Den Main Incubator gibt es auch noch: … und gestern hat der Fintech-Investor der Commerzbank sogar mal wieder von sich hören lassen. Er beteiligt sich nämlich an einem Berliner Startup namens Lana Labs, das sich grob gesagt im Themenfeld  Banking-Software / Big Data / Process Mining bewegt. Hier die entsprechende Pressemitteilung. Und wenn Sie mehr zu Lana Labs erfahren wollen, dann klicken Sie hier auf die sehr vernünftig gemachte Unternehmens-Homepage.

Beyond .de

Was machen Amazon, JP Morgan und Berkshire Hathaway denn da? Naja, sie haben sich zusammengetan, um „eine Art Krankenkasse für die Mitarbeiter“ zu gründen, wie es die Kollegen von „Spiegel Online“ in ihrem unnachahmlichen „Jeder-soll-es-verstehen-Deutsch“ formulieren. Nun ist „eine Art Krankenkasse“ noch nicht „Amazon Insurance“, und „Amazon Insurance“ wäre noch nicht „Amazon Bank“. Aber lesen Sie’s vielleicht trotzdem mal. Spiegel-Online, Wall Street Journal (Paywall)

Und noch eine Meldung, die einige von Ihnen tangieren oder wenigstens irgendwie interessieren könnte: Blackstone kauft das Kerngeschäft (sprich: Börsen- und Wirtschaftsdaten) von Thomson Reuters. Handelsblatt

Lesetipps

Warum die Kunden beim Erstkonto weiterhin auf Banken (und nicht auf Fintechs) setzen … erläutert Remigiusz Smolinski, Business-Development-Vordenker bei der von uns sehr geschätzten Comdirect. Der Bank-Blog

Warum Banking das neue Payment ist (oder werden könnte) … dröseln die Kollegen des Paymentandbanking-Blogs auf. Paymentandbanking 

Klickfavorit

… war gestern unser rechtmäßig erworbener Scoop zum erstaunlichen Akquise-Erfolg von N26 in Frankreich. Finanz-Szene.de